Mit „Demon Kiss“ melden sich Blutengel wie angekündigt zurück. Das mittlerweile vierte Album setzt die aus den drei Vorgängern bereits absehbare Richtung ohne große Kompromisse fort und präsentiert uns so die bisher seichteste Veröffentlichung der Gruppierung…
Nachdem Blutengel mit „Child of Glass“ ein sehr überzeugendes und experimentierfreudiges Debüt veröffentlichten und diesem „Seelenschmerz“ nachsetzen, war schon eine Änderung zu bemerken. „Seelenschmerz“ fiel melodischer und weniger bizarr aus, die dritte Schöpfung „Angel Dust“ hatte zudem schon sehr große Pop-Anleihen, aber überzeugte dennoch mit dem ohrwurmähnlich durchgearbeiteten Gesamtwerk. Nun wartet „Demon Kiss“ auf ein noch größeres Publikum.
Es ist klar, dass eine Band sich weiterentwickelt, an ihrem Stil feilt und neue Wege beschreitet. So haben es sich „Blutengel“ vorbehalten, etwas kommerziellere Wege zu gehen. So hört sich die vorliegende „Demon Kiss“ wesentlich popiger an und hat durchaus größere Chancen, als „Angel Dust“, welches als eines der ersten Alben unserer Szene überhaupt sogar die TOP 50 der „normalen“ Charts erreichte.
Das Album ist insgesamt sehr leichte Kost, was sowohl die Konzeption, die musikalische Umsetzung, als auch die Aussage und Tanzbarkeit angeht. Chris Pohls Kreativität scheint einen Ausgleich zu seinen musikalisch aggressiveren Projekten wie Tumor oder Terminal Choice gesucht und gefunden zu haben. Während die zuvor genannten Projekte noch sehr auf pumpende Rhythmen ausgelegt sind, entwickeln sich „Blutengel“ von „Child of glass“ zu „Demon kiss“ von sehr stimmungsvoller, fetisch angehauchter und betont düsterer Musik zu ruhigem Synthie-Pop. Es sind zwar auch Tiefen in Massen vorhanden, doch diese sind wesentlich seichter und gehen im Zusammenhang mit sich gleichzeitig hochspielenden Tönen geradezu unter. Zudem sind sie kein Stilmittel mehr, das besondere Akzente setzt, sondern Grundfeste der Melodie. Es ist keine sonderlich komplizierte Musik, da selbst sämtliche früheren Experimente ausbleiben, was die Scheibe zu einer nett durchdudelnden Pop-Rohkost macht.
Sängerin Constanze liefert ihre Stimme routiniert ab, dem Sänger kann zu recht einmal mehr mangelndes Gesangestalent unterstellt werden.
Da bisher scheinbar das Konzept von Chris Pohl aufging, geht er sogar so weit, einige Sequenzen von sich selbst erneut zu verwenden. Man könnte sich in ältere Stücke zurückversetzt fühlen und darin schwelgen.
Diese Melodien sind leider weniger eingängig, was sofort „Angel Dust“ ins Gedächtnis ruft, die sich dort noch immer häuslich eingerichtet bestätigt.
Die Titelliste ließ beim Titel 9 – „Stay“ meine Augenbraue zucken. Sollte er es etwa gewagt haben? Leider stellt sich die Coverversion des 90’er-Jahrehits der Shakespeare’s Sisters tatsächlich als anmaßendes und nahezu frevelhaftes Plagiat heraus. Jegliches Sister’sches Einfühlungsvermögen ist verloren und Chris Pohl’s monotone Stimme verhilft dem Stück zu ungeahnter Sterilität.
Mit der scheinbar unumgänglichen Weiterentwicklung schlagen „Blutengel“ ein neues Kapitel sowohl in der eigenen als auch der Popgeschichte allgemein auf. Relativ konservativer Klang mag die Gelegenheitshörer zufrieden stellen, die Hardcore-Fans weiter in Verzückung versetzen, aber Fans der erotisch angehauchten und damals entsprechend klingenden Musik maßlos enttäuschen. Durch dieses Album könnte Chris Pohl durchaus Einlass in die Welt der allseits bekannteren Stars erhalten, aber die Synthesizertaste der Weisen hat „Blutengel“ damit keinesfalls angeschlagen.
Allein von der Aufmachung her wird hier einigen verschiedenen Käufern etwas geboten, denn das Album erscheint in drei verschiedenen Fassungen. Je nach Ausführung ist es mit insgesamt bis zu 25 Tracks, inklusive Video ausgestattet. Erhältlich ist diesmal neben dem regulären Album eine auf 7000 Stück limitierte Doppel-CD im Digipack, die als Bonus die CD „Fire“ enthält. Als dritte Variante gibt es eine auf 2000 Stück streng limitierte Box, welche zusätzlich zur limitierten Fassung die streng limitierte CD „Ice“ beinhaltet. Auf „Ice“ ist neben weiteren raren Stücken ein Multimediatrack zu finden. Abgerundet wird das Boxset durch ein exklusives Textbooklet mit handschriftlichen Textauszügen.
Sämtliches Bonusmaterial kann hier nicht beurteilt werden, da dieses nicht vorlag.
Titel:
01. Angels of the dark, 02. Forever, 03. Silent tears (for you), 04. In the distance, 05. Solitary angel, 06. Love killer, 07. Senseless life, 08. Navigator, 09. Stay, 10. Ice angel, 11. Go to hell?, 12. Resurrection, 13. Frozen heart, 14. In my dreams, 15. Verzweiflung
Disc 2 (enthalten in der limitierten Doppel-CD und der Box):
1.Demon kiss, 2.Second chance, 3.Falscher Stolz, 4.Ohne Dich, 5.Kingdom
Disc 3(enthalten der Box):
1.Intro, 2.Mistress of the club, 3.Forever, 4.Die with you, 5.Vampire romance part I live Videotrack
Autor: Michael












