Als eine der neueren Old-School-Bands schlugen Spetsnaz vor zwei Jahren mit „Grand design“ wie eine Bombe ein und können seitdem über Erfolg nicht klagen. Nun ist die neueste Scheibe auf dem Prüfstand…

Bandkurzgeschichte
Im Herbst 2001 fanden sich Stefan Nilsson und Pontus Stålberg musikalisch zusammen, um harten und kraftvollen EBM zu machen, um eine Lücke zu schließen, die seit Jahren in dieser Szene klaffte. In Vorgängerbands wie Octoberland, Volvo 242, Destin Fragile, Lazer Stefanz, Wärk, and PAF sammelten die beiden Erfahrung auf dem musikalischen sektor und setzen diese nun zum Wohle der Entwicklung von Spetsnaz ein.
Ein vier Stücke umfassendes Demo war dank vieler Ideen und dem Ansporn durch Vorbilder wie Nitzer Ebb, Front 242, Die Krupps, and DAF schnell erarbeitet und der begierigen Öffentlichkeit präsentiert, die die Wiederbelebung dieses Genres begrüßte.
Die verausgabende und gleichzeitig energiestrotzende Live-Präsenz der Band trug zu einem rasch ansteigenden Bekanntheitsgrad bei und so ließ die das erste album nicht lange auf sich warten…

„Totalitär“
Mit ihren Maxi-Auskopplungen und dem ersten Album erarbeiteten sich Spetsnaz einen Status, der sonst nur alteingesessen Bands zusteht. Doch ist man scheinbar mit der Verbreitung eines nicht ganz jungen Musikstils automatisch als alteingesessen integriert. Der Erfolgszug begann mit „Grand Design“, „Perfect Body“ folgte ließ die Begierde auf das neue Album nur noch größer werden und so präsentierten die Schweden zum 03. Februar 2006 ihr dreiviertelstündiges Werk „Totalitär“.
Mit knapp 46 Minuten Spielzeit erscheint die Scheibe etwas kurz geraten, aber bekanntlich macht es nicht die Länge, sondern die Technik…
Nach dem Intro „Prelude“ knüppelt sich das Stück „Uniform“ durch die Boxen. Unkonventionell unmelodisch (bisher war ich wirklich immer etwas Melodie von den Schweden gewöhnt) kommt es daher, reine Härte wird präsentiert und nur kurzzeitig von einer Art Sprechgebrüll unterbrochen.
„Evader“ hingegen beginnt mit einer bereits bekannten scheinenden Passage aus dem Debüt, aber legt dann nicht so richtig los. Das Lied kommt nie richtig in Fahrt, könnte für Old-School-Verhältnisse fast als Kuschelsong durchgehen, aber rein musikalisch belehrt uns sogleich „Kindred“ darüber, dass die Jungs es noch immer drauf haben. Nur gesangstechnisch landet man diesmal teilweise auf einem ganz anderen Level, denn hier wird richtiger Gesang zu EBM-Rhythmen geboten, was irgendwie seltsam klingt. Zum Glück wird dann doch noch in die bisher bekannte Masche verfallen.

Als hätten sich Stefan und Pontus erst warmlaufen müssen, geht es dann plötzlich ab „Reign of wolves“ für drei Lieder in guter altbekannter Manier weiter, bevor mit „Solace“ ein Aggressionstiefpunkt kommt, der dennoch die seltsame Mischung aus kurzen, langsameren Beats und nahezu geflüsterter Botschaft meistert. Sehr gewöhnungsbedürftig, aber ein durchaus interessantes Experiment.
Die restlichen neuen Werke feuern wieder gut rein und bringen mit Sicherheit die eine oder andere Tanzfläche wieder zum Beben, wie es bereits „Grand design“ tat. Mit dem Titelstück „Totalitär“ schließt das Album etwas anders, als man es von Spetsnaz gewöhnt ist. Relativ gemäßigt geht es zum Ende, sowohl musikalisch als auch gesangstechnisch wird eine Spetsnaz-Version eines Chillout geboten…

Fazit
Was sich zuerst als seltsamer Versuch anlässt, kehrt sich ins Gegenteil und überzeugt sowohl in bekanntem Stil als auch mit neuen Elementen, die Spetsnaz zu einer zwar gewöhnungsbedürftigen, aber beachtlichen Reifung verhelfen, die so nicht wirklich zu erwarten war. Eine Weiterverfolgung der Schweden ist auf jeden Fall interessant, ein Reinhören allemal Muss, Anerkennung sollte Standardreaktion sein und die ersten Stücke von „Totalitär“ sind vielleicht nur etwas gewöhnungsbedürftig.

Titelliste:
1.Prelude
2.Uniform
3.Evader
4.Kindred
5.Reign of wolfes
6.Autonomy
7.Degenerated ones
8.Solace
9.You
10.Warfare Inc.
11.My friend – Godspeed
12.Formation
13.Totalitär

Autor: Michael

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