Normalerweise kommt die Veröffentlichung einer weiteren Tribute-Platte für mich etwa der Bedeutung des berühmten umfallenden Sack Reis in China gleich, denn unterschiedlichste Tributes für unterschiedlichste Bands, gibt es nun wirklich wie Sand am Meer.
Darüber hinaus enden besagte „Experimente“ nicht selten in billigem Gecovere oder in einer grottenschlechten Umsetzung… Wenn es sich bei einem Tribute aber um eine Hommage an Robert Smith und seine Kultcombo The Cure handelt und wenn sich diese Hommage sogar auf eine saftige Doppel-CD ausdehnt, auf welcher Künstler aus unterschiedlichsten Genres ihre Bewunderung ausdrücken, dann lohnt es sich schon einmal intensiv aufzuhorchen…
Und in der Tat: „Our Voices – A Tribute to The Cure“ eskaliert nicht etwa in schlechten Coverversionen der geschätzten Originale, sondern beleuchtet sämtliche Kultklassiker der Engländer von einer vollkommen neuen Seite. Unterschiedlichste Künstler (darunter u.a. Tanzwut (mit ihrem ersten englischsprachigen Song), Floodland, The Fair Sex oder etwa die neumodischen Elektro-Pioniere von Icon of Coil – um nur einige zu nennen) geben sich auf zwei CDs ausgiebigst die Ehre und kleiden Gassenhauer wie „Friday I´m in love“, „The hanging garden“ oder „Boys don´t cry“ in ein vollkommen neues Gewand.
Das Interessante daran ist aber, dass die Grundstimmung des Originals nicht verändert oder verfälscht wird – nein, sie wird musikalisch lediglich etwas anders interpretiert und diese Tatsache macht „Our Voices“ wohl zu einer der wenigen wirklich niveauvollen Tribute-Compilations. Besonders gespannt war ich ja auf Lizard Smile´s Version von „Burn“, da das (leider oft unterschätzte) Stück meine persönliche Cure-Hymne darstellt…
Sowohl die spacig-rockende Instrumentierung, wie auch das nette Soundgefrickel zwischendurch, gefallen absolut und sind eine Freude für Ohr und Herz! Auch die Hall-bearbeitete Stimme des Sängers kommt wunderbar rüber und man könnte absolut begeistert sein – wären da nicht diese grauenvollen Gitarrenklänge, die bisweilen einen dermaßen penetranten Soundteppich weben, dass die ansonsten fließende, wirklich gute Interpretation des Stückes vollkommen übertüncht wird. Schade!
Combos wie Sanguis et Cinis machen dieses kleine Manko aber durch ihr mitreißendes und ausgefallen abgewandeltes „Friday I´m in love“ wieder wett. Und auch Andy LaPlegua und Co liefern eine tolle elektronische Version von „Killing an Arab“, welche Stimmung pur garantiert. Sehr schön ist auch das recht „darkwavig“ angehauchte „Charlotte Sometimes“ von Sham Rain oder der lasziv klingende „Walk“, welchen The Fair Sex mehr als nur solide hinter sich gebracht haben.
Mit viel Liebe zum Detail wird man hier durch eine abwechslungsreiche Soundlandschaft geführt und ich muss sagen, dass diese Compilation Robert Smith und seinen Kumpanen wirklich alle Ehre erweist. Nicht nur für Cure-Fans ein Muss!
Autor: Shirin












