Mana Erg? Was ist und bedeutet das? Diese Frage konnte leider das www nicht beantworten. Wie sich jedoch Mana Erg anhört, lässt sich beantworten, aber selbst das fällt sehr schwer, denn hier liegt keine Alltagskost vor…
Vorstellung der Band:
„Mana Erg“ nennt sich eine bunt zusammengewürfelte Mischung europäischer Musiker, die sich dem Außergewöhnlichen verschrieben haben. Der Kopf des Projektes nennt sich Bruno de Angelis, ihm hat man sowohl Musik und Texte als auch Teile des Gesangs zu verdanken. Unterstützt wird er beim Gesang von Deborah Roberts‚ deren Stimme mit Sicherheit Kristall springen lassen kann, und mittels Gitarre von Tiberio.
Mit „The blind watchmaker“ liegt die mittlerweile 5. Veröffentlichung der Band vor. Bisher kann man auf drei Tapes (Janus – 1993, Patchwork – 1994, Schmalz – 1995) und eine CD (Borderliners – 2002) zurückblicken, die sich alle etwa auf der gleichen Ebene bewegten.
The blind watchmaker:
Das erste Hören stellt sich als Experiment heraus, ob diese ungewöhnliche Zusammenstellung gleich wieder weggelegt oder nochmals probiert wird; Experiment ist daher auch die wohl passendste Umschreibung für die Scheibe.
Dominierend sind leichtelektronische Passagen, auf die tribalähnliche Elemente treffen und zu denen sich wenige dezente Industrialeinlagen gesellen. Zusätzlich werden Brunos und Deborahs Stimme entfesselt und geben der ohnehin schon vorhandenen Verwirrung Futter, denn diese Mischung scheint auf den ersten Ton weder akustisch ansprechend noch irgendwie sinnvoll. Wechselnd zwischen normalem Gesang und nahezu frevelhaft anmutenden anderen Erzeugnissen der Stimmbänder deckt sie eine ungeheure Palette ab, die sowohl Bewunderung als auch Schrecken hervorruft.
Ist man beim zweiten Hören auf das Werk vorbereitet, erscheint einem das Gesamtbild schon weniger kompliziert. Scheinbare Ungereimtheiten ergeben zwar einen völlig schrägen Klang, der in keine Sparte zu schieben ist, aber dennoch irgendetwas auslöst. Die Zusammenstellung vieler paradox scheinender Elemente führt zu einem seltsam beeindruckenden Ergebnis, das sich erst auf Dauer als ständiger Begleiter in Form eines Ohrwurms durchzusetzen weiß. Erstaunlich dabei ist, dass man sich diese Melodien nicht merken kann, das Lied dennoch irgendwie im Oberstübchen herumspukt. Man kann dem Werk also eine gewisse hypnotische Wirkung zusprechen, es ist aber weder etwas zum Nebenbeihören noch irgendwie clubtauglich. Hier kann ich mir nur vorstellen, sich im einsamen Kämmerchen damit volldröhnen zu lassen.
Nicht einmal annähernd so bizarr präsentieren sich die Texte, die versuchen, das Leid der Welt näher zu bringen. Flüche über den Vater (oder etwa Gott?) und Weltkriege finden Erwähnung und bilden in unendlich auslegbaren Versen den inhaltlichen Spiegel zum verwirrenden, wenn nicht sogar verstörenden musikalischen Rahmen und dienen so als Denkansatz.
Bruno de Angelis konnte eine ganze Liste von Gastmusikern für sein neues Werk verpflichten. Neben Artemiy Artemiev als Sohn des großen russischen Filmusikers Edward Artemiev (u.a. Solaris), der diesem Erbe folgt, gibt sich auch Dieter Möbius, Bandmitglied von „Kluster“, die Ehre. Auch Martin Bowes, der Kopf der Band „Attrition“, steuerte seinen Teil bei.
Urteil:
Jünger des Außergewöhnlichen sollten sich diese Scheibe unbedingt anhören. Hier sind viel Geduld und Ausdauer erforderlich, um sich dem Werk vorsichtig zu nähern und es zu erforschen. Nur auf diesem Wege kann man das Album zu der anspruchsvollen Kost erheben, die vorliegt, und so wird sich diese „Hingabe“ für den einen oder anderen lohnen. Der Großteil der „unvorsichtigen“ Hörer wird jedoch mit Sicherheit an der Komplexität oder an dem Unwillen zum Hineinsteigern scheitern, ich jedoch empfinde diese Arbeit als sehr mutigen Schritt in neue Dimensionen der Musik.
Titel.:
1. Bother
2. Wasps
3. The lynx
4. Cunctis Diebus
5. Angel of chaos
6. Target
7. Novi mir
8. Burnig fields
9. Children of the rubble
10. Bonustrack
Autor: Michael












