Mit „Brennende Liebe“ und dem dazugehörigen Video legten Oomph! bereits vor mehr als einem Monat ihren nächsten Geniestreich auf musikalischer Chartebene nach. Die dunklere Fangemeinde wird zusätzlich mit L’àme Immortelle-Frontfrau Sonja Kraushofer „geködert“…
Nach dem einschlagenden Erfolg von „Augen auf!“ und „Wahrheit oder Pflicht“ lassen Oomph! es sich nicht nehmen, schon wieder für Schlagzeilen zu sorgen. In dem Ohrwurm-Duett „Brennende Liebe“ wird gemeinsam mit Sonja Kraushofer einmal mehr die Liebe und deren zerstörerische Wirkung besungen. Neben zwei Remixen befinden sich auf der limitierten Single ähnlich wie auf der „Augen auf“-EP zwei weitere Tracks, die ein kleiner Vorgeschmack auf weiter zu Erwartendes sein könnten.
„Brennende Liebe“ erwartet uns vom Sound her üblich ausgefeilt. In verspielte und gegensätzliche Details eingebettet, lassen Oomph! erneut die E-Gitarren brüllen und ziehen zumindest im Refrain einmal mehr die aggressiven Register, die man gewohnt ist. Unterstützt wird diese Klanggewalt von Deros diesmal sehr tief ausgereizter Stimme, die teilweise nahe an der Grenze zu argem Gegrunze die Luft vibrieren lässt. Als Gegenpol mildert Sonjas feine, im Refrain zweite, Stimme akustisch die Sache vom scheinbaren Fluch zu einer Art Romantikhymne ab, auch wenn es inhaltlich beim Gleichen bleibt. Durch den Gesang, die Musik und die Kombination dieser beiden Faktoren ließ der Erfolg der Single nicht lange auf sich warten, da diese Klänge regelrecht erbarmungslos die Gehörgänge stürmen und sich dort derart verankern, dass man sie nicht mehr loswerden kann.
Der große Minuspunkt ist ähnlich wie bei „Augen auf!“ der schleierhaft dünne Sinn des Liedes. Im Zusammenhang mit dem „Frankenstein“-Video mag man zwar seine Bestätigung einer angekratzten Thematik finden, dennoch ist das typische Oomph!-Niveau weit höher angesiedelt. Zudem ist auch Sonja von der Stimme her noch weit unterfordert, soweit sich das aus bekannten Werken ableiten lässt, doch immerhin könnte dies für sie ein Sprungbrett in ein breiteres Publikum sein.
Eine bereits bekannte Thematik wird in „Eiszeit“ aufgegriffen. Das Alter oder eine Krankheit, Zerfall und die damit verbundene Demenz erinnert etwas an das Schlussstück „Der Alptraum der Kindheit“ des Albums „Wunschkind“. Der Hörer wird in die Lage eines solcher Art „bestraften“ Menschen versetzt. Die Musik ist ruhig gehalten, unterstreicht sehr gut den abwesenden Zustand und stimmt insgesamt deprimiert. Da sind die Braunschweiger wieder, tiefgründig und nachdenklich, wie wir sie mögen!
„Kill me again“ setzt wieder auf harte Gitarrensounds, die von aggressivem Gesang auf ihre Spitzen begleitet und in ihrer Kraft noch unterstützt werden. Textlich ist nichts so sonderlich Tiefgründiges vorhanden, aber es ist zumindest sehr auslegbar, was „Brennende Liebe“ nicht unbedingt zulässt. Es geht um Liebe, Lügen und Betrug, jedes weitere Deuten bleibt dem Hörer überlassen.
Die Titel vier und fünf der vorliegenden Scheibe sind der sogenannte „Transporterraum-Remix“ und der „Hot Love Mix“ von „Brennende Liebe“. Abgesehen von den etwas seltsam anmutenden Namen klingen auch die Mixe selbst zum einen sehr gewöhnungsbedürftig, zum zweiten abgehackt und lieblos zusammengeschustert und letztendlich verliert sich jedes kleine Stück Pseudoromantik, -dramatik und musikalisch Eingängige des Originals. Im „Hot Love Mix“ erwarten uns sogar ein Touch 70’er Jahre und konzeptlos hingeworfene Bässe.
Die eingefleischten und langjährigen Fans werden dieses Werk ebenso wie die „Augen auf!“-EP zu handhaben wissen. Man wird alle Hoffnungen auf ein eventuell folgendes Album setzen, das die Richtung von „Eiszeit“ und „Kill me again“ fortsetzt. Alle chartorientierten Hörer können an „Brennende Liebe“ Ihre Freude haben, wie dies bereits hohe Verkaufszahlen belegen.
Oomph! entwickeln sich in den eigenen Augen möglicherweise weiter. Kommerziell tun sie dies mittels ihrer Singles, was ihnen auch gegönnt sei, doch bleibt zu hoffen, dass zukünftig jeglicher Sinnschwund ausbleibt.
Autor: Michael












