Selbst Till Lindemann, der Sänger von Deutschlands Vorzeigebrachialband Rammstein, hat Ruoska in der Vergangenheit schon mit seiner eigenen Band verglichen, so stark ähnelt sich der Stil der beiden Bands. Tatsächlich wird kaum jemand den Einfluss Rammsteins als Genrereferenz in der Musik von Ruoska abstreiten. Doch ist Ruoska wirklich nur ein billiges Plagiat, das sich bei den sechs Berlinern mehr schlecht als recht bedient hat oder ist Ruoska ein echter Geheimtipp für Kenner?

„Amortem“ ist zwar schon letztes Jahr erschienen, ist aber noch immer das aktuelle Album der Band. Mittlerweile wurden die Songs „Alasin“ (Amboss), „Mies Yli Laidan“ (Mann über Bord) und „Pure Minua“ mit mehr oder weniger aufwendigen Videos auf dem finnischen Markt als Singles ausgekoppelt und sollen in den Charts recht erfolgreich gewesen sein. Und die Parallelen mit Rammstein reißen einfach nicht ab:
Auf dem Album sind genau elf Songs enthalten und sie sind alle komplett auf finnisch, also der Muttersprache der Band, gehalten. Bei so vielen Ähnlichkeiten sollte man das Material dann natürlich genau begutachten…

Das Album präsentiert sich als eine Mischung aus drei Komponenten:
1. Schnelle, klassische Rocksongs nach Art von Rammstein („Alasin“, „Taivas Palaa“, „Sika“, „Mies Yli Laidan“.
2. Langsame Songs, die für etwas Abwechslung sorgen („Amortem“, „Järvet Jäihin Jää“, „Tuonen Orjat“, „Kesä Tulla Saa“).
3. Songs, die aus dem strikten Industrialschema herausfallen und das Album und den Stil auflockern („Pure Minua“, „Viiden Tähden Helvetti“).

Nach einem stimmigen kleinen Intro geht es fast nahtlos in den ersten wirklichen Song der Platte, „Amortem“, über. Dieser greift das eben noch langsam gespielte Motiv des Synthesizers in gewohnter Manier erstmal mit herrlich harten Gitarren auf, bleibt im Vergleich zu den restlichen Songs des Albums aber noch recht langsam. Der erste richtige Abräumer des Albums ist „Pure Minua“ mit seinem flotten Grundrhythmus, der durch den brodelnden Bass und den Synth noch weiter zugespitzt wird. Wenn darüber dann die Gitarren anfangen loszuschrubben und Patrik Mennander zum Refrain ansetzt, der mehr melodisch-gesungen denn brachial gebrüllt ausfällt, reißt der Song einfach nur mit – ein klares Highlight der CD. Dagegen fällt der nachfolgende Song, „Taivas Palaa“ (Der Himmel brennt), schon wieder um einiges gewohnter aus und erinnert stellenweise stark an „Zerstören“ von Rammstein, ist allerdings insgesamt langsamer, klingt nicht so schwer und hat über den Einsatz des Choreffektes mehr Kick zum Refrain hin. Inhaltlich geht es um das Ende der Welt – Zufall?

„Järvet Jäihin Jää“ (Die Seen bleiben gefroren) setzt dann zur Mitte der Platte hin einen Ruhepunkt und kann mit schönen, langen Riffs punkten, die von gezogenen Streichern begleitet werden. Der wunderbar melodische Refrain schließlich macht den Song zu einem der schönsten Stücke auf dem Album. Rammsteinfans werden sofort die Inspiration durch „Reise, Reise“ erkennen. Aber auch wenn es inhaltlich einige Parallelen gibt („Die Ehe zwischen See und Land währt ewiglich“), handelt es sich hier eigentlich um eine Ode an Finnland, die ansonsten nur wenig mit dem vermeintlichen Vorbild zu tun hat. Neben „Järvet Jäihin Jää“ und „Amortem“ gehören auf jeden Fall noch „Tuonen Orjat“ und „Kesä Tulla Saa“ mit in die Riege der ruhigeren Stücke, was aber nicht heißt, dass die Rhythmik nicht mitreißend wäre.
„Sika“ (Schwein) ähnelt mit seinem piepsenden Synthesizer ein wenig „Pure Minua“, hat aber einen gänzlich mechanischeren Rhythmus und einen typischen, sägenden Riff mit gebrülltem Ein-Wort-Refrain. Ein Song, der das klassische Muster perfekt umsetzt. „Viiden Tähden Helvetti“ klingt hingegen gar nicht nach dem Standardmuster. Der Refrain ist wieder melodisch und auch die drums sind zwar gut dabei, haben aber mit dem typischen Maschinenmuster nichts zu tun. Der Song bricht stilistisch aus dem starren Muster aus, fällt aber nicht aus dem Rahmen. Stattdessen beweist die Band hier, dass sie eben mehr drauf hat, als nur ständig den selben Sound einzudreschen. „Mies Yli Laidan“ (Mann über Bord) hatte eines der düstersten und aufwendigsten Videos, das die Band bisher wohl gemacht hat und fällt zuerst einmal unangenehm durch den trötigen Technosound auf. Diese Synthstimme will sich irgendwie nicht ganz in das Klangbild des Songs einfügen, aber hat man sich erst einmal daran gewöhnt, bekommt man einen weiteren starken Song mit massiven Gitarrenriffs. „Alasin“ (Amboss) schließlich bildet das brachiale letzte Highlight dieses Albums vor dem Outro und ist neben „Pure Minua“ und „Järvet Jäihin Jää“ eines der absoluten Höhepunkte der Platte. Nachdem man also erst einmal ordentlich krachige Riffs um die Ohren gepeitscht bekommen hat geht es zunächst wieder ruhiger weiter bevor im Refrain wieder die ordentlich Balken krachen. Abgeschmeckt wird das Ganze durch ein nur allzu vertraut wirkendes Synthsample… SO muss Industrial Metal klingen!

Ich für meinen Teil denke, dass die Band hier, faktisch betrachtet, ein durchaus gelungenes und abwechslungsreiches Industrial Metal Album geschaffen hat, das sogar noch ungewöhnlich zugänglich für diese Stilrichtung ist. Empfehlung: Unbedingt mal reinhören!

Anspieltips für die Unentschlossenen sind:
„Pure Minua“, „Alasin“, „Viiden Tähden Helvetti“, „Järvet Jäihin Jää“

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