Achtung! Diese CD kuschelt nicht! Was passiert wenn Techno und Metal aufeinandertreffen stellt die französische Gruppe Fast Forward auf ihrem aktuellen Album „Mabinogion“ zur Schau. Dabei bilden walisische Sagen aus dem Mittelalter und die keltische Mythologie das thematische Grundgerüst für Musik, die mal nach Industrial Black Metal, mal nach Techno, aber immer knallhart klingt. „Warcore“ nennen die Franzosen das.

Tatsächlich hört man hier mal Industrial Metal von unten: Im Gegensatz zu den meisten Bands, welche diese Genres miteinander verbinden gehen Fast Forward nämlich genau den anderen Weg und versetzen nicht ihren Metal mit Elektronik, sondern umgekehrt, ihre Elektronik mit Metal. Diese Art Mélange klingt zunächst recht unkonventionell, doch gab es auch schon vor den Franzosen Bands, die sich in diese Richtung hin orientierte.
Die bekannteste von ihnen dürfte Ministry sein. Nun spielen Ministry heute eine andere Art von Musik, aber Fast Forwards „Mabinogion“ setzt in etwa dort an, wo Ministry mit „Psalm 69“ einmal angefangen haben. Die Band bleibt dabei aber keinesfalls stehen, sondern hat den Sound entsprechend erweitert und vor allem verhärtet und insbesondere die Elektronik sehr stark ausgebaut.

Im Gegensatz zu vielen anderen Bands dieser Kategorie setzen die Franzosen primär auf harte Elektronik mit stark verzerrten Synthesizern und vor allem auf hektisch-hämmernde Beats aus der Dose, die ihre Wurzeln ganz klar im härteren Technobereich haben (der ja nun auch mit Bands wie beispielsweise XotoX im Gothic Einzug hält). Soll heißen: Hier stehen die Gitarren größtenteils als Begleitstimme im Hintergrund, während die Elektronik den Ton angibt und der eigentliche Star ist. Meistens ist es ja bei Industrial Metal genau umgekehrt. Insofern ist das musikalische Gesamtbild der Band erstmal erfrischend anders. Auf jeden Fall klingt die Musik sehr roh, kraftvoll-aggressiv und vor allem finster und keinesfalls elektronisch glattgeleckt, wie beispielsweise bei NiN. Als typischer Song dieses Albums ließe sich z.b. „Cult of the Skull“ einstufen:
Kurzes Elektrosample als Intro, danach setzt der Riff der E-Gitarren ein bevor ein gnadenloses Beatgehämmer einsetzt, das kaum Raum zum Atmen lässt und kurz darauf fängt auch schon der Sänger an seine verzerrten Parolen einzubrüllen. Es ist fraglich, wie tanzbar diese Musik ist, aber zum Austoben ist sie allemale geeignet!

Wer jetzt aber denkt es stünde ein reines Schlagwerk mit „Mabinogion“ ins Haus, der hat sich getäuscht. Nummern wie „Sacrifice“ mit seinen sanft-sägenden Riffs und der nahezu unverzerrten Sangstimme drosseln die bpm ein wenig und sorgen so für die nötige Abwechslung. Gerade dieser Song sticht als besonders leicht zugänglich hervor. Insgesamt hat er einen KMFDM-ähnlichen Charakter, auch wenn die Sangstimme eher an Trent Reznor erinnern mag. „Revenge“, bei dem auch VX 69 von der ebenfalls französischen Band „Punish Yourself“ mitsingt, hingegen ist ein gemächlicher, stampfender Song, der sich wohl auch gut für die Tanzfläche eignet. Hier sind auch die Gitarren wieder mehr im Vordergrund. Das Instrumental „Marudiat Es Atrebatia“ arbeitet vor allem mit Percussion und zeigt, dass die Band auch ausgefeiltere Rhythmen schaffen kann als nur Frontalgedresche bei dem die bpm nur so purzeln. Der Großteil der Songs jedoch sorgt für fröhliches Gedresche und lädt zum Moschen (ja, zum Moschen!) ein. Unter diesen Fetzern ist aber „Slaughter Retreat“ der härteste. Hier hämmern die Beats wie ein Presslufthammer. Ähnliches gilt auch für „Guerre totale“ und „Ruf an Brigantia“.
Als Ausklang steht die langsame Absturznummer „Calleva“ auf dem Plan, der allerdings auch für sonst nichts zu gebrauchen wäre.

„Mabinogion“ ist ein überzeugendes Album, das knallharten Industrial mit satten Riffs und keltischer Mystik verbindet und so für einen rohen, brutalen, aber auch atmosphärischen Schlachtfeld-sound sorgt, der nur wenige Fans von Industrialmusik kalt lassen dürfte. Wer harte Elektronik mag und sich nicht an E-Gitarren stört sollte die Band auf jeden Fall im Auge behalten!

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