Schon zum zweiten Mal begab sich unser Zaubererbruder Asp mit einer Horde talentierter Musiker auf eine Unplugged Tour quer durch Deutschland. Unter dem Titel „Dunkelromantische Herbstabende“ gab es insgesamt 15 Konzerte – übrigens alle komplett ausverkauft – in sorgfältig ausgewählten, stimmungsvollen Locations. Hier könnt ihr dieses Erlebnis noch einmal Revue passieren lassen.

Wer am Montag, dem 13. Oktober als Außenstehender zufällig in der Nähe des Offenbacher Capitols ist, der hat gut was zu staunen: Zwischen sieben und acht Uhr zieht sich eine lange Menschenschlange fast auf kompletter Länge des Gebäudes entlang, so edel wie ein Opernpublikum und so schwarz wie die Nacht. Die Damen in bodenlangen Röcken und Corsagen, die Herren in Mänteln, Hüten und Stiefeln, allesamt mit aufwändigen Frisuren und Make Up, mit Rüschen, Samt und Schmuck besetzt. Kurzum: Genauso wie man sich das Publikum bei einem Anlass wie Asps Unplugged Tour „Dunkelromantische Herbstabende“ vorstellt.

Und eben diese Herrschaften lassen sich im komplett bestuhlten Saal des Capitols nieder und starren, entweder vom unteren Parkett oder dem höher gelegenen Balkon, erwartungsvoll auf die in schummrig blaues Licht getauchte Bühne. Gegen kurz vor acht kündigt dann auch ein Gong an, dass es gleich los geht. Der Saal wird dunkel und zunächst betreten die eigens für diese Tour mitgebrachten, befreundeten Gastmusiker, sowie die Musiker der Band die Bühne: Matthias Ambre an der Gitarre, Andreas Groß am Bass, Oliver Himmighoffen am Schlagzeug, Carlos Serrano del Rio an den Percussions, Thomas Zöller am Dudelsack, Sylvia Eulitz am Cello und schließlich Ally Storch-Hukriede an der Geige. Nach Applaus aus dem Publikum setzt die Bühnenbeleuchtung ein und endlich betritt auch Asp selbst die Bühne.

Wie er da in majestätischer Haltung vor dem Mikrofon steht, gekleidet in schwarzen, umgeschlagenen Lederstiefeln, einem dreieckigen Hut, einem schwarzen Hemd mit weit geschnittenen Ärmeln und einer bodenlangen Schwarzen Lederweste mit markanten Schultern, sieht er fast ein wenig wie ein Pirat aus. Er lässt seine unverwechselbare Stimme kräftig durchs Capitol schallen und stimmt den ruhigen Song „Betteljunge“ an, direkt gefolgt von dem alten Klassiker „Beschwörung“, bei dem es dann rockiger wird und Allys Geige auf Hochtouren kreischt. Zwar singt Asp bei Letzterem erstmal etwas am Takt vorbei, doch etwas anfängliche Nervosität kann man bei einem solchen Event sicher keinem übel nehmen.

Im Hintergrund hängen, passend zum Krabat Zyklus, schwarz-weiß Bilder von einer Mühle, einem Fluss, Raben und Grabkreuzen, die atmosphärisch beleuchtet sind. Nach diesem Auftakt verneigt sich Asp und schreitet zu seinem schwarzen Pult, auf dem ein dickes, aufgeschlagenes Buch liegt. Er begrüßt das Publikum und beginnt von der musikalischen Reise vom Zauberbruder zu erzählen. Ein klein wenig erinnert er an einen alten Märchenonkel, der die Weihnachtsgeschichte vorliest, das muss man leider sagen.

Auch wenn der Jubel nach jedem Lied ein wenig größer wird, herrscht zunächst doch noch eine gewisse schüchterne Zurückhaltung. Ein eindeutiger Nachteil von bestuhlten Konzertsälen ist eben – trotz edler Atmosphäre – der Mangel an Bewegung, denn im Sitzen tanzt es sich eben bekanntlich nicht so gut. Demnach nichts, wofür man die Band verantwortlich machen könnte, doch ein wenig schade ist es schon. Besonders bei Liedern wie „Denn ich bin der Meister“ würde man am liebsten die Stühle zur Seite schieben und über die Tanzfläche wirbeln. Ähnlich scheint das auch Asp zu sehen und schafft es tatsächlich die Menge etwas aufzulockern und zumindest zum mitklatschen zu bewegen. Bei „Das geheimnisvolle Fremde“ entsteht sogar eine regelrechte Bierzeltstimmung, als das Publikum schunkelnd den Refrain singt.

Es ist bei Unplugged Gigs allgemein doch immer wieder faszinierend, wie Lieder, die man eigentlich kennt, doch plötzlich so anders klingen können, aber dennoch ihre Botschaft behalten und einem so vertraut erscheinen. Asp bildet da keine Ausnahme. Die Auswahl ist sehr ausgewogen. Die Band spielt immer ungefähr im Wechsel eines der neuen Zauberbruder Lieder, wie „Krabat“, „Der Schnitter Tod“ oder „Abschied“, und ältere Klassiker, wie „Stille der Nacht“, „Ballade von der Erweckung“ oder „Last Lovesong“. Da das ganze jedoch quasi eine Motto-Party ist, sind auch die alten Lieder so gewählt, dass sie inhaltlich zur Geschichte passen, so vergleicht Asp Krabats Entwicklung mit der des berühmt-berüchtigten Schwarzen Schmetterlings.

Der „Last Lovesong“ ist mit seiner bittersüßen Stimmung sicher einer der emotionalen Höhepunkte des Abends. Wenn Asps mit Hall unterlegte Stimmte diesen Text zum Besten gibt und dazu die Bilder im Hintergrund zunächst wie ein orangefarbener Sonnenuntergang beleuchtet sind und schließlich zu blutrot übergehen, ist Gänsehaut vorprogrammiert und man kann beobachten, wie die Köpfe der Fans sich gefühlvoll im Takt wiegen.

Doch auch zu Scherzen ist die Band aufgelegt. Beim „Spottlied Auf Die Harten Wanderjahre“ wechselt Matthias dreimal in sekundenschnelle die Gitarre. Der erste Wechsel bleibt von Vielen noch unbemerkt und sorgt nur für ein leises Raunen im Publikum. Doch als er nach dem zweiten Wechsel plötzlich eine rosa Hello Kitty Gitarre in der Hand hält, lacht der ganze Saal und selbst Asp kann sich ein Kichern nicht verkneifen.

Bevor Asp „Abschied“ anstimmt, sagt er, es sei ihm vorgeworfen worden, das Lied erinnere ja ein wenig an ein anderes Lied einer anderen Band. Mit einem ironischen Augenzwinkern meint er jedoch, er bringe nun hier und heute den Beweis, dass dem nicht so sei. Und dieser „Beweis“ sollte in der Tat eine Attraktion für sich sein! Als das eigentliche Lied vorrüber ist, stimmt die Band zur immer noch gleichen Akkordfolge ein Medley an, das sich gewaschen hat: Von „Sympathy For The Devil“ über „Let Me Entertain You“ bis hin zu dem späten 80-er Hit „The Look“. Neeeeeiiiiiin, das gibt’s garantiert nirgendwo anders!

Doch auch der schönste Abend muss zu Ende gehen. Und im Falle der „Dunkelromantischen Herbstabende“ geschieht dies passenderweise mit Zugaben wie „Varieté Obscur“, „Ich Will Brennen“ und natürlich „Und Wir Tanzten“, eines der wohl dunkelromantischsten Lieder dieser Welt.

Hier geht es zur Bilder Galerie.

Werbung
Redaktion
Unter diesem Benutzernamen werden Beiträge ehemaliger und freier Mitarbeiter zusammengefasst.