Mechanical Moth als eine der Newcomerbands des letzten Jahres meldet sich mit der zweiten umfassenden Arbeit zurück, was bedeutet, dass wieder eine Band mehr den Eindruck einer kreativen Eintagsfliege zunichte macht, was in unserem rasenden Zeitalter sehr angenehm ist.

Das bombastische Debüt „Fallen into you“ des Darmstädter Duos schlug krachend, abwechslungs-, facettenreich und tiefgängig ein und bescherte uns einen der musikalischen Orgasmen des März letzten Jahres. Gängige Elemente wie raunende Stimmen, glasklarer Gesang, teils treibende, teils entspannende Keyboardflächen kombiniert mit einem einzigartig scheinenden Gespür für einschmeichelnde Melodien in Vollendung quer durch die Genres unserer vielfältigen Szene ließen das Herz nahezu jeden Musikliebhabers höher schlagen.

Mit „Torment“ liegt nun endlich der heiß ersehnte zweite Teil einer potentiellen Trilogie über die Qualen menschlichen Handelns und Leidens vor, der rein optisch die bereits eingeschlagene Richtung fortsetzt und so auch inhaltlich und musikalisch ähnlich Gutes vermuten lässt. Zierte das Debüt noch eine Motte, das Symbol bzw. „Maskottchen“ der Band, entpuppt sich die Motte auf der vorliegenden Veröffentlichung als verhülltes Gesicht hinter einer gesprungenen Glasscheibe. Man mag diese Symbolik selbst deuten, aber vielleicht klärt der Inhalt den geneigten Leser und Hörer der Texte auch noch auf. Das zugehörige mehrseitige Booklet mit Texten ist ähnlich dem bereits bekannten sehr aufwendig, auch hier sind Skizzen der Bandmitglieder, aber auch Mangafiguren eingearbeitet, die den wiederum sehr tragischen, uns alle irgendwie angehenden Inhalt unterstreichen. Liebe, deren Verlust und die grausamen Folgen werden geschildert, Hoffnungsschimmer eingestreut und auf grausamste Weise zerstört. Das alles hinterlässt eine Stimmung, aus der es so schnell kein Entrinnen gäbe, wenn die Thematiken nicht durch die relativ animierende Musik entschärft würden.

Die Musik ist entweder aggressiv oder ruhig, während sie die Gefühle der behandelten Personen oder Ereignisse widerspiegelt, aber reduziert man Mechanical Moth frevelhafterweise auf die reine Instrumentalik, klingt die Musik nicht zwanghaft nach Beschreibung, Bewältigung und Abschließen von tief schmerzenden Empfindungen, sondern doch etwas motivierend oder vermittelt durch ihre Tanzbarkeit zumindest einen Antrieb zur Bewegung, was völlig im Gegensatz zu den Auswirkungen der beschriebenen Ereignisse steht.
Dennoch ist die bereits in groben Zügen vom Erstling bekannte Musikmischung weiterhin sehr faszinierend, wenn auch leichte Änderungen vorliegen. Aber das ist auch verständlich, schließlich begeben wir uns tiefer hinein in die Materie menschlicher Gefühle und das damit untrennbar verbundene Wirrwar.
Wir bekommen hier eine weit bizarrere Musik präsentiert. Matricide und Tandrin bleiben sich zwar in den Grundzügen treu, „alte“ Elemente aus „Fallen into you“ finden erneut Verwendung, aber werden auch neu arrangiert, verfeinert und düsterer wieder eingesetzt. Viel Elektronik verschiedenster Art, Matricides ausgereifter Gesang, und Tandrins unvermeidlich scheinendes Geraune sind und bleiben die Grundstöcke der Musik von Mechanical Moth.
Sehr vielschichtig arrangierte Klangcollagen, die eine einfache, tiefenbetonte Grundstruktur haben und die mit winzig erscheinenden, aber bedeutenden Details auf mehreren Ebenen umspielt werden, erreichen beim Hörer eine Faszination, die mit jeder akustischen Lektüre der Scheibe steigt, weil sie immer mehr Verständnis auslöst und immer mehr Details offenbart, die zusammen zu komponieren eine umfassende Dauerbeschäftigung gewesen sein müssen. Man weiß die Arbeit, die in „Torment“ steckt, wahrscheinlich selbst nach dritten oder vierten Abspielen nicht in vollem Ausmaß zu schätzen, nachzuvollziehen und zu würdigen.
Erstmals werden nun auch Zitate aus Filmen verwendet, was angesichts des unbestreitbar vorhandenen Einfallsreichtums seltsam anmutet. Man kann in der Verarbeitung von Film- oder Reportagenzitaten zwar nicht unbedingt eine Einfallslosigkeit der Künstler sehen, es ist einfach eine andere Art, den Liedern Inhalte zu geben, aber es wirkt bei „Torment“ etwas befremdlich. Es wird unter anderem Vincent Price, einer der Meister des Horrors zitiert, der das Album mit seinem Text aus Tim Burtons „Vincent“ beschließen darf.

Uns lag zur Bemusterung nur das „einfache“ Album „Torment“ vor. Es erschien bereits am 04.04.2005 auch in einer limitierten Fassung, die neben mehreren unveröffentlichten Stücken zahlreiche Remixe bekannter Künstler, ein Video und eine Zusammenfassung des „Torment“-Albums als zehnminütiges Stück enthält.

Mechanical Moth feilten ein knappes Jahr an dem vorliegenden Album, welchem man die Ambitionen, etwas Besonderes zu schaffen, anmerkt. Es wurde sicher viel Arbeit investiert und das Ergebnis kann sich sehen und vor allem hören lassen. Die CD ist etwas schwieriger zu verdauen als der Vorgänger, aber sie sollte sich dennoch schon bei der zweiten Rotation im Abspielgerät als zukünftiger Dauerbrenner entpuppen. Ein zweites Mal wird die Scheibe auf jeden Fall laufen, von daher haben Matricide und Tandrin wieder viele Begeisterte gewonnen, die ihnen diese Scheibe mit dem unvermeidlichen Kauf danken werden.

Titel:

CD 1
Welcome to torment
Devotion
Blind prophet
Flügelschlag
Radical behavior
Dark dimensions
After that
BBF
A loveletter to your flames
March of the damned
Torment
Shutdown
Another Dream

CD 2 (limitierte Fassung)
Behind your eyes
Shivering
Winternachtstraum
Dark dimensions (Remix)
March of the damned (deutsch)
Flügelschlag (xotox Remix)
Dark dimensions (Seelenzorn Remix)
Shutdown (Exilanation Remix)
Behind your eyes
Torment toccata (allegro assai in a-moll)
Torment Video

Autor: Michael

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