Frankreich’s wohl behütetes Geheimnis offenbart sich dieser Tage: Das Duo Candidate aus Nancy veröffentlichte am 25.07.2005 ihr bisher 5.tes Album „Vote don’t Vote“ nach fast 20 Jahren Abstinenz.

Untätig waren die beiden Musiker Cécile und Bidou nicht. Es folgten nach der letzten Platte „Side by Side“ bis 1991 reichliche Soundtrack Beiträge. „Vote don’t Vote“ ist eine Ansammlung von Songs, die von 1987 – 1990 aufgenommen, aber bisher noch nicht veröffentlicht wurden. Daher kann man es als vollwertiges Album ansehen, da auch beinahe 2 Dekaden vergangen sind. Teilweise sind die Songs auch von den Original Tapes remastered worden und auf einen Silberling gepresst.

Die Musik von Candidate bewegt sich immer noch in den 80ern und enthält klassische Electro-Pop-Rock Elemente aus der Zeit. Die typischen Laser-Drums und der minimalistische Sound, prägen den Charakter der CD. Verglichen mit den neueren Electro oder EBM Veröffentlichung fallen sie daher aus dem Rahmen und bilden auch das Profil einer Underground Band.

Wie der Phoenix aus der Asche erheben sich die beiden Franzosen und dürften den ältern Jahrgängen unter uns die Wehmut ins Auge treiben. Es ist herrlich, diesen Retro-Sound anzuhören.
Die CD hat insgesamt unglaubliche 16 Tracks und sind – für den 80er Jahre Standard – ihren Elektro Kollegen aus der Zeit Nitzer Ebb und Front 242 ebenbürtig. Die stampfenden EBM Sound, die ja erst Anfang der 80er in Erscheinung getreten sind, konnte man bei Candicate Anfang / Mitte der 80er Jahre auch bereits hören. Leider blieb die Ehrung dieser Art von Musik bei ihnen aus, was jammerschade ist, da sie durchaus mit den EBM-Giganten mithalten konnten.

Ganz klare Einflüsse von Kraftwerk sind hier herauszuhören. Auch Vergleiche zu den eben angesprochenen Nitzer Ebb sind hier präsent.
Gerade der vierte Track „The Eye of the Cyclone“ könnte locker mit dem Nitzer Ebb Tanzflächenkracher „Joint in the Chaint“ mithalten und verlor auch nach so langer Zeit nicht an Brisanz und Aktualität.
Die Stimme von Cécile ist das weibliche Pendant zu Bon Harris, Douglas McCarthy und David Gooday Sprachorganen. Shoutpassagen wechseln sich mit brachialen Drum-Sequenzen ab. Mal hauchend zart, mal aggressiv wird das Ganze stellenweise mit den Gitarren von Bidou begleitet, die die Imperativ-Brüller von Cécile unterstützen.

Also: Jeder, der Samstag Abends vor Freude ausflippt, weil der DJ ab 2:00 Uhr die Tanzflächenbrüller von Nitzer Ebb und Front 242 auflegt, sollte sich das Candidate Album zulegen, wenn er ein Faible für Laser-Drums und Retro Synthesizer besitzt und außerdem einen Hang zum 80er Jahre Minimal-Elektro-Sound mit E-Gitarren hat.
Gerade die erste Hälfte der CD beschäftigt sich mit den oben genannten Vergleichen. Die zweite ist eher melodiöser und mehr E-Giatarren orientiert.

Underground-Elektronik ist wie im Pressetext wahrlich nicht übertrieben.

Autor: Eniz

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