Letzte Instanz – die sechste.
Fast genau ein Jahr nach ihrem ersten Release unter der neuen Besetzung gibt es jetzt erneut etwas auf die Ohren. „Wir sind Gold“ heißt der neue Silberling, der von den scheinbar nimmermüden Instanzlern auf der Tour mit Schandmaul im vergangenen Jahr aus der Wiege gehoben wurde.

Ein Name – zwei Editionen. Unterschiede liegen hier im Detail, die Standardausgabe gibt es im normalen Jewel-Case, mit Booklet und 14 Tracks, die rund 2€ teurere Limited Edition kommt im hübschen Digipak daher und enthält zwei Bonustracks – warum hier zwei Versionen für einen minimalen Preisunterschied produziert wurden, liegt jenseits meines Verständnisses.

Nach dem eher unspektakulären Intro „Du und ich“ gibt es erst einmal Bass satt, denn das „Morgenrot“ erstrahlt im neuen Glanz und bildet den Auftakt zu einer Reihe club- und partytauglicher Stücke, die allem Anschein nur darauf warten, von den Massen auf der aktuellen Tour gehörig gefeiert zu werden.
Etwas weniger basslastig, aber nicht minder mitreißend schwingt sich anschließend der „Sturmvogel“ hoch in die Lüfte, nur um einen Ausblick auf das zu gewähren, was jetzt folgt.
Die Inchtabokatables rockten Jahre bevor sie in ihre wohlverdiente Pause gingen, mit „You chained me up“ jenseits aller Grenzen – „Wir sind allein“ wandelt auf den Pfaden dieser Klänge und brilliert mit einem astreinen Refrain, den die Fans bereits auf der zurückliegenden Tour auf seine Livetauglichkeit testen konnten, und es sei an dieser Stelle verraten, dass sich neben bekannten Hits vergangener Alben wie „Rapunzel“ oder „Das Stimmlein“ ein weiterer Höhepunkt kommender Konzerte aufgetan hat!

Es wird ruhiger, die Stimmung gedämpfter, die Lyrics nachdenklicher. Beinahe schon melancholisch kommen die Stücke „Komm nie zurück“ und „Der ewige Kreis“ einher, die Holly wie gewohnt mit eingehender und stimmgewaltiger Kehle präsentiert. Hier wird etwas für die beschaulicheren Momente des Lebens geboten, ein gelungenes Kontrastprogramm.
Dass man inhaltlich hart an der Grenze zum Kitsch liegt, wird spätestens beim „Monument der Stille“ deutlich, denn obwohl es ein schönes getragenes Stück mit warmen und ausgeglichenen Klängen ist, fühlt man sich irgendwie in eine kuschelnde „wir-sind-alle-glücklich“-Kommune hineinversetzt, aber das liegt sicherlich auch stark an den Ohren des Zuhörers.

„Meine innere Stimme“ erschallt weitaus lebhafter – und zum ersten Mal. Die kleine römische Ziffer „I“ kündigt an, dass es wohl noch irgendwann weitergehen soll, leider ist dies den Käufern der eingangs erwähnten „Limited Edition“ vorbehalten, doch auch ohne die Fortsetzung in greifbarer Nähe zu wissen, offenbart sich ein astreines Stück zum mitsingen und abfeiern, das einen leider nach allzu kurzen 3:51min irgendwie unbefriedigt stehen lässt. Schade.

Einen ganz anderen Gang schlägt die Letzte Instanz mit „Worte brennen gut“ ein – unwillkürlich denke ich an Dero und Co. von Oomph!, denn Riffs und Lyrics könnten ebenso gut von den bekannten Vertretern der neuen deutschen Härte stammen. Die psychedelisch angehauchte Präsenz einer weiblichen Stimme irritiert gegen Ende des Stückes vollends, so dass der Finger, der bereits über der „Skip“-Taste schwebt, panisch herniederfährt und dem Grauen ein Ende setzt.
Mit „Maskenball“ bewegt man sich in ähnlichen Gefilden, im Vergleich zum Vorgänger bleibt man hier jedoch in harmonischen und tolerablen Grenzen, so dass sich hier zwar nicht unbedingt ein Höhepunkt, wohl aber eine nette Abwechslung herauskristallisiert.
Alle guten Dinge sind drei, alle nervtötenden jedoch allem Anschein nach auch, denn mit „Sie kommen“ endet der Exkurs in die „härteren“ Gefilde.

Basslastig schließt das Album, sowohl „Frei“ als auch „Jeden Abend“ bieten ruhige, seichte Unterhaltung ohne besonderen Tiefgang.
Ein gelungener Abschluss für ein Werk, das beim Hörer die unterschiedlichsten Emotionen auslösen kann. Hier wechseln sich absolute Knaller mit Stücken ab, die mir als eingefleischtem Fan der Letzten Instanz nur ein verzweifelt-resignierendes Kopfschütteln entlocken.

Eine Kaufempfehlung auszusprechen fällt daher auch schwer, somit sollte man sich vorher im Plattenladen seines Vertrauens in Ruhe einmal hereinhören, und im Fall des Kaufentschlusses die zwei Euro mehr investieren und sich die „limited Edition“ zulegen.

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