In Zeiten von Sünde, moralischem Verfall und Atheismus, machen sich drei tapfere Mönche auf uns arme Sünder vor dem Fegefeuer zu bewahren. Die Bruderschaft Potentia Animi (dt.: „Kraft der Seele“) versucht mit eingängigen Melodien verlorene Schäfchen wieder für die Herde zu gewinnen. Doch wer genauer hinhört wird feststellen, dass die Ordensbrüder bei weitem nicht so fromm sind, wie es auf den ersten Blick scheint.

In der Ferne ertönt der dumpfe Klang einer Glocke, bis Bruder Liebe (alias Titus Jany), Bruder Nachtfraß (alias Mario Gericke) und Bruder Schaft (alias Phaedro T. Fedrowitz) ihr erstes Lied in einem geheimnisvollen Singsang anstimmen.
„Del Anima“ ist eine gelungen Hinführung in die Klangwelt Potentia Animas, denn dieses Lied vereint viele charakteristischen Merkmale, wie die klösterlich anmutende Einleitung, aber auch den sehr rhytmisch tanzbaren Part, zu einem gelungen Einstand. Virtuosität und Spielfreude finden im zweiten Lied „Domina“ einen Höhepunkt. Der Mönchsgesang zieht sich durch das gesamte Stück, nimmt an den passenden Stellen an Tempo zu und gönnt dem Hörer an einigen Passagen wohltuende Ruhe.

Mit „Gaudete“ wird das wohl unterhaltsamste Lied diese CD angestimmt, dass vielen streng gläubigen Christen die Zornesröte ins Gesicht treiben würde. So heißt es zum Beispiel: „Cunilingus Vagina – Felatio Fallus, Fantasiae Orgie Multiple Orgasmus“. Maria, die Geburt Jesus und Keuschheit? Wenn es nach den drei Ordesbrüdern geht, sind das wohl drei unvereinbarliche Dinge.
Die „Ballade von den 3 Sündern“ zeigt schließlich, was mit Ketzern in der Vergangenheit geschah. An praktischen Tips für das tägliche Leben mangelt es den Herren ebenfalls nicht: „Wenn ihr stecht oder haut, merkt es euch insgeheim, dann niemals bei vollem Mondenschein“ wird dem Hörer mit auf den Weg gegeben. Nur schade, dass Jean, Jack und Nicolo wohl niemals die Gelegenheit haben werden, den Rat in die Tat umzusetzen.

„Das erste Gebet“ ist ein originelles Erstwerk, dass sich angenehm vom mittlerweile recht einheitlichen Sound bekannter Mittelaltergruppen abhebt.

Viele große Fragen unserer Zeit, werden beim Hören dieses Silberlings geklärt. Das fängt bei den Aufzählungen einzelner Möglichkeiten wie Maria schwanger werden konnte an und zieht sich über Lieder mit dem klangvollen Titel „3 hodiger Esel“ hin. Wer authentische Mittelaltermusik sucht, der wird bei „Potentia Animi“ nicht fündig – Wer hingegen seine Freude an eingängigen Liedern hat, die die katholische Kirche mit einem Augenzwinkern aufs Korn nehmen, der ist mit dieser Band bestens bedient.

Und auf dem Totenbett, können wir uns von unseren Sünden mit einem einfachen „mea culpa“ reinwaschen.
Also sündigt Brüder und Schwestern, so lange ihr es noch könnt!

Autor: Nico

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