Am 12.06.15 machte ich mich mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf den Weg zum Blackfield Festival 2015 im Amphitheater in Gelsenkirchen. Vorher gab es viel Unruhe, da die Veranstalter mitgeteilt hatten, dass es das letzte Blackfield im Amphitheater sein werden wird, ggf. sogar das letzte Blackfield überhaupt. Der Hauptgrund waren die nicht zu haltenden Ticketpreise. Nach dieser Nachricht tat sich etwas im Internet: eine Facebook-Likeseite für höhere Eintrittspreise wurde erstellt und es gab zudem auch eine Onlinepetition, dass das Blackfield in Gelsenkirchen bleiben soll. Am Sonntag kamen dann einige Besucher auf die Idee und fingen an Menschen, die sich vor der Bühne auf den Boden legten, mit Kreide, wie bei einem Leichenfund, zu ummalen, Es fanden sich so viele Leute die mitmachten, dass der Halbkreis um die Bühne mit diesen „Kreideleichen“ gefüllt werden konnte. Es wurde RIP oder auch, „Das Blackfield stirbt, wir sterben mit“ auf den Boden geschrieben. All diese Initiativen der Besucher halfen jedoch leider nicht die Veranstalter umzustimmen. Nach dem letzten Konzert am Sonntagabend traten diese zusammen mit der Crew auf der Bühne vor das Publikum und bedankten sich für 8 Jahre Treue. Viele hatten vielleicht noch die Hoffnung, dass sich ein anderer Veranstaltungsort finden würde, so ist die derzeit aktuellste Mitteilung auf der Seite der Blackfield-Festivals leider eindeutig. Dort ist zu lesen: „Danke, dass ihr alle da wart und mit uns die letzte Blackfield-Party gefeiert habt! Ihr seid die BESTEN!

Dieses Festival hatte seinen eigenen Charme. Für mich war es, in der heutigen, schnelllebigen Zeit immer ein Wochenende der Entschleunigung. Eine Bühne, kein hin und her zwischen den einzelnen Spielorten, dafür Zeit in den Umbaupausen um mit Freunden zusammen zu sein oder auch neue Leute kennen zu lernen. Ich werde es vermissen!

 

Nun aber zu einem tollen Wochenende, was im Flug verging:

Durch das Festival führte Jens von X-Divide. Als Gewinner des diesjährigen Battle Of The Bands eröffnete die Band Xiphea den Festivalfreitag. Die Symphonic –Metal-Band eröffnete das Festival kraftvoll und gleichzeitig sanft, durch die wundervolle Stimme der Sängerin.

Blackfield 2015 - PreverseWeiter ging es mit PRE/VERS die kurzfristig für Seasurfer einsprangen. Sie hatten sogar eine Überraschung für das Publikum dabei. Es wurden 4 handsignierte pinke Flamingos ins Publikum „geworfen“. Diejenigen, die die Flamingos gefangen hatten, wurden aufgefordert diese das ganze Wochenende mitzunehmen.
Danach kamen Spetsnaz auf die Bühne. Die beiden Schweden füllten den Bereich vor der Bühne mit Tanzwilligen. Wie ich es nicht anders gewohnt bin zeigte Stefan Nilsson seinen „perfect body“.

Absolute Body Control aus Belgien luden dann weiter zum Tanzen ein.

Blackfield 2015 - Lord Of The LostDann enterten die Hamburger Dark-Glam-Rocker Lord of the Lost die Bühne. Einige Besucher vor der Bühne haben sich sicher sehr gefreut, denn der Sänger warf, nach jedem Lied, in dem er Gitarre spielte, sein Plektron in das Publikum.

Als das Piraten-Party-Schiff auf dem Kanal vorbei fuhr winkten nicht nur die Blackfield-Besucher sondern auch die Bandmitglieder zurück. Für diesen Abend gab es eine Unwetterwarnung und es gab für diesen Fall einen Notfallplan. Die Band hoffte, dass das Amphitheater verschont bleiben würde, und dem war so.

Blackfield 2015 - Subway To SallyGlücklicherweise musste das Festival an dem Abend nicht abgebrochen werden und so kamen alle in den Genuss des Headliners Subway to Sally. Mit schöner Pyrotechnik begann die Show und den Besuchern in den ersten Reihen wurde es davon sicher warm. Auf „Kleid aus Rosen“ hatte ich mich an diesem Abend besonders gefreut. Ich kann sehr gut verstehen, dass man als Musiker manche Lieder nicht mehr gerne spielt, wenn diese über einen langen Zeitraum immer wieder vom Publikum gewünscht werden. Da ist es verständlich, dass man das ein oder andere neu arrangiert. Leider war ich enttäuscht von der neuen Version und daher endete der Abend für mich nicht mit einer so tollen Stimmung, wie ich es gehofft hatte.
 

Blackfield 2015 - Frank The BaptistJens war nicht nur als Moderator auf dem Blackfield, am Samstag eröffnete  er mit seiner Band X-Divide den Festivaltag. Wie man es vom Blackfield gewöhnt ist, ging es nicht ohne Regen, daher war ich froh direkt an der Bühne zu stehen und dadurch nicht nass zu werden. Mit gepflegtem Synthpop startete ich gut in den 2. Tag des Festivals.
Danach traten Frank the Baptist auf, die ihr eigenes Bier mitgebracht hatten. Die Band wusste es sehr zu schätzen, dass doch mehr als erwartet vor der Bühne und auch auf den Rängen waren. Mittlerweile regnete es nämlich leider doch etwas mehr. Aber die Musik ließ das schlechte Wetter vergessen.

 

Blackfield 2015 - She Past AwayShe Past Away kamen dann auf die Bühne. Leider gab es immer wieder Probleme mit der Gitarre, was leider den Genuss des Konzertes minderte. Da ich die Band im Vorjahr aber schon live gesehen habe kann ich sagen, dass sie wirklich sehenswert sind. Zu .com/kill kam die Sonne wieder raus und die Ränge trockneten schneller als ich gedacht hatte, so dass ein Sitzen auf den Stufen wieder möglich wurde. Die beiden Bandmitglieder heizten dem Publikum ein. Es bildeten sich die ersten Tanzreihen Tanzwütiger links der Bühne.

Anschließend ließen Sono verlauten, dass sie derzeit dabei sind ein neues Album aufzunehmen. Zwei neue Stücke wurden auf dem Blackfield vorgestellt und kamen gut an. Aber auch die altbekannten Lieder luden zum Mitfeiern ein.
Der Samstag hielt dann noch eine wundervolle Überraschung bereit: Auf einer kleinen Bühne oben an den Ständen spielten in den Umbaupausen Marcus Testory und Matthias Ambré von Die Kammer. Da war es für mich selbstverständlich in den Pausen immer schnell hochzurennen um nichts zu verpassen. Auch wenn die Anlage zwischendurch hakte, da sie nicht dafür ausgelegt war, so waren es für mich mit die wundervollsten Momente des Festivals. Also eine absolut genialgelungene Überraschung!

Blackfield 2015 - UnzuchtSolar Fake kamen dann auf die Hauptbühne und Sven Friedrich sorgte für tolle Partystimmung und viel Tanz vor der Bühne.
Danach war Unzucht an der Reihe und die Stimmung war weiterhin super. Von oben konnte ich viele Hände sehen, die sich im Takt zur Musik hin und her bewegten.
Bei Mesh gab es etwas Besonderes zu feiern. Richard hatte Geburtstag. Mit auf die Bühne kam ein Happy Birthday Luftballon, der durch die Lichtanlage zwischendurch wundervoll glitzerte. Ob die von Morti extra für ihn zum Geburtstag gebackenen veganen Muffins schon vor dem Auftritt vertilgt waren kann ich leider nicht sagen. Natürlich sang ihm das Publikum auch ein Ständchen. Ein wundervolles Konzert mit dem Geburtstagskind.

Auf Deine Lakaien hatte ich mich sehr gefreut und wurde natürlich nicht enttäuscht. Es war ein tolles Konzert. Als die Fotografen den Graben verließen wünschte Herr Veljanov diesen einen wunderschönen Abend und hoffte für sie, dass etwas dabei wäre. Der Auftritt war, wie ich es von Deine Lakaien auch nicht anders erwartet hatte, sehr gelungen.

Blackfield 2015 - EisbrecherNach diesen eher besinnlichen Tönen stürmten Eisbrecher als Headliner des Samstagabends die Bühne. Alex Wesselsky in seinem Element. Dass er die vergessene Mundharmonika als „Fotzenhobel“ bezeichnete, fand ich dann allerdings etwas befremdlich. Zur Überbrückung der Zeit gab er dann den Pokemonsong zum Besten. Als ihm dann die Mundharmonika gebracht wurde hat er sie aber sehr schön gespielt. Dann wurde eine neue Single-CD angekündigt, die jetzt im Handel erhältlich ist. Der Checker hielt sie in den Händen und sagte, dass es sie zum Anfassen gäbe. Man solle ja auch keine digitale Frau im Bett haben. Der Jubel im Publikum war groß. Bei dem Lied Miststück wurde dann auch das Publikum mit einbezogen, einige durften in den Rängen dieses Wort mitsingen, mehr oder weniger zaghaft und mehr oder weniger im Takt.

Blackfield 2015 - HerzfeindMit diesem Konzert endete ein toller zweiter Tag und ich fuhr müde nach Hause um dann am nächsten Tag, und letzten Tag, pünktlich zu Herzfeind wieder im Amphitheater zu sein. Auch wenn das Publikum wohl etwas schwächelte kamen dann doch noch mehr Leute vor die Bühne als Herzfeind anfingen zu spielen. Sie hatten es verdient. Der Sänger, André Feller, sagte nach dem ersten Song nur kurz, dass er keine Ansagen machen würde, da sie keine Zeit hätten. Sie wollten in die für sie vorgesehene Zeit so viel Musik wie möglich reinpacken und die hat Spaß gemacht.

[X]-RX begannen ihr Set mit den Zeilen „put your hands in the air, welcome to the show”. Damit war klar was die Musiker vom Publikum erwarteten.

Blackfield 2015 - The Beauty Of GeminaThe Beauty Of Gemina, die Band, die auch im letzten Jahr auf dem Blackfield waren, spielten in diesem Jahr ein Akustikset, nicht so rockig wie im letzten Jahr. Dies kam auch sehr gut an.
Beborn Beton bedankten sich zu Beginn beim Publikum, dass es so zahlreich erschienen war trotz des Katers der letzten Nacht. Sie spielten anstelle von Legend und machten eine tolle Show. In der Umbaupause gab es eine Vorführung der besonderen Art. Ein Feuerwehrlöschschiff sorgte für ein tolles Wasserspiel mit spektakulärer Fontänenshow auf dem Kanal hinter der Bühne.

Clan of Xymox war für mich leider kein wirklicher Hörgenuss, da es selbst auf den oberen Rängen mit Ohrstöpseln für mich viel zu laut war. Bei End of Green war der Ton dann wieder besser und die Band rockte das Festival und genossen den schönen Sonntag.

Blackfield 2015 - Letzte InstanzDie Letzte Instanz wollten zum Zählen des anwesenden Publikums die Arme sehen, dann wären es doppelt so viele Zuschauer, die sie zählen könnten. Zum Ende des Sets sah man einen Ozean von Händen, zum Lied „Von Anfang an“. Sie bedankten sich, dass sie dabei sein durften.
Danach betraten L’ame Immortelle die Bühne und nahmen das Publikum mit auf eine Konzertreise durch die besten Songs der Band. Das letzte Blackfield-Festival ehrten sie mit ihrem Lied Requiem.

Mono Inc. waren dann als vorletzte Band des Abends auf der Bühne und brachten das Amphitheater zum beben. Katha Mia sah man das Mutterglück an, sie strahlte einfach nur Glück aus. Beim Schlagzeugduell mit Martin Engler gewann sie natürlich! Dieser bedankte sich dann auch bei den drei Veranstaltern für die tollen Festivals und zum Abschied spielten sie ihre neue Single „Tag X“.

Blackfield 2015 - Project PitchforkAls Headliner des Sonntags beendeten Projekt Pitchfork dann das Blackfield-Festival. Die Besucher feierten eine permanente Party und überall wurde getanzt, natürlich auch zu Klassikern wie „Timekiller“.

So sollte nun also dieses Festival Geschichte sein. Es bleibt nur dennoch zu hoffen, dass doch noch eine Lösung gefunden wird, um dieses Festival weiterführen zu können. Denn die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

 

Bericht: Nicole S.

Fotos: Daniel Beiderwieden