Nach nur acht Jahren Bandgeschichte und lediglich vier – wenn auch sehr erfolgreichen – Alben ein “Greatest Hits“-Album auf den Markt zu bringen, ist schon etwas exzentrisch. Wer aber Stefan Olsdal, Steve Hewitt und vor allem Brian Molko kennt, weiß, dass genau dies auf der Wellenlänge von „Placebo“ liegt…

Und so hat man einfach nur die bisher veröffentlichten Singles in chronologischer Reihenfolge auf den Silberling gepackt, das Ganze mit der bisher nur in Frankreich veröffentlichten Single „Protege moi“ verfeinert, mit „Twenty years“ und „I do“ noch etwas Neues draufgepackt und fertig ist die Laube. Für die Leute, die alle Veröffentlichungen der Band ihr eigen nennen, mag „Once more with feeling“ nicht gerade verlockend sein, umso mehr ist die CD ein guter Einstieg für die Leute, die das Trio bisher nur aus den Charts kennen.

Jedoch befinden sich unter den Perlen, die sich hier auf „Once more with feeling“ versammeln, auch einige Diamanten: „You don´t care about us“ in seiner süßen, hilflosen Wut mit den großen Gitarren-Melodien und rollenden Drums; „Slave to the wage“ mit seinem schwebenden Gitarrenintro, das in perfektem Gegenklang zum stoischen Rhythmus steht, sich in ein vielschichtiges großes Ganzes verläuft: Wut in Schönklang. Oder „Taste in men“ und „Black Eyed“ mit ihren für Placebo ungewöhnlichen Rhythmen und Bassläufen. „Taste in men“ nutzt das klassische Bandgefüge in einem vollkommen elektronischen Kontext. Bei „Black Eyed“ laufen Elektro-Rock, Melodie und Wut zusammen: Ein Schlag.

Auch die beiden neuen Tracks „I do“ und „Twenty years“ brauchen sich nicht zu verstecken. Die Single beginnt so 80s wie Brians neuer Haarschnitt, blitzt ein paar elektronische Geräusche über die ruhige Gitarrenlinie und setzt sich mit einer eingängigen Melodie in Sekunden im Kopf fest. Ein ungewöhnlicher Songaufbau, in dem zwischendurch kaum etwas anderes als Molkos Stimme zu hören ist, löst sich später in einen klassischen Hit auf. „I Do“ klingt vertrackter, vielspuriger. Erst die Gesangslinie legt eine Struktur darüber, die dem Song Halt gibt.

Tracklist

1. 36 degrees

2. Teenage angst
3. Nancy boy
4. Bruise pristine
5. Pure morning
6. You don´t care about us

7. Every you every me

8. Without you I´m nothing
9. Taste in men
10. Slave to the wage

11. Special K
12. Black-eyed
13. The bitter end
14. This picture
15. Special needs
16. English summer rain

17. Protége moi
18. I do
19. Twenty years

Autor: Carsten

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