Sound Tesselated aus Berlin sind nun mit ihrem mittlerweile 4. Studioalbum am Start. Die Band, die ihre Alben (noch) im Eigenvertrieb produziert, schlägt in die Kerbe, die einst Depeche Mode und Melotron gewetzt haben.

Die Berliner Band „Sound Tesselated“ (soviel wie „Klang-Mosaik“) ist kein Newcomer im eigentlichen Sinne, existiert sie doch schon seit 1993. Und so hat sie dieser Tage die vierte CD „Dizzy“ im Eigenvertrieb veröffentlicht.
Die Band um die Macher Norman Haase (Gesang, Musik), Ricardo Eschner (Organisation, Produktion, Gesang) und Marco Dames (Texte) hat es sich zur Aufgabe gemacht, melodische Popsongs zu produzieren. Unkompliziert und liebevoll singen sie von zwischenmenschlichen Beziehungen. Müsste man einen Vergleich ziehen, so kann man „Sound Tesselated“ zwischen Depeche Mode, Melotron, Beborn Beton und Soft Cell einordnen. Das Einflüsse aus 80er Jahre Wave- und Popmusik kommen auch hier stark zum Tagen.
Die drei Jungs kennen sich schon seit der Grundschulzeit, wo sie damals bereits im Schulorchester mitgemischt haben. Mit den Jahren sprossen dann die Wurzeln des damaligen Duos zu entfernteren Ufern, um nun ausgeklügelte Pop- und Wavemusik zu machen.
Und so ist dann auch „Dizzy“ geworden: Chillige 14 Oden an die Gemütlichkeit bei Kaminfeuer und Rotwein, wo man in zweisamer Einsamkeit mit der Musik im Hintergrund die Affektlage des anderen analysieren und liebkosen kann.
Das Album stresst nicht und ist ideal, um es im Hintergrund zu hören. Bei manch anderen CDs, die man im Hintergund hört, bleibt nicht soviel hängen, aber bei „Sound Tesselated“ kommt einem alles sehr vertraut vor, was hiermit kein Vorwurf des Plagiats bedeuten soll. „Sound Tesselated“ haben da klar ihren eigenen Stil, obwohl es dennoch stark an frühere Depeche Mode Werke erinnert. Aber in der Hinsicht wäre es eher ein Kompliment.
Es werden neben Synthesizern auch Wah-Wah Gitarren verwendet, wie man sie aus den 70er Jahren R’n B Popsongs kennt, was dem Ganzen noch mal eine Note der Abwechslung verleiht.
“Ich will Dich spüren“ ist auf „Dizzy“ ist ein richtiger Ohrwurm und sehr raffiniert und schön komponiert. „Skyline“ bietet da eher den Kontrast zu dem sonst sehr fröhlichen Album. Sehr groovig, psychedelisch und düster hat die Band da ein instrumentales Kleinod geschaffen, in dessen Hintergrund nur ein Countdown gezählt wird.
Aber auch die anderen Songs brauchen sich nicht zu verstecken, da sie alle sehr eingängig sind. Freunde von den oben genannten Bands werden sich sicher freuen. Für andere, die es lieber etwas härter mögen, bezweifele ich zu sagen, dass sie mit „Sound Tesselated“ was anfangen können. Aber so hat jeder seine Nische.

Vergleicht man „Dizzy“ mit früheren Werken, so kann man schon eine Veränderung erkennen. So ist das Erstlingswerk „Overnight“ (1996) bei weitem von der Musik her nicht so fröhlich wie „Dizzy“ und geht stellenweise in Richtung „Düster-Pop“, wobei sie von ihrer eigentlichen Linie nicht abweichen. Dass sie in Richtung „Dizzy“ gehen, schlagen sie mit der zweiten CDs „Homeless“ aus dem Jahr 2000 ein. „Dizzy“ ist dann sozusagen eine Weiterführung von „Homeless“. Aber nichtsdestotrotz kann man nichts falsch machen, sollte man sich alle CDs von dieser großartigen Popband mit 80er Jahre Flair zulegen.

Aber „Sound Tesselated“ haben noch mehr zu bieten. So hat Ricardo Eschner ein eigenes Soloprojekt mit dem Namen „Ricardo on the Rocks“, was sich völlig von „Sound Tesselated“ unterscheidet. Musikalisch sowie textlich singt er in Deutsch über die Abenteuer vom schwulen Andy („Andy ist schwul“) oder der Anja, die auch schon mal Geschlechtsverkehr hatte („Anja hatte Geschlechtsverkehr“). Oder der Polka-Song „Mega-Man Baumarkt-Song“, der ebenfalls zum Schmunzeln anregt. Thematisch in der Schmuddelecke angesiedelt ist es eine Art Spaßprojekt. Aber „Sound Tesselated“ überzeugen da doch schon eher.

Autor: Eniz

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