VX veröffentlichten am 1. Dezember das nunmehr 4. Album „Eine Blume Feinsten Unbehagens“. Was die eigensinnige Produktion um Ralf Thiessen und Dieter Kulsdom (d.Krem) herausbrachte, ist ein Sammelsurium an skurillen Texten und noch skurillerer Independent-Musik.

Fern von jeglichem Mainsteam siedeln sich VX aus dem Hause Haute Areal, einem Indiependent Label, an. Als eine Mischung aus einem Sammelsurium von Soundkollagen, die sich abwechselnd mit Industrialelementen die musikalische Klinke in die Hand geben, besticht VX allerdings auch mit den teilweise sehr abgedrehten deutschen Texten.
Und diese Texte sind es auch, die jeden Musikhörer, der sich von jeglicher Angepasstheit abgewandt hat, die Augen funkeln lassen. Die Bandbreite reicht von einfachen Alltagsbeschreibungen bis zu völlig abstrakten Neologismen, gespickt mit den absichtlich naiv und analog gehaltenen Geräuschkulissen.

Dabei wird mit Aphorismen und Imperativsätzen nur so umhergeworfen, was anfangs sehr gewöhnungsbedürftig klingt, nach einer Zeit aber ein frühere Einstürzende Neubauten Feeling einstellt. Da ist auch das Stichwort: Minimalistische Musik mit Geräuschkollagen. So, oder so ähnlich könnte man VX beschreiben.

Wie einst Klaus Kinski literarische Klassiker im Rezitationsstil vorlas, so bedienen sich VX an einigen Stellen dieses Stilmittels, vor allem im ersten Stück „Er Erwachte“, was zusätzlich an das berühmte „DNS Wasserturm“ der Neubauten erinnert.
Bereits im zweiten Stück „Buschtrommelalarm“ zeigen sich VX von ihrer lauten Seite. Rhytmische Drums wechseln sich erneut mit den eingangs erwähnten Soundkollagen. Der Text ergibt eigentlich auf den ersten Blick keinen Sinn, sind diese wie die Musik doch zusammengereimte Sätze mit allerlei Wortneuschöpfungen („Mitternachtsbluten“).
„Danke Bestens“ kommt mit einem undefinierbaren Brummen im Hintergrund und einem eingängigen Piano und einem monotonen Keyboard aus. Der Text lädt zum schmunzeln ein; VX haben gut dran getan, selbige im Booklet abzudrucken.
Düster-atmosphärisch geht es bei „Die Tür im Rücken“ daher. Depressive Geräusche und eine sehr tiefe Stimme erzählt von Abschied, Schmerz und das Ende. Wieder eingängiger und als eine Art Hommage an die früheren „Abwärts“ Sachen beglückt „Mimikry“ den Hörer.
Aber das abgedrehteste Stück der Platte ist zweifelsohne „Nachtmusik“. Hier wird Mozarts „Eine kleine Nachtmusik“ mit sehr seltsamen Instrumenten zitiert. Der Text handelt dann eher von allerlei Alltagsbeschreibungen.
„Spontane Selbstentzündung“ ist wieder etwas griffiger und bietet sehr viel Industrialsounds und ist das einzige Lied auf der CD, was einigermaßen für eine Tanzfläche tief unten im Keller einer Literatur-Studentenbewegungs-Partyraumes beeignet wäre und gefällt mir am besten.
Die Illusion einer Erdnussflipsgesellschaftskompatibelen CD wird mit „Amok-Amor“ wieder zerstört. Mit sehr viel Vocal-Delay in dem Refrain ist es sehr schwer den Texten zu folgen.
Das vorletzte Stück erinnert mich wiederum an eine der ruhigeren Haus Arafna Stücke. Den Abschluss macht „Nana-Nacht“ mit einem Insturmental Pianostück. Als Hidden-Track ist ein englischsprachiger „Pop-Song“ eingebaut.

Alles in allem handelt es sich bei VX um eine sehr eigenwillige Musikproduktion, für die Haute Areal aber auch bekannt ist. Ich persönlich finde das hervorragend, dass auch solchen Künstlern die Chance eingeräumt wird, sich selbst und ihre Musik zu vermarkten und trotz allen Mainstream-Geflogenheiten ihren Stil beizubehalten, auch wenn es Anfangs recht schwierig ist, dazu Zugang zu finden, sind grade diese Produktionen sehr innovativ und setzen sich selber keine Grenzen. Der Spaß am Musikmachen ist herauszuhören und gerade das zählt.
„Eine Blume Feinsten Unbehagens“ ist so ein Album, aber ich rate trotzdem jeden einige Soundproben sich anzuhören, vor dem Eintritt in diese Sparte.

Bandbiographie:
VX besteht als Duo seit 1998. Dahinter stehen Ralf Thiesen aus Duisburg (Gesang, Gitarre, Drums, Percussion) und Dieter Kulsdom aus Düsseldorf (Gesang, Keyboard, Tapes, E-tronics), der auch das Projekt d.Krem hat (Interview hier bei uns im Magazin). Beide hatten schon bei der Künstergruppe GRUPPE X zusammengearbeitet und sind nicht nur im Bereich der Musik, sondern auch bei den bildenden Künsten tätig.

Autor: Eniz

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