Die brandneuen wie anspruchsvollen Darkrock-Newcomer von Lluther feierten, als Supportact für wahrlich klappsenreifen Industrialrock der deutschen Jungs von Limbogott, mit einigen Gigs (u.A. auch auf der Popkomm in Berlin und der Zeche in Bochum) jüngst Ihr deutsches Live-Debut. Das vielversprechende Debutalbum „Agents Of Empire im Gepäck rockten die Jungs um Multitalent Gerry Owens die Hütte und wir von Mindbreed waren selbstverständlich für Euch am Start, um den Herrschaften ein wenig nach dem Stand der Dinge zu befragen…

Shirin: Ersteinmal: Wie geht´s Euch denn heute? Ich habe ja gehört, dass ihr derzeit in Deutschland seid, um Eure Labelkollegen von Limbogott während ihrer Promotour hier zu unterstützen. Mich würde mal interessieren, wo ihr alle denn ursprünglich herkommt. Gerry kommt doch aus Dublin, richtig?

Gerry: Uns geht es sehr gut heute! Aber ich komme nicht ursprünglich aus Dublin – ich lebe zwar zur Zeit dort, aber ich wurde in einer kleinen Stadt, ca. 25 Meilen entfernt von Dublin geboren – sie heisst „Trim“. Chief kommt aus Marseilles in Frankreich, Dek aus Dublin, Ger Farrell ist aus einer irischen Stadt, welche sich „Carlow“ nennt und Heff aus Athlone in Irland.

Shirin: Ihr präsentiert Euch doch mit dieser Tour zum ersten Mal dem deutschen Publikum, richtig? Wart Ihr nervös?

Gerry: Ja, das stimmt! Wir spielen derzeit zum ersten Mal in Deutschland. Wir waren nicht nervös, aber haben uns unendlich auf die Gigs gefreut. Es ist sehr spannend für uns, da es das erste Mal ist, dass wir außerhalb Irlands spielen.

Shirin: Wie waren den Eure Erwartungen? Und wurden sie erfüllt?

Gerry: Wir wussten eigentlich gar nicht so genau, was wir erwarten sollten. Die Deutschlandtour war ein Trip ins Ungewisse für uns, aber wir haben gehört, dass düstere Rockmusik hier sehr gut ankommt derzeit und wir haben uns darauf gefreut, Eure „düstere Kultur“ hier zu erfahren. Wir werden unser Album in bald auch in Deutschland veröffentlichen und somit war es toll hierherzukommen, um ein bisschen Gefühl für dieses Land zu entwickeln. Es war sehr schön bisher und wir hoffen, dass wir bald wiederkommen können.

Shirin: Um nun mal einen kleinen Einblick in Eure künstlerische Schaffens-Geschichte zu erhaschen, würde mich interessieren, wie Ihr eigentlich ans Musikmachen gekommen seid und wie sich die ganze Lluther-Geschichte letztendlich entwickelt hat…

Gerry: Ich habe mein ganzes Leben lang schon irgendwie Musik gemacht, aber richtig professionell wurde es dann im Rahmen einer Band namens „Skindive“. Wir unterschrieben bei einem amerikanischen Label. Die Musik war eine rasante Mischung aus Elektronik, heftigen Gitarren und orchestralen Elementen und es war eine tolle Lern-Erfahrung für mich. Somit kam ich in Kontakt mit einigen Weltklasse-Produzenten und Mixern wie Adrian Sherwood and Dave Ogilvie und habe viel in den USA gespielt. Ich habe sehr viel gelernt, aber habe die Zusammenarbeit mit dem Label dann im Jahre 2002 beendet und entschied mich Lluther aufzubauen, weil ich mich auf die härtere Seite der Musik konzentrieren wollte. Ich richtete mir ein Studio ein, mich einem Bett und einer Toilette und schloss mich dort größtenteils, für nahezu zwei Jahre, ein. Als ich dort herauskam, hatte ich das erste Lluther-Album fertig. Sechs Songs des Albums habe ich alleine gemacht und dann formte ich die Band, um der Sache den letzten Schliff zu geben und die Arbeit an der Platte mit ihnen gemeinsam zu beenden.

Shirin: Ich habe gelesen, dass Du ganz maßgeblich am Entstehungsprozess Eurer Musik beteiligt bist. Ich meine, Du bist Sänger, Songwriter, Produzent und arrangierst die ganze Sache – gleichzeitig. Das ist recht viel! Wie schaffst Du es künstlerisch auf so vielen Gebieten gleichzeitig tätig zu sein?

Gerry: Es stimmt schon, dass die Arbeit im Studio hauptsächlich mein Part ist, aber ich arbeite auf diese Weise, weil ich glaube, dass es der beste Weg ist die Idee in meinem Kopf richtig autenthisch zu realisieren. Ich schätze mal, der Hauptgrund dafür, dass es dazu gekommen ist, dass ich gleichzeitig arrangiere, produziere und schreibe, ist dass ich, als ich mit dem Musikmachen begann keine Wahl hatte: Ich musste lernen, wie man all´ diese Dinge macht, um meine Ideen nach Aussen dringen zu lassen, meine Songs soweit zu komplettieren, dass sie einen Status erreichen konnten, mit dem ich glücklich war.

Shirin: Sind denn die anderen Lluther-Jungs ein fester Bestandteil der Band, oder ist es bei Euch eher so eine „Nine Inch Nails“-Sache – sprich: Das sie Dich hauptsächlich live unterstützen?

Gerry: Nein, sie sind vollwertige Mitglieder! Ohne die Anderen wäre ich nicht in der Lage gewesen, Lluther zu dem zu machen, was es jetzt ist. Jeder der irgendwann einmal in einer Band gespielt hat, weiss, dass es mehr dazugehört eine Band zusammen zu stellen und live zu performen, wenn man ein Album veröffentlicht hat, als lediglich die Songs zu schreiben. Jeder der Lluther-Jungs hat seinen eigenen Weg zu der Sache beizutragen – ausserhalb der reinen Live-Gigs. Wir haben im Moment fast zwei Jahre zusammen verbracht und einiges durchgemacht. Sie sind auf jeden Fall volle Mitglieder und ich bin froh, dass sie bei mir sind…

Shirin: Ich finde Euren Bandnamen sehr interessant. Kannst Du mir sagen, woher die Idee hinter diesem Namen kam?

Gerry: Es war an einem Tag, im Juni 2002, als ich morgens aufwachte und plötzlich – ohne irgendeine Vorwarnung – wusste, dass ich weiterkommen wollte, nach Skindive etwas neues machen wollte und da kam mir das Wort „Lluther“ einfach so in den Kopf. Ich arbeite die ganze Zeit mit meinem Instinkt und habe gelernt ihm zu vertrauen. Wenn solche Sachen also passieren, stelle ich sie auch nicht mehr in Frage und so wurde es Lluther.

Shirin: Eurer Debutalbum „Agents Of Empire“ wurde ja von Mark Carolan von Muse abgemischt, richtig? Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Gerry: Ich kenne Mark schon sehr lange. Er kommt auch aus Dublin. Wir sind irgendwie so oft ineinander gelaufen und letztendlich hat mir unser Drummer, Ger Farrell, vorgeschlagen mit Mark zusammen zu arbeiten. Es war einer dieser Momente, in welchen du die perfekte Lösung direkt vor der Nase hast, sie aber nicht siehst, bevor jemand anders (in diesem Fall Ger) es dann ausspricht. Wie es das Schicksal so will, was Mark gerade von einer Muse-Tour zurück und so gingen wir in sein Studio, für ungefähr sechs Wochen, um das Album dort fertig zu stellen.

Shirin: Ihr seid doch auch sehr viel in Dublin aufgetreten während des diesjährigen Frühlings. Wie waren denn Eure dortigen Erfahrungen? Einige Gigs waren ja sogar ausverkauft, insofern muss die Stimmung doch recht gut gewesen sein, oder?

Gerry: Naja, eigentlich kann man in Dublin gar nicht so oft spielen. Es ist eine sehr kleine Stadt und Irland hat im allgemeinen keinen sonderlich grossen Rockmarkt. Aber wir waren glücklich dort. Irland ist ein sehr guter Ort, um mit einer Band zu beginnen und eine Liveshow aufzubauen, aber irgendwann kommt halt doch der Punkt, an dem Du weiter musst.

Shirin: Der audio-visuelle Aspekt ist ein sehr wichtiger Teil Eurer Musik geworden. Kannst Du mich vielleicht ein wenig mehr darüber erzählen? Wie kam der Gedanke, Eure Musik in Videosequenzen wieder zu spiegeln?

Gerry: Das Album wurde während einer allgemeinen Zeit der Frustration und der Wut geschrieben. Es war gerade als der Irak angegriffen wurde. Ich war vor dieser Sache nicht wirklich politisch interessiert und hatte politische Themen immer konsequent von meiner Musik ferngehalten. Das Ergebnis ist, dass einige Songs auf dem Album ziemlich gut wiedergeben, wie ich mich während dieser Zeit fühlte (und immernoch fühle). Wir haben zu dem Song „Show You Mean It“ ein Flash-Video gedreht und die Idee hinter diesem Video war zu zeigen, dass wirkliche Gewalt nicht das ist, was du in einem Hollywoodfilm siehst. Und wir wollten das Video an den schnellen, percussions-trächtigen, Gestus des Songs anpassen.

So entstanden sehr schnelle Schnitte und Bildwechsel. Die natürliche Entwicklung brachte uns dann an den Punkt, an welchem wir das für jeden Song, den wir live performen, auch machten. Unsere Bilder stellen eine sehr gute Synchronisation mit der Musik dar. Bilder geben dir aber auch die Möglichkeit, deine Interpretation eines bestimmten Textes zu nehmen und diese komplett umzudrehen, sodass der Text plötzlich eine komplett neue und andere Aussage bekommt. Dek und ich haben einen ganzen Monat damit verbracht diese Visuals zusammen zu stellen und sind sehr glücklich mit dem Ergebnis.

Shirin: Last but not least, würde ich gerne wissen, wie Eure Band-spezifischen Zukunftspläne derzeit aussehen...

Gerry: Ich habe ja vorhin schonmal gesagt, dass ich gelernt habe, meinem Instinkt zu vertrauen, anstatt großartige Zukunftspläne zu schmieden, weil mir die Erfahrung gezeigt hat, dass Pläne die Tendenz haben sich stündlich zu verändern. Lluther ist auch fast ohne irgendwelche Pläne entstanden. Es scheint mir so, als würde ich einfach die richtigen Menschen im richtigen Moment kennenlernen. Es ist schön und organisch. Somit plane ich ansich nicht sehr viel. Es scheint einfach besser zu funktionieren, wenn ich es nicht tue…

Shirin: Vielen Danke für das Interview und alles, alles Gute für die Zukunft!

Autor: Shirin

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