Sonntagmorgen, der erste prüfende Blick gilt natürlich dem Himmel, nachdem die Wettervorhersage für den Sonntag großmäulig schönstes Sommerwetter versprochen hatte. Bedeckt, aber zumindest sind die Zelte trocken, bis auf die abstrakten Schleimspuren zahlreicher Nacktschnecken, die auf dem Camping über Gebühr vertreten sind.

Nach dem leckeren Frühstück und etwas luftiger bekleidet gehts mit dem ersten Bier des Tages aufs Festivalgelände, wo es auf der Bühne zwar nicht donnert und regnet, dafür aber ordentlich wetterleuchtet, denn als Opener des 2. Festivaltages stehen mit „Blitzmaschine“ die EBM-Newcomer des Jahres auf der Bühne.

Im Gegensatz zu „Autodafeh“ am vorigen Tag legen die Männer sofort knackig los, und was eignet sich besser dafür als ihre persönliche Hommage an DAF mit „Liebe auf den ersten Blick“.

Unterstützt von einem Live-Drummer geben die Jungs oder eben die Männer mit straightem Oldschool-EBM von Ihrer Debüt-Platte „Faustrecht“ ordentlich Gas, vergessen aber auch nicht, den Blondinen im Publikum speziell einen Song zu widmen, und auch darauf hinzuweisen, dass von Ihnen das gute Wetter aus Hamburg mitgebracht wurde. Leider Gottes viel zu schnell vorbei.

Weiter geht’s mit „Stahlmann“ aus Göttingen, die es zwar auch erst seit 3 Jahren gibt, die es aber in über 150 Konzerten geschafft haben, sich eine große Fangemeinde aufzubauen, die auf Ihren Mix aus Metal,Industrial und Gothic stehen. Geschminkt in Silber in schwarzer Kleidung erinnern sie an Rammstein, soundtechnisch sind sie aber eher in eine Ecke mit Bands wie Eisbrecher oder Megaherz zu stellen.

Losgelegt wird mit „Willkommen“ und in den nächsten ca. 40 min gibt es einen bunten Mix von Ihrer ersten EP „Herzschlag“ und ihrer im letzten Jahr erschienenen Platte „Stahlmann“, wobei routiniert das Publikum eingebunden wird, und auch durch den einen oder anderen Schluck aus der bühneneigenen Jack Daniels-Flasche belohnt wird. Sehr gelungen, definitiv eine Band mit Zukunft.

Was erwartet man von einer Band, die es seit über 10 Jahren gibt, die auf Gigs bei Loveparade, aber auch Gothicfestivals zurückblicken kann? Musikalische Vielfalt und Party natürlich.

Und genau das bekommt man von „Sono“ geboten, nachdem die Jungs endlich aus der Vollsperrung wieder raus sind, die sie im Jahr 2010 an ihrem Auftritt hinderte. Mit Martin und Florian an den Keyboards, und Lennart am Mikro, der auch schon vielversprechenderweise seine Gitarre dabei hatte, gehts mit „2000 Guns“ gleich mal fesch ab, und das gseamte Amphitheater beginnt geschlossen, mit wahlweise Fuß oder Kopf zu wippen. Bei so angenehmer Musik muss sogar die Sonne zwangsweise rauskommen, und binnen Minuten ist wirklich alles am Tanzen.

Mit alten Tracks und Stücken vom neuen Album „Plus“ werden aber auch alle bestens unterhalten, auch von Lennart immer wieder an der Gitarre unterstützt, was sich überraschenderweise wirklich gut in den Elektropop einpasst, und spätestens bei Ihrem ersten großen Hit „Keep Control“ aus dem Jahre 2001 weiss jeder was mit SONO anzufangen.

Sowas fehlt manchmal auf Gothicfestivals, einfach mal leichte lockere Partymucke zum feiern.

Während des Umbaus sprengt Eisbrecher Alexx erstmal dezent die Autogrammstunde von Schandmaul, denn als er lässig aus dem Backstagebereich schlendert, setzen deren Anhänger scheinbar spontan ihre Prioritäten anders, und umringen Herrn Wesselsky für Schriftproben und Fotowünsche, sehr lustig anzuschauen.

Über „Reaper„, die nächste Band gibt’s eigentlich nicht viel zu sagen, denn Vasi Vallis und sein Keyboarder ziehen auf der Bühne wie gewohnt eine routinierte Elektroshow ab.

Beide geschminkt, tobt der Frontmann über die Bühne, während der Herr am Schlüsselbrett versucht, auch seinen Teil an Bewegung zuzusteuern. Sagt natürlich nichts über die Qualität der Musik aus, aber die ist schon in Ordnung, ich würde mir nur von solchen Acts mehr Bühnenshow wünschen, auch wenn Vasi nach 10 min so am Schwitzen ist, dass selbst er einsieht, dass die Schminke ne schlechte Idee ist.

Ich gebe es offen und ehrlich zu, selbst ich als DJ habe von „A Life Divided“ noch nichts gehört, aber da die Band schon im Vorprogramm von Oomph! und Eisbrecher gespielt hat, ist da wohl was an mir vorbei gegangen, auch wenn Noel Pix von Eisbrecher als Produzent mit dabei ist.

Nach einigen technischen Problemen, bei denen Sänger Jürgen erstmal ein funktionierendes Mikro suchen muss, geht’s mit einer melodischen Mischung aus Indie und Rock los. Angenehme Stimme hat der Herr Frontmann, aber im Großen und Ganzen finde ich, dass man stattdessen vielleicht doch eine andere Band hätte buchen können, und wenn ich mir die Kommentare meiner Nachbarn anhöre, stehe ich wohl nicht allein mit meiner Meinung. Highlight war einzig und allein das „Sounds like a melody“-Cover von Alphaville.

Daran änderte auch das Verteilen von echten Münchner Lebkuchenherzen nichts mehr..

Von „Assemblage 23„, die als Ersatz für Rotersand antreten, deren Frontmann Rasc leider erkrankte, habe ich visuell leider nicht viel mitbekommen, da ich mich erstmal stärken muss und auch ausgiebig die Merchandisestände abchecke. Aber bei einem Projekt, dass es auch schon seit 13 Jahren gibt, und das so spontan als Ersatz antreten kann, kann eigentlich nicht viel schiefgehen.

Die „Letzte Instanz“ aus Dresden bedarf auch keiner großen Beschreibung, denn seit 15 Jahren machen die 7 Herren in gelegentlich wechselnder Besetzung nach eigener Aussage „Goth“n“Roll“. Unterstützt von verschiedenen traditionellen Instrumenten wird gute Rockmusik mit Elementen aus Folk und Mittelalter geboten, und Sänger Holly schafft es immer, mit seiner charismatischen sächsischen Art das Publikum zum Mitfeiern zu Motivieren.

Auch als erste und einzige Band an diesem Weekend erweisen Sie gemeinsam mit dem Publikum dem Veranstalter und der gesamten Crew Ihren Dank für ein schönes und gut organisiertes Festival.

Mir persönlich gefiel „Icon of Coil“, das frühere Projekt von Andy La Plegua ja am Besten, aber auch „Combichrist“ ist keins von den schlechten. Einziges Manko ist, dass von den Fans die B-Seiten Ihrer Alben teilweise wesentlich besser sind, als die Hits, die man überall zu hören bekommt. Aber das kommt ja öfter vor.

Warum als Intro der „Unicorn Song“ von Barnbrack aus den Boxen schallt, sollte mir bei Gelegenheit nochmal jemand erklären, vielleicht soll es uns ja nochmal zum Trinken ermuntern, zumindest klingt es nach nem irischen Trinklied. Völlig unpassend dazu stürmen danach die Combichrist-Jungs wie immer voller Theaterschminke die Bühne, und zu „Shut up and Swallow“ und viel Nebel krachts gleich mal ordentlich.

Da wir den besten Blick auf Live-Drummer Joey haben, wird Andy bald nebensächlich für uns, denn der Kollege beschäftigt 2 Roadies komplett, indem er immer wieder seine Drums und Mikros vom Podest tritt, Wasser daraufschüttet , seine Drumsticks um sich wirft und sich auch sonst wie ein absoluter Chaot aufführt. Mir ist bis heute noch unklar, ob das Ganze nur Bühnenshow oder Ergebnis übermässigen Alkoholkonsums ist.

Tatsache und Realität ist aber, dass nach dem 3. oder 4.Song die Anlage komplett aussteigt, und auch trotz nachhaltiger Reparaturversuche erstmal nicht wieder zum Laufen gebracht werden kann. Andy schaut sich das Ganze auf nem Drumkit sitzend eine Weile an, auch ständig auf der Suche nacher Drummer Joey, der sich sonstwo rumtreibt.

Leider muss dann das Konzert komplett abgesagt werden, die Band entschuldigt sich bei den Fans, und als kleine Entschädigung werden vorne an der Bühne im Fotograben noch ausgiebig Autogramme gegeben.

Kann passieren, wurde auch gut gehandhabt, denn für Eisbrecher muss die Anlage wieder fit sein. Hat zum Glück auch geklappt, und daher hat Alexx, der sich vorher schon ausgiebig mit Dehnübungen an der Mülltonne fitgemacht hat, die besten Chancen ein ausgehungertes Eisbrecher-Publikum serviert zu bekommen.

Pünktlich um zehn nach acht marschiert die Crew des Eisbrechers im Polaroutfit auf die Bühne, wo aber selbst Alexx beim Opener „Eiszeit“seine Eishacken und Fellmütze und -jacke schnellstens von sich warf. Publikumsnah wie selten werden erstmal ausgiebig Hände geschüttelt, und zum Abschluss knallt eine Luftschlangenkanone eine ordentliche Salve übers Publikum.

Als „Heilig“ bezeichnet zu werden hat von denen wahrscheinlich auch noch keiner erlebt, aber vielleicht hat sich ja endlich mal wieder einer daran erinnert, wer eigentlich Cds und Merchandise kauft.

Mit Begeisterung wird auch der Vorschlag aufgenommen, die nächste Platte „Wüste“ zu nennen, damit man bei den Bühnenoutfits auf Bermudashorts und Adiletten zurückgreifen kann.

Weiter geht’s mit „Schwarze Witwe“, einem Klassiker, bei dem einer Fotografin im giftgrünen Cyberlook die Ehre erwiesen wird, Alexx mit seiner Peitsche mal ordentlich den Arsch versohlen zu dürfen.

Diese (die Peitsche) wurde danach auch gleich wieder auf die Bühne geworfen, wo Bühnenputze und Aufräumkuli Bodo sie zusammen mit anderem Bühnenequipment wieder im Koffer verstauen durfte, dafür aber auch wenigstens mal vorgestellt und mit einem Applaus honoriert wurde.

Mit vielen Stücken, die dem Publikum bekannt sind, und die auch dementsprechend fleissig mitsingen, aber auch Tracks vom neuen Album „Eiszeit“ geht’s durch ein wirklich schönes Konzert. Auch Gitarrist Jürgen wurde von Alexx für den nachmittäglichen Auftritt mit A Life Divided gelobt, bevor dann 4 Ölfässer auf die Bühne gebracht werden. Perfekt choreographiert bietet die Band dann zu „Amok“ eine perfekte Trommelperformance, wie ich sie persönlich noch nicht gesehen hab. Grandiose Idee meiner Meinung nach, und perfekt umgesetzt.

Da Frontmann Alexx seine Wurzeln in Bayern, ist es nicht verwunderlich ihn mit Trachtenhut zu sehen, aber zu hören, wie gut er jodeln kann, macht doch ein wenig Angst. Als sich daran „This is deutsch“ anschliesst, zeigt Gitarrist Noel Pix, dass er auch von elektronischen Musikinstrumenten Ahnung hat, und spielt mit einem kleinen Analogsynthie Sounds ala TRIO ein.

Klassiker „Miststück „ wird dann unter massiver Beteiligung des Publikums zelebriert, und so findet ein schönes Konzert seinen Abschluss.

Als Abschiedsgruß werden dann zu Bonnie Tylers „Total eclipse of a heart“ Rosen an die weiblichen Fans verteilt.

Damit ist das Festivalwochenende für uns beendet, denn wenn man am Montagmorgen um 4 anfängt zu arbeiten und noch 2 Stunden Fahrt vor sich hat, spart man sich freiwillig Schandmaul. Aber ich bin mir sicher, dass der sonntägliche Headliner die Bühne und die Massen noch ordentlich gerockt haben.

Im Großen und Ganzen also wieder ein schönes Black Field-Festival, vielen Dank an die Veranstalter und die komplette Crew!

Bericht: Daniel Buff

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Von Anfang an dabei, lag mein Hauptaugenmerk zunächst vor allem auf der technischen Realisation des Magazins. Inhaltlich habe ich mich über die Jahre vom Allrounder weg, hin zu den Bereichen Konzertfotografie und Newsredaktion entwickelt. Man trifft mich regelmäßig vor den Bühnen diverser Clubs in NRW, sowie auf meinen Pflichtfestivals (M'era Luna, Amphi Festival).