Dass Aalfang schon seither ausgefallene Klänge produziert, ist ja nichts neues. Die Referenzadresse für abgefahrene Klänge meldet sich zurück. Zu einem mit „Gemaicha“, zum anderen in einer Kollaboration mit Emerge (siehe Rezension).

Soso, Aalfang mit Pferdekopf (AmP) waren also in der Vergangenheit mal wieder fleißig gewesen. Mein absoluter Geheimtipp fürs morbid-träumerische, Mirko Uhlig, meldet sich wieder zurück. Nicht viel Zeit ist vergangen seit der letzten Veröffentlichung „Ich habe nur noch 12 Seepferdchen in meinem Tempel“ (Mindbreed berichtete). Herr Uhlig hat sich diesmal wieder etwas sparsamer gezeigt, präsentiert uns auf der neuen CD nur zwei Tracks und orientiert sich hier am Ambient. Ich muss sagen, dass mir das Gekratze und diese Störgeräusche auf „Ich habe nur noch 12 Seepferdchen in meinem Tempel“ als willkommene Abwechslung angesehen habe, aber auch die eher atmosphärisch-soundtrackählichen Klangfragmente, -fetzen, -hintergründe haben auch was für sich, die ich ebenfalls zu schätzen weiß.

Mit einem 21-minütigen Instrumental Stück namens „The fragrance of rice over green calm waves“ – ein Versuch den Titeltrack zu vertonen. Es baut sich, wie für AmP typisch erst langsam auf, tangiert einen Höhepunkt, ohne diesen zu erreichen, flacht ab, baut sich wieder auf, flacht ab. Ein ständiges Auf und Ab. AmP muss man als Gesamtkonzept betrachten und vor allem sehr viel Zeit und Geduld mitbringen, das Zimmer abdunkeln, Räucherstäbchen anmachen, die Augen schließen und sich auf dem Floss treiben lassen, abschalten, loslassen.
Allerdings klingen die Stücke auch wie ein Alptraum. Wäre man in einem gefangen, AmP würde den Soundtrack dazu liefern.

Das zweite Stück „The Butterfly Dream“ bewegt sich wie das erste Stück nahe an der Grenze des Unmusikalischen. Beinahe minimalistisch und mit fast 20 Minuten Länge schon ziemlich abstrakt begeistert es nur noch den hartgesottesten Ambient Liebhaber. AmP gefällt nicht allen, da es absolut kein Mainstream ist und auch keinen Platz für irgendeine Assoziation damit lässt, dafür aber sehr viel Platz für eigene Interpretationen und Träume. Die Wirkung ist für jeden unterschiedlich und das macht AmP dann auch letztendlich zu einem querdenkenden, formenauflösenden, verstörrenden, nachdenklich stimmenden und abstrakten Musiker.

Autor: Eniz

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