2 Jahre nach dem Release der letzten Faun CD „Renaissance“ erschien im März das neue Album „Totem“. Die Band hat sich bereits eine ganz eigene Nische im Bereich Mittelalter-Musik bzw. Folk. geschaffen. „Totem“ ist das wohl bisher düsterste Werk von Faun und entführt in eine mystische Klanglandschaft.
Übrigens ist ein „Totem“ ein Gegenstand, Krafttier oder Ahne, der einem in der Geister- wie auch der realen Welt als zauberischer Helfer zur Seite steht.
Das erste Lied „Rad“ beginnt schon sehr düster und stimmt auf das folgende Album ein. Der monotone Gesang wirkt wie eine Beschwörungsformel, die versucht, einen in seinen Bann zu ziehen. Trotz der vielen interessanten Klangelemente bleibt das Stück jedoch ohne Höhepunkte und hört sich schon nach zwei Minuten recht einschläfernd an. Das hat gewiss auch seine Reize, jedoch ist das Stück für einen Opener-Titel zu schwach.
Ganz anders klingt der zweite Albumtitel „2 Falken“. Der zauberhafte Gesang von Elisabeth („Lisa“) Pawelke und Fiona Rüggeberg vermischt mit kraftvollen Rhythmen reißt einen mit. Zauberhaft ist übrigens nicht nur der Gesang: auch der Liedtext verzaubert und zeugt von Oliver S. Tyr’s Lyrischen Talent.
Der dritte Titel „Sieben“ klingt, vor allem wegen seiner vielen Wiederholungen, wieder etwas monotoner. Trotzdem regt der Song zum mitwippen an.
Das Lied „November“ ist ganz im Sinne des gleichnamigen, düsteren Monats. Das Lied ist sehr emotional und wird fast allein von der Stimme Oliver Satyrs getragen. Traurig, aber wunderschön.
„Tinta“ ist eher ein Lied, wie man es von den älteren Faun-Alben kennt. Die Stimmen der beiden Sängerinnen stehen im Mittelpunkt und singen das traditionelle Lied voller Inbrunst.
Der Text stammt übrigens aus der Feder des Spanischen Dichters José Melchor Gomis und ist ohne Musik schon ganz große Lyrik. Wer also gerne schöne Songtexte oder Gedichte liest, sollte sich unbedingt das Totem-Digipack einmal anschauen: Hier gibt es ein liebevoll gestaltetes Booklet voll davon.
Wer Fans des elfenhaften Gesangs von Lisa Pawelke ist, der wird auch vom sechsten Albumtitel „Unicorne“ begeistert sein. Hier wird ihre Stimme nur von zarten Harfen- und Streicherklängen untermalt: Es ist zurücklehnen und träumen angesagt.
Beschwingter wird es bei „Karuna“, dem einzigen reinen Instrumentalstück des Albums. Flöten und allerlei Percussions sorgen hier für einen tanzbaren Song, der in die Beine geht.
Mit dem achten Lied zeigen Faun wieder einmal, wie viel Experimentierfreude und Einfluss aus verschiedenen Richtungen hinter ihrer Musik steht. „Gaia“ überzeugt durch eine sehr orientalische, mystische Anmutung. Der Text des Liedes stammt übrigens von niemand anderem als Homer.
Das Lied „Zeit nach dem Sturm“ lässt vor dem inneren Auge eine triste, verwüstete Landschaft entstehen. Der zweistimmige Gesang ist pure Melancholie, die Percussions verkörpern die nachklingenden Elemente der Natur.
Das Acapellastück „Der Stille Grund“, welches das Album abschließt, hat zwar einen tollen Text aus J. v. Eichendorffs Feder, gibt aber melodisch recht wenig her. Schade!
Ein wenig enttäuscht war ich schon, als ich „Totem“ zum ersten Mal durchhörte. Das Album ist großteils weniger eingängig und tanzbar als die beiden Vorgängeralben und anfänglich auch etwas schwer zugänglich. Einige tolle „klassisch faunische“ Lieder bietet die CD natürlich trotzdem. Aber Faun sind eben wie sie sind: immer wieder überraschend.
Autor: Sylvia












