Die langen schwarzen Haare sind wirr über das gesamte Gesicht verteilt und unter diesem dunklen Schleier lächeln verführerisch rote Lippen. Die nach unten gebeugten Arme bringen das Dekollete der nackten Dame noch mehr zu Geltung und verhüllen dabei nur das Nötigste. Ein normaler durchschnitts Mann wird lange nach dem Namen des Interpreten und des Albums suchen müssen, denn die Blicke ruhen auf der Dame wie Barney Gumbles Hand an einer kühlen Duff-Bierdose.

Was passiert wenn man einen italienischen, einen französischen, einen spanischen und einen deutschen Sternekoch zusammen in einer Küche einsperrt und an einem Menü arbeiten lässt?

Entweder man bekommt eine kulinarische Traumreise durch die großen Küchen unserer Zeit, oder die Geschmacksnerven sind so überlastet, dass man später Baguette nicht mehr von Weißwurst unterscheiden kann.
Das gleiche trifft auch für die vier Jungs von Labia zu: Bassist Armando Nappi zupfte vorher die Saiten in der züricher Grunge-Band „Chairbreakers“. Gitarrist Ariel Facundo Rossi steuert dabei seine Erfahrungen in argentinischer Volksmusik bei und Drummer Phillip Eichenberger spielte vorher bei „Px-Pain“.

Damit aus dieser Konstellation kein extrem überladenes Album wurde, bedurfte es professionellen Musikern. Labia wirken beim ersten Hören, ausgeschlossen auf diejenigen die das Debüt „L.D.50“ kennen, stark überladen. Doch mit jeder verstreichenden Sekunde merkt man dass die Vielfalt und der Abwechslungsreichtum dem Hörerlebniss eine ganz spezielle Note verpassen. Der stimmliche Einsatz von Sänger Fernando Lopez ist durchweg gelungen. Während exotische Instrumente wie das Didgeridoo die Klangwelt Labias manchmal um ein paar Nuancen erweitern, ist der e-Bass ständiger Begleiter durch dieses Album.

„Take it“ ist eine Perle, die man auf dem ersten, vielleicht auch nicht auf dem zweiten, aber gewiss auf dem dritten Blick als eine solche erkennt. Dabei hat es mir persönlich „Shiva“ am meisten engetan, aber auch „Without a Trace“ kann bedenkenlos angespielt werden. Wenn ihr also auf der Suche nach unkonventioneller Musik, die an Einfallsreichtum und Abwechslung kaum zu überbieten ist, seid, dann werden euch die Schweizer nicht enttäuschen.

Tracklist:
1. Shiva
2. Sleeping To Dream
3. Without A Trace
4. Take It
5. Incomplete (Intro)
6. Unique

Autor: Nico

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