Zynisch präsentieren Massiv In Mensch ihr neues Album „Menschdefekt“. Mit einer Hommage an die 90er Jahre Technowelle und mit EBM/Industrial Einflüssen.

Bereits seit dem 15.11.2004 ist das nunmehr dritte Album von Massiv In Mensch erhältlich. Das Album, was zunächst in Nordamerika veröffentlicht wurde, hat dort schon für Furore gesorgt; in einigen Playlists erhaschten sie sogar die oberen Ränge. Nun ist das Album auch in Deutschland veröffentlicht worden.

Drei Jahre Zeit hatten sich Daniel Logemann, Mirco Osterthun und Ex-Sängerin Sarah Folkens Zeit gelassen, um das fortzusetzen, was sie mit „Belastendes Material“ und „Die Rein“ begannen. Konnten die Hörer mit „Belastendes Material“ recht wenig anfangen, da es komplett Instrumental eingespielt wurde, kann man sich nun über Gesang und Samples erfreuen.
Massiv In Mensch sind schon eine Band, die sich selber ernst nehmen, erkennt man doch ihre EBM Wurzeln zwischen den zynischen Titeln („A Gothic on XTC“) und den teilweise 90er Jahre Technoidklängen, wie man sie auf den Eichsfelder-Wanderdiskos gehört hat, wieder. Und so kommt eine teilweise wirklich ungewohnte Mischung aus EBM, Industrial und den Eingangs erwähnten Retrosounds.
Zudem gibt es auf „Menschdefekt“ einer der gelungensten 80er Jahre Coverversionen, die ich je gehört habe. Und zwar nichts geringeres als das „Codo“ von DÖF („…und ich düse, düse, düse im Sauseschritt“).

Das Album enthält zudem Stücke, die locker auf der Love-Parade gespielt werden könnten, wie zum Beispiel „Dark Rave“ und „Mein letztes Bonbon“, was mich wirklich sehr an Scooter erinnert, die durch den Industrialfleischwolf gedreht worden sind. „Vokuhila“ ist ein Up-Tempo-Stück, was man auch schon öfters in Clubs gehört hat und gut für die Tanzfläche, aber auch hier unüberhörbare Einflüsse von 2 Unlimited.
Auf die Bremse getreten wird mit „Le-Rav“, mit Blutengel-„Weg zu mir“-Anleihen und bis jetzt der Ohrwurm-Song schlechthin, sowie das nächste Lied „Radius 17 M“.

„A Gothic on XTC“… ich denke, der Titel sagt schon alles und endlich hat jemand mal das Sample aus „Blairwitch Project 2“ benutzt („wisch dir die Schminke aus dem Gesicht“) – es war nur eine Frage der Zeit.
Avantgardistisch geht es bei „Simsalabim“ zu, gradliniger bei „Kunstmutter“ und immer wieder die Retrosounds im Hintergrund. Abgeschlossen wird das Ganze mit einer weiteren Coverversion von „Luv“.

Wer humorvolle Musik mag und dabei die 90er Jahre Technoflutwelle nicht vergessen hat, ist mit „Menschdefekt“ gut bedient. Oder auch um seine Gothic-Kumpels zu ärgern, die die Szene einen Tick zu ernst nehmen bestens geeignet.

Autor: Eniz

Werbung
Redaktion
Unter diesem Benutzernamen werden Beiträge ehemaliger und freier Mitarbeiter zusammengefasst.