Es gibt so Sachen, die dienen der Unterhaltung und welche, denen man sich wirklich hingeben sollte, wenn man sie verstehen möchte. Letzteres liegt mit Birdmachines „The reaper sings“ definitiv vor…

Chris Goellnitz und Michael Schaffer sollten durch Ihre Arbeit bei Beautiful Disease mehr als bekannt sein. Geht es dort noch eher gediegen Richtung Wave, wird hier gänzliches Neuland betreten. Die Musik des Projekts lässt sich nicht in Schubladen stecken.

The reaper sings“ ist ein absolutes Exzentrikum, bei dessen Hören man an Grenzen kommt, die denen der Überforderung erschreckend nahe sind. Musikalisch könnte man das ganze wohl ohne Probleme als den finstersten und geistig abgründigsten Dark Wave bezeichnen, der bisher präsentiert wurde.
Fast 68 Minuten quälen und faszinieren den interessierten Hörer über die Länge von zwölf Stücken hinweg die Mischung alter Stilrichtungen mit elektronischen Elementen. Die ansatzweise quakende Stimme von Chris Goellnitz gibt dem eh schon seltsamen, völlig fremdartigen und gleichzeitig betörend scheußlichen und anziehenden Werk den letzten skurilen Schliff.

Eigentlich tut die Musik samt jammerndem Gesang schon weh, aber es ist auch so, dass man vielleicht mehr über ein Werk wissen möchte, das genau diese anfängliche Verstörung hervorruft. Man könnte, wenn man zu Ende hört, vielleicht mehr wissen. Andererseits möchte man der eigenen geistigen Gesundheit willen nicht wirklich in die Finsternis der Seele eintauchen, die dieses Wer erdacht und umgesetzt hat. Was den Inhalt angeht, sollte man hier nicht versuchen, etwas zu pauschalisieren und in Form zu pressen, die Interessierten sollten besser selbst die beängstigenden Weiten des Birdmachine´schen Universums erforschen.

Rein musikalisch ist die Scheibe neben der Exzentrik auch sehr experimentell ausgefallen. Einige Lieder sind wirklich Lieder, wie man sie im ursprünglichen Sinne kennt, andere Stücke sind befremdliche Collagen aus Sprechgesang und monotonen und sich wiederholenden minimalistischen Sequenzen, die das heraufbeschworene, eh schon seltsame, Szenario verstärken. Der Sprechgesang entpuppt sich oft auch als ein reiner Gedichtsvortrag. Die Musik selbst ist zwar seltsam, aber eindringlich und hat hypnotischen, einlullenden Charakter. Es ist eine kleine Ekstase musikalischer Abgründe.

Besser lässt sich das alles leider nicht in Worte fassen, man möge mir dies nachsehen. Die CD toppt sogar das bisher seltsamste, was ich mir bisher in meiner Redakteurslaufbahn angetan habe und erobert sich den Platz 1. Ich möchte von dem Werk keinesfalls abraten, aber manchmal ist es besser, etwas nicht gehört zu haben. Trotz einer gewissen Faszination für derart verschobene Klangwelten kann man die Scheibe nur Leuten ans Herz legen, die wirklich außergewöhnliche Sachen suchen.

Tracklist:
1. The reaper speaks
2. Ship of smoke
3. Birdmachine is damaged
4. Sanatorium
5. Chain
6. The reaper sings
7. Traumlaut
8. Kristallfleisch
9. Why must we collect
10. Every man´s messiah
11. Splintered lady mirror
12. Wheel

Autor: Michael

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