Hoch aus dem Norden, genauer gesagt aus Hamburg, kommt die Band My Tide, die Ende 2006 mit ihrem in Eigenproduktion vertriebener Scheibe „Love, Lies, Anguish“ frischen Wind in die Gothic-Kultur bringen wollen. Nachdem der Vertrag bei Twilight, wo das letzte Album „Impressions of a dying world“ erschien seitens der Band nicht verlängert wurde, machte man sich nun so „frei“, um neue Wege zu gehen.

Aus ihren kraftvollen Songs hört man heraus, dass sich die drei Musiker Stefan Frost (Gesang, Gitarre, Keyboard), Sascha Otto (Keyboard) und Tobias Norff (Bass, Keyboard), die das Album in Eigenregie gemacht haben, mit Herzblut an das Werk rangegangen sind.
Der Musikstil pendelt sich zwischen Gothic-Rock und einfühlsamen Balladen. Unter den insgesamt 11 Songs finden sich auch zwei deutschsprachige, auf die meiner Meinung nach gut und gerne verzichtet hätte werden können. „Erntezeit“ ist musikalisch gesehen ausgereift, aber der Gesang Stefan Frost´s einfach unpassend und zehrt an den Nerven. Ganz zu schweigen davon, dass es wie eine Oomph! Kopie klingt.

Eindeutige Pluspunkte sammelt die Band bei ihren Balladen. Die sind nämlich sehr überzeugend und Stefan Frost kann aus seiner Stimme sicher noch mehr rausholen, als das, was er hier präsentiert.
Unterstütz wird das Ganze mit weiblichen Gesang bei „Whores“ und „Blood against oblivion“ von Erika Offen und Jana Schade bei „Tag des Engels“.
Allerdings ist mir ein Rätsel, warum man den Opener „You´ll never know“ als letzten Bonus-Song in einer Akustik-Gitarren Version „wet panties version“ genannt hat.

Aus dem Rahmen hingegen fällt „Whores“. Ungewöhnlich elektronisch, im Vergleich zum Rest extrem eingänig und mit Sprachsamples aus dem Film „Se7en“ geschmückt, wird es hauptsächlich durch Sängerin Erika Offen getragen und bildet das originellste Stück auf dem Album. Man sieht, My Tide kann auch anders!

Und so hat man ein dreiviertelstündiges durchwachsenes Album mit seinen Höhen und Tiefen vor sich. Ich weiß nicht genau was ich davon halten soll.
Einerseits faszinierend, andererseits aber auch durch einige Momente, die wirklich unnötig gewesen wären („Tag des Engels“ hätte ich persönlich vom Album geschmissen), wird das Album verrissen.

Das Album kann auf der Bandeigenen Homepage für € 10,00 gekauft werden. Dort finden sich auch einige Hörproben.

Line-Up:
Stefan Frost (v, g, key)
Sascha Otto (key)
Tobias Norff (b, key)

Diskographie:
Tired (1999)
Sounding Lead Demo (2000)
Impressions Of A Dying World (2002)
Love, Lies, Anguish (2006)

Autor: Eniz

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