Nachdem in „Innuendo“ musikalisch die seit Generationen umstrittene Thematik der menschlichen Klonerschaffung behandelt wurde, erreichen wir mit „Imago“ den Standpunkt, an dem der Fötus die kalte menschliche Realität außerhalb der Brutkammer kennenlernt. Mit Hilfe von Dave McKean, der schon Alben von Skinny Puppy, Alice Cooper und Frontline Assembly eine hochwertige visuelle Komponente verleihen durfte, versuchen Interlace uns diese Perspektive in ihrem 2. Kunstwerk zu dokumentieren.
Wer aber von den drei Schweden eine simple Easy-Listening-Zusammenstellung erwartet, der fährt auf dem falschen Dampfer. Das mag auch der Grund sein, warum sie als Vorgruppe zu Suicide Commando nicht ganz so beim Publikum angekommen sind, wie sie es sich erhofft hatten…
„Imago“ soll als weiteres Konzeptalbum das Audio-Gesamtkunstwerk weiterführen und präsentiert sich dementsprechend komplex in einer strukturell analogen düsteren Klangwelt voller industriellem Ambiente und Intelligent-Beats. Die Reise in die tiefsten Ebenen der menschlichen Evolution wirkt durch ihre experementierfreudigen, individuellen Sounds sehr authentisch und versetzen den Rezipienten in eine gewisse virtuelle Realität, die sich sehr facettenreich präsentiert.
Dementsprechend erwartungsgemäß spärlich ist der „Ohrwurm-Faktor“ ausgeprägt in „Imago“, was aber nicht heißt, dass das Ohr sich nicht anfreunden kann mit all den Klangcollagen. Im Gegenteil! Besonders die ersten 3 Tracks „Master“, „Sleep on stones“ und „Conformity“ beweisen, wie hochwertig Electro-Songs heute noch sein können.
Ein kleines elektronisches Kunstwerk wartet auf all die, die sich auf die synthetische Welt einlassen und sich nicht von ihrer Tiefe und düsteren Seite erschrecken lassen. Die heutzutage rar gewordene Experimentierfreudigkeit zahlt sich aus und macht aus „Imago“ durchaus einen elektronischen Lichtblick des Jahres.
Autor: Francois












