Gut eineinhalb Jahre nach ihrem letzten Erfolgsalbum „Navigator“ und gut ein Jahr nach ihrer Compilation „Always and Forever Vol. 2“ melden sich Funker Vogt mit „Aviator zurück an die Front.
Mit im Gepäck 12 Tracks, die unterschiedlicher nicht sein könnten, und ganz sicher für einigen Gesprächsstoff sorgen werden.

Getreu dem Motto „Never change a running system“ bleiben sich die Funker ihrem bisherigen Stil treu, größere musikalische Veränderungen sucht man Vergebens. Gewohnt düstere Tracks, dumpfe Bässe, verzerrte Lyrics und das Ganze gewürzt mit einer melodischen Grundlinie – so kennt man es seit Jahr und Tag.
Andererseits ist es auch nicht schlecht, nicht andauernd zu versuchen sich selbst neu zu erfinden.

Ganz neu war diesmal allerdings die bislang ungewöhnliche Promotion vor dem Release: So gab es im Voraus exklusive Videobotschaften, in denen sich Jens und Gerrit zu Wort meldeten und über die Arbeit und Vorfreude auf das neue Album berichteten, und gut einen Monat vor Release des Albums wurde der Track „City of Darkness“ in einem exklusiven Fan-Mix zum freien Download angeboten (Mindbreed berichtete).

Ab dem 27. April steht „Aviator“ in zwei Versionen in den Läden. Die normale Edition enthält das Album mit 12 Tracks, welches mir als Promoversion vorliegt und hier rezensiert wird. Zusätzlich gibt es eine Limited Edition, die im Vergleich zum normalen Album mit gerade einmal 3 Euro mehr zu Buche schlägt, dafür jedoch 14 Tracks auf dem regulären Album enthält sowie eine zweite Disc mit fünf Mixen im 5.1 Format sowie einem Multimediapart, der ein Interview, ein Making-Of des Fotoshootings, eine Fotogalerie sowie einen Trailer zum PC-Spiel „Grabenkrieg in Europa“ enthält, zu dem Funker Vogt den Track „Killing Ground“ beisteuerten. Und als wäre das noch nicht genug, gibt es einen Gutschein für die Vorab-DJ-Promo-CD „Club Pilot“, der auf allen Konzerten eingelöst werden kann.
Aber zurück zum Album, wie es hier liegt.

Völlig ungewohnt startet „Aviator“ mit dem knapp zweiminütigen „Welcome to Destruction“, jedoch begibt man sich in gleich mit dem folgenden „Paralyzed“ in gewohntes thematisches Terrain; wir erinnern uns, dass die bisherigen Alben die, oftmals kriegerischen, Geschehnisse in der Welt auf musikalische Art und Weise kommentierten, und dass die Band um Sänger Jens Kästel ihre Botschaft bei Liveauftritten durch martialisches Auftreten unterstreichen.
„Child Soldier“ beschäftigt sich, Nomen est Omen, mit der Thematik der Kindersoldaten und bewegt sich eher im Lowtempobereich. Gut hörbar, mehr aber auch nicht.
Interessanter wird es bei dem eingangs erwähnten „City of Darkness“ – mit guten 135 Beats per Minute, einer guten Struktur und eingängigen Refrains scheint er nahezu prädestiniert zu sein, um auf Konzerten und Tanzflächen aufzuräumen. Der im Vorfeld veröffentlichte Remix holt jedoch noch mehr aus dem Stück heraus, sollte daher auf keiner Festplatte fehlen!
„My Fortune“ erinnert beim ersten Hören zunächst gar nicht an bekannte Funker Tracks, dafür sorgt „Hostile Waters“ mit gut sechs Minuten Spielzeit für das altbekannte Gefühl und bietet einen musikalischen Brückenschlag zwischen „Navigator“ und „Aviator„. Eigentlich hätte dieser Song, der sich thematisch mit Aufbruch, schwieriger Reise und einer mehr oder minder glücklichen Ankunft beschäftigt, eher an früherer Stelle Sinn gemacht, wenn man das Konzept der Überleitung zweier Alben konsequent verfolgen würde.

Mit „Thanatophobia“, der Angst vor dem Tod, bricht der nächste potentielle Clubkracher über uns herein. Nicht nur das überdurschnittlich hohe Tempo sondern auch die ausgefeilten Konstrukte aus Lyrics und Sound können überzeugen und machen Vorfreude auf die bevorstehende Tour.
Einen herben Dämpfer auf diese Vorfreude verpasst jedoch „Frozen in Time“, zwar ist das Stück durchaus hörenswert, man könnte es aufgrund des beinahe gemütlichen Tempos getrost als Spaßbremse bezeichnen – im wahrsten Sinne des Wortes. Vielleicht soll es aber auch dem Hörer eine Verschnaufspause verschaffen, denn mit „One“ geht es da weiter, wo „Thanatophobia“ aufgehört hat, irgendwo auf einem Schlachtfeld – oder einer x-beliebigen Tanzfläche, wahlweise mit oder ohne Band. Auch „One“ entfaltet sein wahres Potential erst bei Lautstärken, die von den Nachbarn als Lärmbelästigung tituliert werden könnten – aber das ist dann zweitrangig, das Klingeln an der Tür hört man dann sowieso nicht mehr, dazu ist man von dem Stück zu sehr eingenommen. Und natürlich ist es dazu auch schlichtweg zu laut…

Was mit „Darwins Nightmare“ gemeint sein könnte, versteht wahrscheinlich nur der, der weiß dass Charles Darwin ein Naturforscher und „Erfinder“ der Evolutionstheorie war. Schaut man dann auf die heutige Zeit, betrachtet den Mensch als das, was die Evolution hervorgebracht hat… nun, das könnte auch einem nicht-Evolutionstheoretiker Albträume bescheren. Leider ist das Stück doppel-l: Lang und langsam. Nichts gegen die Intention, aber hier stellt sich das gleiche Gefühl ein wie bei „Frozen in Time“.
Mit „Blind Rage“ und „Babylon“ gibt es einen eher unspektakulären Midtempo-Ausklang, bevor man sich fragt, was man von diesem Album halten soll.

Das ist auch die große Frage. Einerseits haben Funker Vogt ein grundsolides Album ohne besondere Innovation hervorgebracht, das sich gut hören lässt und das einige Höhepunkte und potentielle Clubhits aufweist. Andererseits wirkt „Aviator“ an sich unstrukturiert, einen roten Faden wird man vergeblich suchen. Zusätzlich wird man immer wieder „ausgebremst“, immer dann, wenn man denkt, das Album könnte sich jetzt in schnellere und energiegeladenere Dimensionen erheben.
Frustrierend? Vielleicht, je nach dem, wie man veranlagt ist. Für mich ist „Aviator“ definitiv ein Rückschritt im Vergleich zu „Navigator“. Die drei Tracks, die wirklich Lust auf Konzert und Party machen, sind einfach zu wenig, der Rest klingt zwar nicht schlecht, hätte jedoch so nicht sein müssen.

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