5. Nocturnal Culture Night - Festivalbericht Tag 1

Zum fünften Mal, ein kleines Jubiläum für den kleinen Ort Deutzen bei Leipzig, öffneten sich die Pforten zum Nocturnal Culture Nights Festival (NCN).
Im Festivalsommer mittlerweile gut etabliert, präsentierten sich über 3 Tage insgesamt 30 Bands, vorrangig aus den Reihen des Düster-Pop und Elektro-Spass, für wirkliche Szene-Insider. Denn nicht nur Größen wie Megaherz, Suicide Commando oder Die Art waren dabei, sondern auch auch kleinere Band welche auf großen Festivals leider eher weniger anzutreffen sind. Neben den Bands gab es auch ein kulturell interessantes Rahmenprogramm. Neben Lesungen und Mittelaltermarkt konnte man sich auch bei einer Fotoausstellung oder der Modenschau eine Auszeit vom streng organisierten Line-Up gönnen.

Das NCN wirbt auch damit, dass sich keine Auftritte zeitlich überschneiden. Dies konnte auch in der Praxis bewiesen werden. Die Organisation im Hintergrund war absolut gelungen, so dass man jeden Act musikalisch erleben konnte. Der Reibungslose Ablauf konnte dadurch gewährleistet werden, dass es zwischen jeder Band einen Wechsel von der kleinen Bühne zur Main-Stage gab. So wurden Umbauzeiten für die Zuschauer möglichst gering gehalten.

Zudem stimmt das Preis-Leistungsverhältnis, denn bei einigen kurzweiligeren Festivals zahlt man durchaus für weniger Bands ein ganzes Stück mehr Geld. Ebenso war die Verpflegung vielseitig und zu absolut fairen Preisen angeboten. Schon das Line-Up des ersten Tages lies auf ein spannendes Wochenende hoffen.

Nocturnal Culture Night - Pussybats Um 18:00 Uhr eröffneten THE PUSSYBATS auf der kleinen Bühne das diesjährige NCN.

Zur Band gehören Sid van Sin (Gesang), Roy Rock (Gitarre), Marple 8 (Bass) und Mike Night (Drums). Mit einem kurzen, nur 20 Minuten langen, Gig boten die Künstler einen guten Einstand. Leider waren noch nicht allzu viele Besucher auf dem Gelände, wobei die 4 smarten sicherlich auch eine große Menge ordentlich anheizen können. Sie gaben wirklich alles und die vereinzelt anzutreffende Feiergemeinde honorierte es den PUSSYBATS durch Applaus und die ersten zuckenden Gliedmaßen.

Einige Songs vom Debütalbum „Famous Last Songs“ wurden dargeboten, aber auch ein Cover des White Town Songs „Your Woman“. Bei 20 Minuten bleibt leider auch nicht wirklich viel Zeit für ein umfangreicheres Set. Die Musik geht direkt ins Ohr, verweilt dort ein wenig und geht weiter in die Füße.

Der Gothic-Rock der PUSSYBATS war als Einstieg ins NCN Wochenende absolut gelungen. Viel Potential haben die Stuttgarter, soviel steht fest.

Nocturnal Culture Night 2010 - Tenek Anschließend wurde auch die Hauptbühne freigegeben, die Eröffnung übernahm TENEK.

Dieses Mal weniger Goth-Rock, sondern guter Synthi-Pop aus Großbritannien. Auch hier war das Publikum noch etwas spärlich und der Auftritt, welcher etwas verzögert wegen kleinen technischen Problemen begann, dauerte wieder nur 20 Minuten.

Die Briten Geoff Pinckney und Peter Steer ließen sich aber nicht von der kleinen Menschenansammlung verunsichern und gaben gleich zu Beginn den Song „Loosing Something“ vom neuen Album zum Besten. Natürlich durften auch die Songs „Higher Ground“, „No Time For Fighting“ und „If I Should Fall“ nicht fehlen, welcher einige gleich zum Mitsingen animierte. Mit jedem Song stieg die Begeisterung und riss mehr und mehr Festivalbesucher mit. So auch die neue Single „Blinded By You“.

Man darf gespannt sein was sich in dem noch jungen Projekt TENEK weiterhin entwickeln wird. Für mich persönlich eine der ersten Überraschungen dieses Wochenendes.

Setlist:

01. Losing Something // 02. Higher Ground // 03. If I Should Fall // 04. Blinded By You // 05. No Time For Fighting

Nocturnal Culture Night 2010 - Patenbrigade Wolff Anschließend ging es wieder zurück zur kleinen Bühne. Hier war das Gedränge und die Ansammlung der Besucher schon etwas mehr geworden. Innerhalb des 20minütigen Auftritts haben sich die Electro-Fans um die PATENBRIGADE WOLFF versammelt. Im Begleitheft des NCN ist der Stil der Patenbrigade Wolff mit EBM beschrieben. Allerdings steht EBM in diesem Fall für Elektronische Baustellen Musik. Denn Brigadier Sven Wolff und Brigadeleiter Lance Murdock gestalteten die Bühne kurzerhand in ein abgesperrtes Baustellenareal um. In orangenen Overalls wurden den EBM Fans harte Baustellenklänge mit Elektro-Pop Einflüssen.

Für mich nicht das Optimum an Musik, aber die Mannschaft um Kontrolleurin Dieckmann gab ihr Bestes für ein ansprechendes Set.

Setlist:

01. Stalinallee // 02. Feind hört mit // 03. Gefahrstoffe // 04. Voyage // 05. Schusswechsel // 06. Das Kraftfeld // 07. Abrissbude // 08. Mauerradio // 09. Demokratischer Sektor

Nocturnal Culture Night 2010 - House of Usher Absolutes Kontrastprogramm folgte auf der großen Bühne mit dem Auftritt von THE HOUSE OF USHER. Technisch einige Schwierigkeiten ließen den Auftritt hier allerdings nur verzögert beginnen.

Doch schließlich konnte eine der wenigen wahren Gothic-Bands, welche seit ihrer Gründung 1990 bislang immer ihrem Stil treugeblieben sind, beginnen. THE HOUSE OF USHER setzt sich zusammen aus Gründer Jörg Kleudgen (Gesang), Tom O’Connell (Gitarre), Georg Berher (Gitarre), Ralf Dunkel (Bass) und Axel Burgard (Drum). Der gute, bodenständige Gothic-Rock gepaart mit der tragenden Stimme von Frontmann Jörg schuf eine wunderbare Atmosphäre und kühlte die aufgeheizten Gemüter durch die Patenbrigade Wollf wieder herunter.

Thematisiert werden wie wahrscheinlich in 90% der Gothic Rock Texte auch hier Liebe, Schmerz, Sehnsucht und Tod. Zusätzliche Animation wurde dem Publikum durch den Anblick kreisender Hüften einer überaus fähigen Bauchtänzerin geboten, welche die musikalischen Elemente kunstvoll umsetzte. Musikalisch ein ansprechender Auftritt, von der Akustik her teilweise leider etwas dürftig. THE HOUSE OF USHER übergab wieder an das Synthi-Pop Genre, vertreten durch IRIS, auf der kleinen Bühne.

Nocturnal Culture Night 2010 - Iris Die US Amerikaner von IRIS konnten ebenfalls für das diesjährige NCN gewonnen werden.

Elektro-Pop in Reinkultur – ruhige Klänge, gefühlvolle Beats und tiefgreifende Texte sowie tanzbare Sequenzen bieten für jeden Geschmack etwas. Frontmann und Sänger Reagan Jones und Gitarrist Andrew Sega hatten auch Songs ihres neuen Albums „Backlight“ im Gepäck, welches im September noch erscheint.

Andrew, welcher sich vielseitig an Keyboard, Gitarre und bei der Programmierung einbringt, verhilft IRIS stets zu frischem Wind und experimentellen Neuheiten. Langweilig wird es hier sicherlich nie! Gleich die ersten 3 Songs vom neuen Album ließen die Erwartungen des Publikums voll und ganz erfüllen. IRIS hatten eine gute Mischung aus Alt und Neu im Petto, so dass kaum noch jemand stillstehen konnte. Gut gelaunt ging der Gig nach einer knappen Stunde mit „Panic Rev“ stilvoll zu Ende.

Setlist:

01. Disintegrate // 02. Lands of Fire // 03. xWires // 04. Sentimental Scar // 05. It Generates // 06. Red Light Return // 07. Nobody Wins // 08. Stop Breaking Your Own Heart // 09. Closer to Real // 10. Sorrow Expert // 11. New Invaders // 12. Panic Rev

Nocturnal Culture Night 2010 - Die Art Der Abend wurde mit fortschreitender Stunde stilvoller, so dass nun das Urgestein DIE ART auf der großen Bühne zum gemeinsamen Musikgenuss einlud. Bereits 1986 in Leipzig gegründet, war es für Frontmann „Makarios“ schon fast ein Heimspiel die Bühne in Deutzen zu rocken.

Nach einer Trennungszeit fanden die Jungs 2007 wieder zusammen und haben nichts von ihrem Talent, die Menge zu begeistern, eingebüßt. Viele DIE ART Fans waren anwesend um die Klassiker „Alles Was Dein Herz Begehrt“, „Paradise“, „Ozean“ oder „In the Gallery“ zu genießen. Eine Mischung aus Freude, Feierlust und tiefen emotionalen Klängen mischten sich zu einer anheimelnden Atmosphäre.

Man hatte das Gefühl in einer großen, schwarzen Familie geborgen zu stehen. Die Mischung aus englischen und deutschen Songs ist in meinen Augen sehr anspruchsvoll, ein hohes Maß an englischer Ausdruckskunst und deutscher Mundart findet hier Verbindung. Das war das erste Mal das ich DIE ART bewusst live erlebt habe und ich bin absolut begeistert und sogar etwas „schwebend“ in meinen Gedanken versunken wieder zurück zur kleinen Bühne und damit zu VOMITO NEGRO zurück gekehrt.

Nocturnal Culture Night 2010 - Vomito Negro Die bereits vor 27 Jahren gegründete Band VOMITO NEGRO trat als erster Headliner des Abends auf der kleinen Bühne um kurz vor 22 Uhr auf. Der Gig dauerte gut 1 Stunde und hielt einige gut tanzbare Songs wie „Skulls & Bones“, Feel the Heat“ oder „Black Power“ bereit. Der Anschluss, nach einigen Jahres Abstinenz, ist den Belgiern mit der neuen Scheibe „Skulls & Bones“ ohne Zweifel gelungen.

Der Platz vor der kleinen Bühne war nun sehr gut gefüllt und viele hotteten richtig zu den derben, teilweise aggressiven Klängen der beiden Jungs ab. Gin Devo und BORG haben es richtig gemacht die Band wieder auferstehen zu lassen – kein Zweifel. Das „Schwarze Erbrechen“ (lateinische Übersetzung des Bandnamens) riss bereits mit dem ersten Beat den Großteil des Publikums mit.

Jeder der etwas mit EBM und Elektro der 90er etwas anfangen kann könnte isch nach diesem Auftritt auch zu Vomito Negro bekannt haben.

Setlist:

01. Chateau des Amerois // 02. Dance With Death // 03. Baby Needs Crack // 04. Burning Man // 05. Mongoloid // 06. Black Tie // 07. Black Power // 08. Blood, Sweat & Tears //09. Slave Nation // 10. Dark Moon // 11. No Hope No Fear // 12. United Fake // Zugaben: Stay Alive // Feel the Heat // TV-Man

Nocturnal Culture Night 2010 - In The Nursery Nach einer Stunde brachialem EBM setzte sich das Kontrastprogramm mit dem 2ten Headliner des Tages auf der großen Bühne fort. IN THE NURSEY luden zum Stelldichein.
Zeitlich etwas verzögert, was angesichts der sinkenden Temperatur etwas unangenehm war, konnte der Auftritt des 3ten Urgesteins dieses Abends beginnen.

Die Band um die Zwillinge Klive und Nigel Humberstone aus Sheffield (England) überrascht seit Jahren mit immer neuen, experimentellen und modernisierten Klängen, wobei der Grundtenor der Formation stets einheitlich geblieben ist. Nicht nur akustisch, auch das Bühnenbild konnte von sich reden machen. Hier zum ersten mal für mich beeindruckend war ebenso die Lichttechnik. Stimmungsvoll den Songs angepasst wurden die einzelnen Akteure „ins rechte Licht gerückt“. Absolut stimmig war dieser Auftritt, den Sängerin Dolores wie immer kraftvoll untermalte.

„Blueprint“, „Rainhall“ und „Hymn Noir“ sowie „Mystery“ boten einen guten Querschnitt über die bisherigen Arbeiten der Band. Nach über 12 veröffentlichten Alben ist es gar nicht so einfach das passende Set zusammen zustellen.

Natürlich konnte es sich die Kult-Band nicht nehmen lassen nach ihrem ersten Abgang erneut auf der Bühne zu erscheinen und den nun hoffentlich nicht mehr frierenden Massen eine Zugabe zu erweisen.

Anschließend konnte man den ersten Festivaltag auch gemütlich bei der Aftershowparty ausklingen lassen, wo u.a. DJ Andy (Melotron) die letzten Klänge der Nach auflegten. Einige traten die Heimreise an, bezogen ihre Hotels oder wandelten Richtung Zeltplatz.

So endete der erste Festivaltag mit einer vielzahl von Abwechslung, Eindrücken, jeder Menge Spass und noch viel mehr Vorfreude auf weiter 2 Tage Eventgenuss.

Bericht und Fotos: Mandy Privenau


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Von Anfang an dabei, lag mein Hauptaugenmerk zunächst vor allem auf der technischen Realisation des Magazins. Inhaltlich habe ich mich über die Jahre vom Allrounder weg, hin zu den Bereichen Konzertfotografie und Newsredaktion entwickelt. Man trifft mich regelmäßig vor den Bühnen diverser Clubs in NRW, sowie auf meinen Pflichtfestivals (M'era Luna, Amphi Festival).