Es gibt Musik, die sich dem Hörer nicht sofort offenbart, die mehrere Anläufe braucht, bis es „klick“ macht und sich erst dann in ihrem ganzem Spektrum präsentiert. Und es gibt Musik, der das einfach nicht gelingen will….

„The Secret Of The Silver Blades“ kommt im ersten Moment recht schlicht daher, lediglich zwei silbern beblätterte Zweige zieren – neben dem Bandnamen und dem Albumtitel – das ansonsten schwarze Cover. Dass hier allerdings unübersehbar Plastikgrünzeug verwendet wurde, zeugt nicht gerade von Originalität und Ideenreichtum, zumal man Zweige und Blätter (zumindest dachte ich das) an jedem Baum findet…
Lässt man dies jedoch einmal außen vor und wendet sich der Musik zu, so fällt einem der mangelnde Einfallsreichtum der Musiker, die sich Dark Romeo, Node B und Brain Slade nennen, sofort ins Auge bzw. ins Ohr. Man merkt zwar, dass sich die Musiker Mühe geben, den Hörer in ihre Fantasiewelt zu entführen und sie ihm näher zu bringen, doch so interessant die Idee, ein eigenes, fantasievolles Universum zu kreieren, in dem man auf ganz spezielle Charaktere trifft (die übrigens alle im Booklet aufgezählt werden – allerdings ist das letzte Drittel davon aufgrund der Seitengestaltung nicht mehr lesbar) auch sein mag, so kann sie doch nicht umgesetzt werden. Überhaupt fragt man sich, was die Namen, die man dort findet, mit der Musik und den Texten von Loom Light zu tun haben. Die Musik selbst lässt sich schwer einordnen, mal rockiger, mal ruhig, jedoch stets etwas unmotiviert klingend, als wären die Musiker in Gedanken schon bei der nächsten Kaffee- oder Bierpause. Bei genauerem Hinhören lässt sich der ein oder andere verpatzte Einsatz vernehmen und manchmal muss man sich einfach fragen, ob beim Tempo der Songs Uneinigkeit bei den drei herrschte, da oft einer mal schneller, mal langsamer als die anderen spielt.

All das wären jedoch Kritikpunkte, über die man noch irgendwie hinwegsehen könnte, doch muss man auf jeden Fall feststellen und –halten, dass der Gesang auf „The Secret Of The Silver Blades“ kaum als Gesang zu bezeichnen ist. Jede Band, die einen Sänger oder eine Sängerin hat, sollte sich darüber im Klaren sein, dass diese(r) gewissermaßen das Hauptohrenmerk des Zuhörers darstellt, da durch Gesang und Texte Emotionen doch sehr stark vermittelt werden können. Bei Loom Light trifft man auf einen Sänger, der sich zwar zu bemühen scheint und sich auch durchaus an verschiedenen Gesangstechniken versucht, dabei jedoch scheitert. Er trifft zwar Töne – nur leider eben oftmals die falschen…. Es fehlt ihm sicherlich nicht an Engagement, doch diese Tatsache kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass seine gesanglichen Fähigkeiten mehr als nur ausbaufähig sind – Gleiches gilt übrigens auch für den kleinen Part des weiblichen Gesangs. Schade.
Kaum ins Auge fallen die Songtexte von Loom Light, die sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache verfasst worden sind und sich in einem qualitativen Rahmen von „durchschnittlich“ über „wenig innovativ“ bis hin zu „regelrecht schlecht“ bewegen. In dieser Hinsicht fällt der letzte Song positiv auf, da es sich dabei um ein Instrumental-Stück handelt und der Gitarrist gleichzeitig noch beweist, dass er sein Instrument doch recht ordentlich beherrscht – auch wenn der Song in keinerlei musikalischer bzw. thematischer Verbindung zum Rest des Albums steht und in gleicher Form schon bei unzähligen anderen Künstlern vorgefunden werden kann…

Fazit: Es ist zwar schade, aber mein Gesamteindruck von „Secret Of The Silver Blades“ ist nicht gerade als positiv zu bezeichnen. Zu viele Dinge fallen negativ ins Gewicht, allen voran die gesanglichen (Un-)Leistungen und die zum Teil wirklich schlechten Texte. Dazu kommt, dass es dem Gesamtwerk an einem roten Faden mangelt, denn weder die Musik noch die Lyrics der einzelnen Songs scheinen aneinander anzuknüpfen. Darüber hinaus frage ich mich, was eigentlich der Album-Titel mit dem Gesamtwerk zu tun hat – ich versuche noch, mich des Eindrucks zu erwehren, dass dieser einfach nur ausgewählt wurde, weil er irgendwie ein bisschen interessant klingen sollte……
Trotz aller Kritik soll nochmals angemerkt werden, dass die Grundidee an sich gar nicht schlecht und die Musik von Loom Light zweifellos noch ausbaufähig ist, besonders was Gesang und Texte betrifft – Gesangsunterricht hat schon bei vielen Sängern Wunder bewirkt und an Lyrics kann man immer arbeiten.
Es bleibt abzuwarten, ob das Grundpotential, das sicherlich vorhanden ist, in Zukunft mehr genutzt oder sogar noch ausgebaut wird….

Autor: Jennifer

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