Vom 1. bis 3. August fand zum 24. Mal das größte Deutsche Heavy-Metal-Festival statt und rockte die schleswig-holsteinische Kuhweide in Wacken. Mit 135 Bands ist das W:O:A eine feste Größe im Festivalkalender und gilt derzeit sogar als weltgrößtes Heavy-Metal-Festival.
Wo bitte geht’s hier nach Wacken?
Obwohl bereits ab Mittwoch – den 31.7. – angereist werden konnte, planten wir als Wacken-Neulinge unsere Anfahrt erst am Donnerstag. Und es kam, wie es kommen musste: durch Sommerhitze, Stau und die gesperrte Abfahrt, die uns direkt nach Wacken hätte führen sollen, sahen wir unsere Hoffnung schwinden, rechtzeitig anzukommen und noch einen Zeltplatz in akzeptabler Nähe zum Festivalgelände zu ergattern.
Umso überraschter waren wir, wie gut alles ausgeschildert war, sodass wir auf Anhieb den „Check in“ fanden, bei dem wir unsere Festivalbändchen und die Parkmarke erhielten. Auch die Ordner, die mit Warnweste gut erkennbar quasi an jeder Straßenecke standen, waren trotz des nicht enden wollenden Anreiseverkehrs bei bester Laune. Sie halfen gern und beantworteten geduldig die Fragen parkplatzsuchender Festivalteilnehmer. An dieser Stelle ein großes Kompliment an die Organisatoren für die extrem gute Verkehrsführung! Nach einer kurzen Einweisung auf dem Zeltplatz und nach dem gemeinsamen Zeltaufbau ging es dann auf das Festival Gelände um Rammstein zu sehen.
Rammstein – Feuer, Sonne und der besondere Gast
Rammstein brillierte mit einer ausgewachsenen Setlist von insgesamt 18 Titeln. Einige Fans waren nur angereist, um den Headliner des diesjährigen Festivals zu sehen – sicherlich Geschmackssache. Jedenfalls ist der Bandname Rammstein am größten und an erster Stelle auf den offiziellen Wacken T-Shirts aufgedruckt.
Eine gewaltige Menschenmenge versammelte sich vor der True Metal Stage. Das gesamte Infield war so richtig voll. Der Bass schlug uns förmlich in die Magengrube als der Eröffnungs-Song Ich tu Dir weh ertönte. Die fulminante Bühnenshow war gespickt mit beeindruckenden pyrotechnischen Einlagen: Während Feuer frei entflammt Frontmann Till Lindemann sogar einen Stuntman, der 15 Sekunden brennend über der Bühne lief bis er gelöscht wurde.
Klassiker, wie Sehnsucht, Ohne Dich, Benzin und Links 2-3-4 begeistern die wogende Menge. Nach 15 Titeln scheint der Auftritt vorbei, das Licht geht aus. Die Fans fordern Zugabe – mit Erfolg. Nach der sehr emotionalen Piano-Version von Mein Herz brennt, kündigt Till Lindemann einen „besonderen Gast“ an und alle ahnen schon, wer das ist: Heino. Erhaben schreitet er in rotem Mantel und Sonnenbrille auf die Bühne und schmettert mit Inbrunst hier kommt die Sonne zum gleichnamigen Song. Irgendwie passend. Ein kurzer aber intensiver Auftritt der deutschen Schlagerlegende, der polarisierte. Insgesamt war das jedoch nur eine Randnotiz auf dem 24. Wacken Open Air.
Der Morgen danach
„Aufstehzeit – es ist soweit!“ schalmeit es über den Campingplatz. Nach einer unruhigen Nacht, brennt bereits am frühen Morgen die Sonne gnadenlos auf unser Zelt, sodass es drinnen kaum noch auszuhalten ist. Nach dem zünftigen Campingfrühstück starten wir unseren Erkundungs-Rundgang über das Gelände. Die ersten Metalheads genießen in der prallen Sonne bereits die Mittagsbands wie Neaera und Tristania. Insgesamt sechs Bühnen, das Infield mit Imbissständen, Beergarden, Food-Area, das Wackinger Village sowie der weitläufige Metal-Market bildeten das riesige Festivalgelände.
In der unbarmherzigen Mittagssonne war jetzt der glücklich, der einen schattenspendenden Pavillon sein eigen nennt. Bei weit über 30 Grad im Schatten bildeten Kreislaufzusammenbrüche den Großteil der über 1.300 der Rettungseinsätze des gesamten Festivals. Uns blieb nur die Flucht in den Schatten. Und wir warteten auf den frühen Abend.
Motörhead sind zurück
Motörhead – das Urgestein des Metal – bildete ohne Zweifel ein Highlight des diesjährigen W:O:A. Obwohl Frontmann Lemmy Kilmister im Frühjahr einen Herzschrittmacher (oder so was ähnliches) bekommen hat, denkt er nicht ans Aufhören und steht auf der Black Stage. Mit brachialem Sound begrüßt Motörhead seine Fans und Crowdsurfing wird binnen Sekunden zum Volkssport im Publikum. Während der kurzen Moderationseinlagen von Lemmy merkt man ihm jedoch an, dass er geschwächt ist – nicht zuletzt von der allgegenwärtigen Hitze. Nach etwa 30 Minuten muss er dann den Auftritt sogar abbrechen. Dennoch: die Fans würdigten den Motörhead Auftritt und wünschten gute Besserung.
Dudelsack und Trommelkünstler
Parallel zeigten Corvus Corax mit der Trommlergruppe Wadokyo ihr können auf der Party-Stage und bildeten eine perfekte Symbiose. Das Ergebnis: Bunte Farben, sphärische Klänge und ein durchdringender Dudelsack kombiniert mit den treibenden Rhythmen der synchronen Trommelkünstler. Mit ihrer mitreißenden Musik gewannen die Könige der Spielleute das Publikum für sich und wild umher tanzende Metalheads waren keine Seltenheit.
Finnische Wandlungsfähigkeit
Am späten Abend gab sich die finnische Metal-Band Amorphis die Ehre. Ganz klar eine von Andreea‘s Lieblingsbands. Auf dem verdorrten Gras sitzend tanken wir neue Energie. Die kühle Abendluft ist jetzt die reinste Wohltat. Immer mehr Metalheads finden sich vor der Bühne ein und nach kurzer Wartezeit geht es dann los. Mit Enigma, I of crimson blood und Empty opening lassen Amorphis ihren Auftritt sehr ruhig angehen. Fast zu ruhig. Für einen Moment denken wir gar, sie seien ‚zahm geworden‘ und haben sich vom Death-Metal abgewandt. Aber zum Glück hatten wir uns getäuscht und es ging so richtig ab, so wie wir es kannten und erwartet hatten. Der grölende Frontmann Tomi Joutsen wirft seine fast bis zum Boden reichenden Dreadlocks in die Luft und setzt zum munteren Headbangen an. Ein beeindruckendes Schauspiel und eine hervorragende Performance von Amorphis, die für uns den Abend beschließen sollte.
Sonata Arctica – schlammiger Power Metal
Am Samstag war die Sonne einer geschlossenen Wolkendecke gewichen. Eine echte Wohltat nach den unerträglich heißen Tagen. Wir ließen es ruhig angehen und einem verträumten Vormittag folgten um 15:45 Uhr Sonata Arctica auf der Party Stage. Unserer Meinung nach etwas zu früh, da sich am Nachmittag noch nicht die richtige Stimmung für die finnische Power-Metal Band entfalten kann. Sänger Tony Kakko war sichtlich bemüht das Publikum aufzuheizen – mit Erfolg. Nach 30 Minuten geschah das Unglaubliche: ein norddeutscher Platzregen brach über uns und Sonata Arctica herein. Ein kleiner Teil des Publikums suchte umgehend Deckung, der überwiegende Rest verfolgte den Auftritt unbeirrt weiter. Natürlich hatten wir Regenjacken mitgenommen. Diese waren jedoch – wie kann es anderes sein – im Zelt. Völlig durchnässt sahen wir zu, wie sich innerhalb von Minuten die ausgedorrte Erde in die vielbeschworene Wackener Schlammlandschaft verwandelte. Vergnügt planschten die ersten Metalheads in Wasser und Schlamm. Nass bis auf die Haut mussten wir erst einmal zum Zelt zurück, um uns umzuziehen. Denn im Regen wurde doch recht frisch. Ein für uns nach zwei Tagen fast unbekanntes Gefühl.
Alice im Wackenland
Der Regen ging. Der Schlamm blieb. Mit trockenen Sachen ging es am Abend erneut auf das Festivalgelände. Um 21 Uhr startete Altrocker Alice Cooper auf der Black Metal Stage. Unser persönliches Highlight des Samstags. Und der bot Rock-Theater vom Feinsten: Vom Zylinder tragenden Zauberer, dem Verrückten in der Zwangsjacke über die sexy-morbide Krankenschwester bis hin zu seiner eigenen Enthauptung per Guillotine. Der Shock-Rocker zeigt uns in eineinhalb Stunden und 24 Songs inklusive Zugabe, dass er nichts verlernt hat und noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Eine wirklich mitreißend wilde Show, die das Publikum begeisterte.
Summa Summarum
Wir werden unser erstes Wacken nie vergessen. Es ist ein tolles, äußerst gut organisiertes und authentisches Metal-Festival, das sich seinen wilden Charme bewahrt hat.
Ein kleiner Wehrmutstropfen bleibt zu guter Letzt, denn wir hätten gern noch Subway to Sally gesehen. Uns fehlte aber leider die Kondition um bis 2:45 Uhr durchzuhalten und am Sonntag wollten wir in aller Frühe die Rückreise antreten. Wir waren einfach zu kaputt. Aber Wacken? Gerne wieder!
Von Andreea Dinca und Stefan Meier















