Mit einem der Überraschungsdebüts des letzten Jahres sorgten Human Decay für Schlagzeilen. Nun steht das neueste Album des Thüringer Trios in den Plattenläden und sorgt für Wirbel auf dem mittlerweile heiß umkämpften Elektromarkt.

Human Decay brachten es seit 1998 bis zu ihrem Debüt auf mehrere Veröffentlichungen. Anfang letzten Jahres war „Perfect visions“ fertig gestellt und sorgte für den Durchbruch, der von Lobeshymnen begleitet wurde. Mit „Disbelieve“ steht jetzt ein weiteres Album in den Läden, das ein Reinhören allemal wert ist.

Die derzeitigen musikalischen Trends unserer Szene heißen noch immer Elektro und Future-Pop. So stoßen Human Decay zwar nicht auf eine Marktlücke, aber auf einen scheinbar nicht zu sättigenden Markt und entfalten sich in diesem.
Temporeiche bis beruhigende und entspannende Melodien kristallisieren sich als Hauptbestandteil dieser Musik heraus. Hier geht es eher poppig als hart elektronisch zur Sache, aber dennoch kann man sich eines gewissen Mitwippens im Takt nicht entziehen. Eingebettet in viele verspielte, ungewöhnliche und bereichernde Elemente, begleitet von klarem bis elektroüblich monotonem Gesang scheint sich so beim ersten Hören keine vor Innovation strotzende Mischung zu präsentieren. Deshalb wird dem einen oder anderen Probehörer diese CD als Dauerbrenner ungekauft durch die Finger rutschen.
Erst nach mehrmaligem Hören fallen die Vielfalt der verbauten Samples und deren Verknüpfung miteinander endlich auf und entlocken dem Hörer die Anerkennung, die dieses durchaus reife Werk auch verdient. Es wurde sehr viel Sorgfalt in die Platzierung der einzelnen Samples in die Gesamtkulisse der Melodien investiert und so liegt ein kreatives Futurepop-Album mit Elektroanleihen vor mir, deren einzelne Stücke unsere Clubs eine Weile bewohnen dürften. In der Clubtauglichkeit liegt auch die größte Stärke des Werkes.
Heimtauglichkeit ist zwangsweise verbunden mit der Vielschichtigkeit der Musik auch vorhanden. Erst bei Ruhe entfaltet sich die ganze Palette der Arbeit der Thüringer Musiker. Allerdings kann man der Platte auch ganz gewöhnliche Alltagstauglichkeit abgewinnen, wenn man sich nicht auf die Analyse der Musik konzentriert, sondern sich einfach nur der Musik als Antrieb hingibt.
Human Decay lassen sich als eine Mischung aus Covenant, VNV Nation und einer Prise 80’er Jahre von Kraftwerk beschreiben. Der Vergleich mit bereits bekannten Bands ist zwar immer dann problematisch, wenn es um das Kopieren geht, aber als Grobumriss muss dies reichen. Es wird keinesfalls hemmungslos zusammengeklaut, es scheint genug Potential von Seiten der Künstler vorhanden, es mit diesen Elektrogrößen und –idolen aufzunehmen.
Es gibt einerseits reine Tanzflächenstücke auf „Disbelieve“, aber auch mit Balladen und komplizierten zu Liedern verknüpften Sequenzen geizt man nicht. Damit ist eine sowohl musikalisch als auch thematisch gut durchmischte Arbeit abgeliefert worden, die auf mehr hoffen lässt.

Hier bringt schnelles Reinhören im Musikgeschäft nicht viel, denn die Entscheidung, ob diese Musik einem liegt oder nicht, kommt erst mit der Zeit. Teilweise schwerer zugängliche Kost verhindert ein ständiges Hören dieses Albums, aber für die zweite größere Veröffentlichung einer Band ist dies eine respektable Leistung.

Trackliste:
1.Intro
2.Stagnant
3.Workerboy
4.Disbelieve
5.Reduplication
6.Modern Preacher
7.Anti-Fate
8.Solitude
9.Another Way
10.No
11.Workerboy(Remix By mnemonic)
12.Disbelieve(Pagan Dance Mix By Plastic)

Autor: Michael

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