Rudy Ratzinger aus dem beschaulichen Landshut kann es einfach nicht lassen. Veröffentlichungen aus dem Produktionskeller Wumpscut`s kommen mit der Pünktlichkeit eines schweizer Uhrwerks, oder der Unausweichlichkeit der nächsten Monatsmiete. Je nachdem ob man sich mit der aktuellen Entwicklung des Elektronikers anfreunden konnte oder nicht. Ein Jahr ist es her, seitdem „Cannibal Anthem“ die Gemüter erregte und zu hitzigen Debatten unter den Fans führte. Ruft das neue Werk „Body Census“ ähnliche Gefühlsregungen hervor? Trifft es den Nerv alter Fans, die die „Bunkertor 7“-Zeiten zurücksehnen, oder kann sich diesmal eine neue Zielgruppe angesprochen fühlen, die sanftere Klänge hartem Industrialsound vorzieht?
Mit „The Beast Sleeps Within You“ hämmert ein famoser Opener aus den Boxen, der fast schon das karg eingerichtete Zimmer eines Musikredakteurs in einen Club verwandeln kann – zumindest musikalisch. Rudys markante Stimme ist dabei eines der weniger werdenden Dinge, die an alte Veröffentlichungen erinnern. Die sonst exzessiv eingebauten Filmsamples fehlen auf „Body Census“ auf der anderen Seite jedoch komplett. Trtozdem schafft die neueste Scheibe den Spagat zwischen alten Alben und einem erwachseneren Sound. Dabei bleibt :Wumpscut: aber immer sich selbst treu, ohne sich dabei neu zu erfinden. Sehr eingängig, wenn auch etwas sanfter geht es mit „Remember One Thing“ weiter, einem Track der keine großen Überraschungen, aber guten Unterhaltungswert bietet.
Zur Mitte des Albums sinkt die anfängliche Qualität jedoch, denn Titel wie „You Are A Goth“ und „We Believe, We Believe “ hinterlassen einen bleibenden Eindruck in meinem Gedächtniss nicht durch Abwechslungsreichtum oder kreative Einfälle, sondern eher durch die andauernde Wiederholung des Titels bis zum Erbrechen. Alten Fans die das Album kaufen um Sound in der alten Machart zu hören, können die Instrumentals: „Hide And Seek“ und „The Fall“ getrost überspringen.
Der Hörer der an „Body Census“ mit der Erwartung herangeht, endlich wieder Songs im alten Stile :Wumpscut:`s zu hören, wird enttäuscht werden, denn die Entwicklung weg von den Anfängen ist auch hier bemerkbar, zwar nicht konsequent weitergeführt, aber dennoch existent.
Anfang und Ende des Albums wissen zu überzeugen, während sich der Mittelteil träge wie alter Ahornsirup dahinzieht. Letztendlich ist es Sache des Käufers, ob der Stilwechsel tolerierbar ist, oder nicht. Das Album ist Durchschnitt, weiß an einigen Stellen zu überzeugen, während ich bei einigen Liedern Mühe hatte nicht die Skip-Taste zu drücken (und die Texte schlußenlich wieder aus meinem Kopf zu bekommen).
Autor: Nico












