Laibach, die wohl bekanntesten südosteuropäischen Provokateure, wagen sich an die Vertonung verschiedenster Nationalhymnen. Das ganze nennte sich dann „Volk“ und ist das neueste Album der Slowenier und Jugoslawen.
Kurzer Geschichtsabriss
Am 1. Juni 1980 wird Laibach im slowenischen/jugoslawischen Trbovlje gegründet. Mit dem provozierenden alten deutschsprachigen Namen der Hauptstadt Ljubljana treffen Sie genau dorthin, wohin sie wollen und erwirken erste Konflikte mit der Regierung. Dies wird auch zukünftig das Konzept der Band sein. 1980 bereiteten Laibach das multimediale Projekt „Rdeèi revirji“ (Rote Reviere) vor, das allerdings sofort verboten wurde. 1982 finden erste Konzerte in Ljubljana, Zagreb und Belgrad statt. Jedes Konzert trägt einen eigenen Namen.
Ein Konzert am 23. April 1983 wird gewaltsam von der Regierung gestoppt, woraufhin die Band das Land verlassen muss. Der erste Fernsehauftritt in der politischen Sendung „TV Weekly“ stand am 23. Juni 1983 an, was das Verbot das Bandnamens in Jugoslawien zur Folge hat. 1984 begründen Laibach (Musik), IRWIN (Malerei, Grafik), Noordung (damals noch unter dem Namen Sisters of Scipion Nasice) (Theater), sowie einige Untergruppen die Neue Slowenische Kunst (NSK). Ohne den Namen der Band wird im April 1985 das erste Album der Gruppe über das in Ljubljana beheimatete Label „ŠKUC Ropot“ veröffentlicht. „Rekapitulacija 1980-1984“ erscheint ebenfalls 1984 auf dem Hamburger Plattenlabel „Walter Ulbricht Schallfolien“ und „Nova Akropola“ auf dem britischen Label „Cherry Records“. Eine Einladung des Tänzers Michael Clark in 1986 zu einem Auftritt in seiner „No Fire Escape in Hell“-Produktion mit elf Shows in verschiedenen Theatern der Welt sorgte für weitere Bekanntheit. Der Siegeszug von Laibach ist nicht aufzuhalten und so landeten sie irgendwann bei „Volk„…
Volk
„Volk“ ist gleichzeitig Neuvertonung und Neuinterpretation von zwölf Nationalhymnen, einem Stück zum Vatikan und der Hymne der NSK.
Doch es sind nicht nur einfach Neuinterpretationen, die uns erwarten. Die bekannten Stücke werden nicht etwa nur neu aufbereitet, sondern auch mal als Inspiration für ein gänzlich neues Werk benutzt.
Die jeweiligen Stücke beinhalten anprangernde und zynische Textpassagen zu bemängelnswerten Zuständen in Gegenwart und Vergangenheit der Nation.
So darf sich beispielsweise als erstes Deutschland eine Abreibung abholen. Sollte ich das richtig verstanden haben, kämpft es noch immer zu sehr mit seinem Image des zweiten Weltkrieges, die USA spielen sich zu sehr als Weltmacht auf und provozieren damit Ärger und bei Frankreich sind ehemaliges Sklaventum und heutige Straßenunruhen nicht nachvollziehbar. Wieso haben Spanier Spaß an der zur Schau gestellten Tierermordung durch Nationalhelden namens Toreros?
Begleitet wird das alles von idyllisch anmutender, aber auf jeden Fall sehr hymnischer Musik. Der Hymnencharakter bleibt also erhalten, erhält jedoch eine Wendung dadurch, dass mit den kritischeren Worten auch der tiefere Gesang einsetzt und dem Ganzen die Stimmung verleiht, die angesichts des Inhaltes angemessen scheint.
Die Musik bewegt sich hauptsächlich auf der Schiene des seichteren und sehr schlecht tanzbaren elektronischen Genres. Tiefsinnigkeit und träge Melodieführung regen eher zum Nachdenken und zum genaueren Hören auf den Text an. Dies sollte auch sicher die Intention des Ganzen sein, die irgendwie vorhanden ist, aber leider verloren geht, weil „Volk“ nach dem ersten Hören schlichtweg zu langweilig wird wenn man nicht auf die zahlreichen politischen Anspielungen anspringt.
Es sind zweifellos interessante Bienennester, in die Laibach da erneut stechen, doch ob dieses Konzept aufgeht, wird sich zeigen. Provokant sind sie erneut und zumindest das hat Beständigkeit…
Titel:
01. Germania
02. America
03. Anglia
04. Rossiya
05. Francia
06. Italia
07. Espana
08. Yisra´el
09. Turkiye
10. Zhonghua
11. Nippon
12. Slovania
13. Vaticanae
14. Nsk
Autor: Michael












