Neben diversen hitpotential-trächtigen Sachen gibt es immer noch Projekte, die nur ein Ziel haben: Musik machen, ohne darauf achten zu müssen was andere darüber denken. Dazu gehört auch Miss Mao…

Über das Fair-Trade-Netzwerk von Novatune veröffentlichte Miss Mao bereits im letzten Spätsommer ihr Debütalbum „Honest truth – dishonest lies“, das dennoch einer Besprechung bedarf, denn dieses Projekt ist ein Reinhören alle mal wert.

Musikalisch angesiedelt zwischen Düstertrance, Tribal und viel Elektronik offenbart sich hier eine sehr einnehmende Mischung, die zwar nicht ganz einfach zu verdauen ist, aber ihren Reiz daraus zieht dass viele Stile bedient werden und die Verflechtung dieser nahezu perfekt verläuft.

Miss Mao startet mit einem andächtig arrangierten Stück namens „L.ake S.hore D.rive“ durch und weist durch die Art von Musik und Vocals erst einmal darauf hin, dass hier Denk- und kleine Sophistereiansätze angesagt sind und der Hörer selbst seine Schlüsse zu ziehen hat, wie man das bereits durch den Titel des Debüts vermuten konnte.
Über den Titelsong und die weiteren Stücke macht der Hörer nun eine Entwicklung mit. Geradezu schleppend beruhigende Rhythmen steigern sich in das ruhig gehaltene, aber dennoch kraftvolle Tanzstück „I circle around…“, das eine Art Höhepunkt auf dem Album darstellt, weil hier die Energie in Miss Mao nur so sprüht.
Ab dem siebten Stück geht es zwar vom hohen Niveau der Musik nicht etwa zurück, aber es werden wieder ruhigere Töne angeschlagen, die ähnlich wie einem Drama ein letztes Aufleben mit „French Canadian bean soup“ haben. Und so endet eine etwas andere eine musikalische Erfahrung und hinterlässt Nachdenklichkeit und eine gewisse Schwere.

Zur Umsetzung dieser einfach scheinenden, aber fordernden Klangcollage verwendete Miss Mao verschiedenste Elemente wie weibliche Gesangseinlagen, klopfende, aber nicht unbedingt dominante Beats oder minimal eingesetzte Industrialeinlagen die eine einfach anzuhörende, aber nicht ebenso einprägsame Melodie ergeben.
Eine stilistische Anlehnung an bekannte Projekte aus den guten alten Zeiten zu leugnen scheint zwecklos: Obwohl Erinnerungen an verschiedene Stücke von Die Form oder Call geweckt werden, zerstreut sich die Bestätigung eines Verdachts des plumpen Kopierens sofort, denn das Zusammenspiel bekannt scheinender Elemente ist bei weitem ausreichend durch eigene Ideen umspielt, um etwas ganz Neues auferstehen zu lassen.
Auf die pure Instrumentalik reduziert, könnte dieses Album auch durchaus einigen SM-Sessions der ruhigeren Art als passende Untermalung dienlich sein, wie die Erwähnung der Größen Call und Die Form bereits vermuten lassen könnten.

Ich hoffe, von diesem Projekt wieder einmal zu hören. Das vorliegende Album ist zwar gewöhnungsbedürftig, aber vielversprechend und macht Lust auf mehr.

Tracklist:

1.L.ake S.hore D.rive
2.Honest truth – dishonest lies
3.Operation mindfuck
4.Fnord
5.Armed and dangerous
6.I circle around…
7.White rabbit
8.French Canadian bean soup
9.Fernando Poo
10.Even false things are true

Autor: Michael

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