Skorbut – eine lange gefürchtete Krankheit, die durch Vitaminmangel zum Tod führen kann. Mit diesem Namen bedachten sich die beiden Künstler gleich zu Anfang der Bandgründung. Anhand davon sich vermuten, dass uns tiefsinnige und eventuell kontroverse Musik vorliegt…
Mit dem Titel „Access all areas“ gibt die Band sich selbst auch schon ein Ziel vor, dem auch auf dem Cover der vorliegenden CD Rechnung getragen wird. Eine unbekannte Person mit gefärbten und hochtoupierten Haaren, in Atemschutzmaske, Armeekluft und geschmückt mit einem Gelenkring bestätigt die Vermutung einer Vermischung mehrere Stile auf einer CD.
Was ist das? Ein Testobjekt, welche Titel und damit Stile angenommen werden oder die pure Freude an den verschiedensten Musikstilen? Lasst uns mal reinhören!
Bandgeschichtenabriss
Daniel Galda und Jörg Hüttner trafen bereits im Jahr 1993 aufeinander. Im Studio wurden erste gemeinsame Demos aufgenommen, auch hier stand schon der experimentelle und elektronische Charakter der Musik im Vordergrund. Bekannt wurden die beiden Musiker jedoch erst durch die Mitarbeit bei anderen Musikprojekten wie Relatives Menschsein, Dorsetshire und kAlte fArben. Vor der Veröffentlichung des Debutalbums „Log_In“ im Jahr 2001 stieß Robert Pollich zu dem Duo.
Access all areas
Mit knappen 51 Spielzeit, verteilt auf zwölf Stücke in verschiedenen Stilen, ist der geneigte Hörer eine ganze Weile beschäftigt.
Mit „Hypostase“ steigen Skorbut gleich voll ein und zeigen kurz, dass sie des tanzbaren Geballers auf jeden Fall fähig sind. Von der Musik her sorgen eine einfache, aber treibende Grundstruktur, die ab und zu von beschleunigenden hohen Zwischensequenzen umspielt wird, für Vortrieb. Der Text ist etwas zu sehr nach Prinzip „Reim Dich oder ich fress Dich!“ zusammengestellt und stellt das Stück letztendlich in ein etwas billigeres Licht, aber was solls, tanzbar ist das Stück allemal bestens. „In Zenith“ geht es eher ruhig und kraftvoll an, fast bedächtig und nachdenklich klingt das Lied. Dieses Gefühl wird spätestens bei Einsatz des Elektrochors bestätigt, der den recht klaren Fastsprechgesang begleitet. Mit „Supersonic“ wird das Tempo das Albums dann minimal angehoben, in dem nur kurze Höhertempophasen für mehr als Dahintrancen in musikalischen Sphären sorgen. Diese Linie setzt auch „Toxic Jesus“ fort.
Mit etwas anderen Stilelementen wartet endlich wieder „Morbid Greetings“ auf. Eine abwechselnd grollende und sehr verquere Grundmelodie stellt sich als idealer Hintergrund für den diesmal kraftvoll ausgestoßenen Inhalt heraus. Die Art des „Gesangs“ erinnert wage an die des EBM. Interessante, aber nicht ganz zündende Mischung… Gefolgt von „Stahlbad“ und „Even If It Hurts“ wird auch dieser Stil wieder durchgezogen, aber speziell bei „Stahlbad“ gehen die Rufe doch eher in Gesang über. Für reinen EBM noch etwas zu weich, aber hörbar.
Mit „The World Is Beautiful“ und „Paradise Parasites“ begehen Skorbut den nächsten Pfad, den des Futurepop. Verzerrte Stimmen und sehr technoide Instrumentalik wissen ganz sicher das eine oder andere Tanzbein zu begeistern.
Ganz andere Seiten zeigt dann wieder die „Evakuierung der Seele“: Schon der Titel verheißt eine ganz andere Tonart, die durchaus mit einigen Sachen von Stendal Blast zu vergleichen ist. Raunend gesprochener Text zu ein ganz klein wenig Musik, die nur schmückendes Beiwerk ist, vermittelt eine sehr düstere Stimmung, wozu der Inhalt den Rest beiträgt. Nachdenklich geht es auch in „Fragments“ zu, dass leise und bedächtige Musik mit nahezu depressivem Gesäusel vereint. „Moments Of Clarification“ schließt ebenso ab, nur kommt hier wieder die Kaaya Hoyda ähnliche Stimme zum Tragen. Diese Sparte ist absolut erweiterungsfähig und vor allem -bedürftig!
Abschlussworte
Insgesamt kann das offensichtlich gesteckte Ziel als erreicht betrachtet werden. Einige elektronische Stile wurden verarbeitet und gestreift. Sie sind gut umgesetzt und ebenso hörbar, aber nicht wirklich DIE Knaller und Hits. Der letzte Teil des Albums, dem sich Skorbut gewidmet haben, scheint mir der überzeugendste. Insgesamt eine gelungene CD, natürlich mit vielen Verbesserungsmöglichkeiten.
Tracklist
1. Hypostase
2. In Zenith
3. Super Sonic
4. Toxic Jesus
5. Morbid Greetings
6. Stahlbad
7. Even If It Hurts
8. The World Is Beautiful
9. Paradise Parasites
10. Evakuierung Der Seele
11. Fragments
12. Moment Of Clarification
Autor: Michael












