Stell dir folgendes vor: dein Gitarrist und Co-Songschreiber steigt während der Tour aus, deine Beziehung geht in die Brüche, du findest einen neuen Gitarrist, der aber einen Schlaganfall erleidet und erst einmal in die Reha muss. All dies ist Amy Lee, Frontelfe von Evanescence, in den letzten Jahren passiert. Nichtsdestotrotz hat man den Abschied von Ben Moody gut verkraftet und ist mit dem neuen Silberling „The Open Door“ am Start.
Wieder einmal bewahrheitet sich die fast schon goldene Regel für die CD-Rezension, die da lautet: „Sind die ersten drei Songs nichts, kannst du die ganze CD vergessen.“
Evanescence eröffnen ihre neue CD mit Sweet Sacrifice, einem Lied, das ordentlich abgeht, bei mir aber frappierenderweise die Parallele zur Musik von Pink herstellt. Amy reizt ihre Stimmbänder fast bis zum Zerbersten und der Opener stellt den Rezensenten erst einmal zufrieden, was man auch von den zwei folgenden Stücken, der ersten Single Call me when you´re sober bzw. Weight of the World behaupten kann.
Dann jedoch wird die Musik austauschbar. Gut, das bewährte Rezept aus breiten Gitarreriffs, fettem Bass und eine wunderbar intensive, fast durchdringende Stimme von Amy Lee geht auf, aber es fehlt das „Etwas“, das den Vorgänger „Fallen“ zu einem solchen Erfolg gemacht hat.
Zum Beispiel fehlen die zündenden Melodien und es fehlt auch eine so wundervolle Ballade wie „My Immortal“. Ich habe mir die CD immer und immer wieder angehört, in der Hoffnung, dass die Wirkung besser wird und irgendwie „der Knopf aufgeht“. Tut er aber nicht. Das Album bleibt seltsam zugeknöpft und schaumgebremst trotz fetter Riffs. Die meisten Songs sind so ähnlich angelegt, dass man nichts Aussergewöhnliches heraushört und eigentlich kein einziger Song im Gehörgang bleibenden Eindruck hinterlässt.
Bedenkt man dann, welch ein Hype um die Band aus Akansas gemacht wird und dass es in Europa mit z. B. Lacuna Coil, Within Temptation, Epica oder After Forever Bands gibt, die das Genre Gothrock/Gothmetal innovativer bedienen, so kann „The Open Door“ als grundsolide, aber bei weitem nicht als bahnbrechend bezeichnet werden. Eins aber noch, das mir hervorragend gefällt, und dies ist das bezaubernde Artwork mit einem alle Liedtexte enthaltenden Büchlein.
Tracklist:
1. Sweet Sacrifice – Album Version
2. Call Me When You´re Sober – Album Version
3. Weight Of The World – Album Version
4. Lithium – Album Version
5. Cloud Nine – Album Version
6. Snow White Queen – Album Version
7. Lacrymosa – Album Version
8. Like You – Album Version
9. Lose Control – Album Version
10. The Only One – Album Version
11. Your Star – Album Version
12. All That I´m Living For – Album Version
13. Good Enough – Album Version
Autor: Carsten












