Es gibt, inmitten einer sich stets im produktiven Wachstum befindenden Electro-Szene, zwischen all den erfolgreichen Newcomern unserer Tage wohl nur wenige Bands, welche sich selbst über viele Jahre hinweg einen festen Platz in den Clubs sichern konnten. Noch weniger Bands können sich mittlerweile getrost als eine Art „Ur-Gestein“ der deutschen elektronischen Klänge bezeichnen, ohne dabei in die Old-School-Kiste gesteckt zu werden. Die Jungs von Funker Fogt allerdings vermögen sich eben diese Mischung aus Beständigkeit und Fortschritt dick auf die Fahne zu schreiben – und das nicht nur hierzulande. Ihre ausländische Präsenz ist mittlerweile äusserst beachtlich und ihre Referenzliste verbucht Auftritte von Israel bis Amerika….Jüngst sind Jens, Gerrit und Co. mit ihrem aktuellen Album „Navigator“ am Start und Sänger Jens war so freundlich, uns -anlässlich der äusserst vielversprechenden neuen Platte – Rede und Antwort zu stehen…

Shirin: Grüss Dich Jens! Eine kleine Sache ersteinmal vorweg zum Aufbau: Es ist ja so, dass wir von Mindbreed aus Euch heute zum ersten Mal interviewen und daher würde ich Dir gern vorab ein paar allgemeinere Fragen stellen, bevor ich dann auf´s neue Album zu sprechen komme…

Jens: Klar. Okay!

Shirin: Ihr habt ja im Jahre 1995 zusammen gefunden und an sich sollte Funker Vogt ja lediglich als eines von Gerrits etlichen Seitenprojekten fungieren, ist jedoch dann mit der Zeit quasi zum „Main-Act“ geworden. Mich würde mal interessieren, wie es derzeit mit musikalischen Nebenprojekten aussieht… Habt Ihr überhaupt noch Zeit dafür?

Jens: Also es war damals so, dass Gerrit einfach härtere Musik machen wollte, was mit seinem ersten Projekt „Ravenous“ aber nicht ging bzw. nicht gehen sollte, weil „Wilderness“ einfach eine andere Art der Musik machten. Er hat mich daraufhin gefragt, ob ich das nicht mit ihm zusammen machen würde. Wir haben das dann probiert, es hat funktioniert und was daraus geworden ist, sehen wir jetzt… Was die Nebenprojekte angeht, sieht es so aus, dass „Wilderness“ quasi noch als Nebenprojekt fungiert (wie es das auch seit Jahren schon tut) und es gibt halt „Fusspilz 11“, was ein gemeinsames Nebenprojekt von einigen ist und das war´s eigentlich schon. Momentan steht mit Nebenprojekten auch nichts an, also das ist erstmal alles auf Eis gelegt.

Shirin: Der Name „Funker Vogt“ entstand ja, wie ich gelesen habe, damals über einen Kumpel von Euch, der bei der Bundeswehr gearbeitet hat und ist somit auch ein wenig wegweisend für das Konzept der Band – sprich: vieles in Richtung Krieg, Bundeswehr, Militär und so weiter… Mich würde mal interessieren, wie es dazu kam, dass Ihr Euch dazu entschlossen habt, dieses Thema in einem musikalischen Kontext aufzugreifen.

Gerrit: Da muss ich Dich jetzt leider ein wenig korrigieren: Wenn man sich die Alben von Funker Vogt so anschaut, dann geht es ja nicht ausschließlich nur um Krieg und Gewalt. Ich meine, diese Thematiken haben schon einen guten prozentualen Anteil, aber uns darauf zu reduzieren, wäre eigentlich falsch. Es geht halt um Themen, die nicht unbedingt auf jemanden persönlich abzielen. Die Themen sind teilweise fiktiv, teilweise bezogen auf Geschehnisse der letzten Zeit und irgendwie ist es ja auch so, dass unsere Welt zum großen Teil aus solchen Thematiken besteht… also, wenn Du Dir die Tagesschau anguckt, dann siehst Du dort ja sicherlich nicht nur die Lottozahlen. Aber eine Faszination für diese Thematik gibt es bei uns definitiv gar nicht….

Shirin: Ihr habt ja im Dezember 2001 Eure ersten vier Alben noch einmal wiederveröffentlicht… Wie ist es dazu gekommen? War die Nachfrage einfach so gross, oder woran lag das?

Jens: Nein, nein…. Wir haben ja mittlerweile einige Plattenfirmen durch. Teilweise sind die Firmen pleite gegangen, teilweise waren es einfach schlechte Zusammenarbeiten, aus denen wir uns dann ausgeklinkt haben. Und so kamen die Sachen nicht mehr auf den Markt – was ja logisch ist, wenn eine Plattenfirma pleite ist, oder Sachen nicht mehr veröffentlichen kann. So haben wir es dann durch viel Verhandlungsgeschick hinbekommen, dass die Rechte unserer Platten auch bei uns lagen und da lag es nahe, die Sachen wieder zu veröffentlichen. Zum einen wurden sie in besserer Qualität neu veröffentlicht und resultierend auf der Tatsache, dass sie halt auch lange nicht auf dem Markt waren, war die Nachfrage dementsprechend gross….

Shirin: Ihr habt mittlerweile eine ziemlich beachtliche Liste an Ländern, in denen Ihr gespielt habt – seid also international recht erfolgreich. Wie ist es denn für Euch, in anderen Ländern zu spielen? Gibt es im Vergleich zu deutschen Landen Unterschiede in Bezug auf das Verhalten oder den Enthusiasmus Eurer Fans

Jens: Also so riesige Unterschiede gibt es da eigentlich weniger – es sind halt nur Nuancen die anders sind. Meistens ist es ja so, dass man das Ganze – wenn man das erste Mal irgendwo spielt – viel enthusiastischer betrachtet, als es dann im Endeffekt wirklich ist. Man hat ja zum ersten Konzert in Deutschland auch eine andere Beziehung, als zum 83 Konzert in Berlin – um einfach mal was zu sagen… Das ist im Ausland ähnlich: Als wir das erste Mal in den Staaten gespielt haben, da war das natürlich was super besonderes, aber wenn man schon drei oder vier mal dort war, in etlichen Clubs und verschiedenen Städten gespielt hat, dann ist die Besonderheit irgendwann weg. Mit der Zeit stellt sich einfach eine gewisse Normalität ein. Wenn wir jetzt in den Staaten oder in Kanada spielen würden, dann würden wir sicherlich keine Schweissausbrüche kriegen oder vor dem Gig wie verrückt hinter der Bühne rumhüpfen…

Shirin: Es ist ja für den einen oder anderen sicherlich schwer vorstellbar, wie die Electroszene derzeit z.B. in den USA oder in Israel ausschaut. Wenn man dort als Band auftritt, dann kommt man sicherlich intensiver mit der jeweiligen Szene in Kontakt. Gibt es irgendwelche Unterschiede oder Gemeinsamkeiten zwischen der deutschen und der ausländischen Szene?

Jens: Also einige kleinere Unterschiede gibt es schon – wenn man sich z.B. Kanada anschaut: Da läuft in der „Electro-Szene“ im Prinzip alles rum, was irgendwie mit dem Überbegriff „Gothic/Electro“ zu tun hat. Egal ob Langhaarig oder Kurzhaarig – auf den Konzerten läuft einfach alles rum. Was auch auffällig war, war die Tatsache, dass auch relativ viele normal gekleidete Leute auf den Konzerten waren, welche die Texte aber trotzdem zu 100 Prozent auswendig konnten und auch richtig Party gefeiert haben.

Shirin: Ihr seid ja jetzt bei Metropolis-Records und einer russischen Plattenfirma (dessen Namen ich leider nicht aussprechen kann) unter Vertrag und habt somit ziemlich gute Partner für einen internationalen Vertrieb auf Eurer Seite. Wie kam es denn zu diesen Kooperationen?

Jens: Also zuerst einmal kann ich den Namen unserer russichen Kollegen auch nicht aussprechen (lacht) und mit Metropolis arbeiten wir ja schon relativ lange zusammen. Das kam halt wie es so üblich ist: In Deutschland sind halt Sachen von uns rausgekommen, die ziemliche Erfolge gefeiert haben, wodurch man automatisch für den amerikanischen Markt interessant wird und dann kamen halt die ersten Anfragen, ob das Material dort nicht auch veröffentlich werden kann bzw. darf. Es ist ja für die amerikanischen Fans auch immer ein ziemlicher Aufwand, sich die Platten über den Import zu besorgen. Die Nachfrage war auch demensprechend groß und so ging das Ganze dann auch ziemlich schnell und unkompliziert über die Bühne. Mit Russland war es so, dass wir festgestellt haben, dass der Markt für unsere Musik dort auch ziemlich groß ist und als man uns gefragt hat, ob wir nicht mit besagter Plattenfirma zusammen arbeiten wollen, haben wir zugesagt. Die Firma dort ist recht groß und hat etliche Künstler unter Vertag – wenn auch nicht so viele aus dem Electro-Bereich, sondern eher russische Künstler. Wir sind da bisher sehr zufrieden mit…

Shirin: Und wie kam es dazu, dass Ihr im Jahre 2002 zu SPV übergewechselt seid?

Jens: Durch unsere hohen Verkaufszahlen und zahlreichen Auftritte waren wir natürlich auch irgendwann für SPV interessant und da das SPV-Hq nicht sehr weit von uns entfernt liegt, kann man sich auch immer gut für ein persönliches Gespräch treffen – was einen weiteren Pluspunkt darstellte. Zum anderen hat SPV natürlich auch etliche Künstler unter Vertrag, die wirklich einiges verkaufen und ist dadurch quasi schon so etwas wie eine kleine Major-Firma. Darüberhinaus arbeiten halt auch Leute dort, die sich mit der Szene und unserer Musik sehr gut auskennen und wirklich voll dahinter stehen, so dass du dann nicht nachher nur das 180-ste Rad am Wagen bist, wie bei der einen oder anderen noch größeren Plattenfirma. Die Grösse ist genau das Richtige für uns…

Shirin: Ihr seid ja allesamt ziemlich dauerproduktiv… Mich würde mal interessieren, was Ihr so in Eurer Freizeit macht, wie Ihr Kraft tankt, um ein wenig abzuschalten…

Jens: Wir sind entweder mit unseren Familien zusammen und treiben beide Sport…Gross Urlaub machen wir natürlich nicht, aber das braucht man ansich auch nicht, denn wenn man auf Tour ist, dann ist es ja im Prinzip wie Urlaub. Man kommt dadurch viel rum in der Welt. Außerdem sind wir beide nicht so die Typen, die jetzt drei Wochen Strand brauchen. Man kann mal eine Woche irgendwo hin fahren, aber das reicht dann im Prinzip auch schon wieder. Ohne die Musik geht´s einfach nicht….

Shirin: Habt Ihr denn überhaupt die Zeit, Euch die fremden Städte, in denen Ihr spielt, auch anzuschauen?

Jens: Das ist glücklicherweise der Fall. Wenn man für mehrere Tage im Ausland ist, dann findet man immer die Zeit, sich auch die jeweilige Stadt ein wenig anzuschauen…. Es sei denn, die Flüge liegen ganz ungünstig, was aber selten vorkommt. Und wenn ich es z.B. mal nicht schaffe, mir eine Stadt richtig ausgiebig anzuschauen, dann haben die anderen das ja meistens auch auf Bildern festgehalten…

Shirin: Um noch einmal kurz auf Eure Texte zu sprechen zu kommen: Auffällig ist ja, dass sie teilweise auf deutsch und teilweise auf englisch geschrieben werden. Denkt Ihr vorher groß darüber nacht, in welcher Sprache der jeweilige Song nun besser passt, oder ergibt sich das einfach?

Jens: Das ergibt sich einfach. Im Großen und Ganzen sind wir sicherlich eher eine englisch-sprachige Band, aber da wir uns eben auch in unserer Muttersprache artikulieren können, kommt es auch vor, dass die Texte eben auf deutsch geschrieben sind und gesungen werden… Wir schreiben die englischen Texte auch direkt – also es wird nichts vorgeschrieben und dann übersetzt, von daher würden einige Dinge auch von der Wortwahl her gar nicht passen, wenn man sie auf deutsch singen würde. Wenn Texte wirklich sehr persönlich sind, dann schreiben und singen wir sie allerdings auch oftmals auf deutsch.

Shirin: Ihr habt ja 1998 auch mal was mit Velvet Acid Christ zusammen gemacht. Mich würde mal interessieren, wie es zu dieser Zusammenarbeit kam und wie Ihr die Kooperation mit Bryan in Erinnerung behalten habt!

Jens: Eine wirkliche Zusammenarbeit war das nicht. Man schickt sich halt die Sachen, die bearbeitet werden sollen zu. Da gibt es nicht viel persönlichen Kontakt. Es ist zwar so, dass man sich mit einigen Künstlern auf irgendwelchen Festivals trifft und zusammen abhängt, was natürlich für eine spätere Zusammenarbeit sehr förderlich ist, aber bei der Sache mit Velvet Acid Christ war es so, dass die Plattenfirma das geplant hatte und es eher darum ging, seine Arbeit abzuliefern, als um persönliche Kontakte…

Shirin: Wenn man jetzt schonmal bei anderen Musikern angekommen ist: Gibt es derzeit irgendwelche Bands oder Künstler, die Euch besonders inspirieren?

Jens: Das gibt es eigentlich gar nicht momentan. Wenn man uns irgendwie mal „privat“ erwischt, dann läuft eigentlich den ganzen Tag Viva oder MTv und da läuft den ganzen Tag soviel Mist, dass man gar nicht auf die Idee kommt, sich irgendwo etwas abzugucken…

Shirin: Wenn man einmal auf Eure neue Platte zu sprechen kommt: Wenn man die aktuelle Platte mal mit Eurem letzten richtigen Output vergleicht, dann liegen ja schon einige Jahre dazwischen. Mich würde mal interessieren, was sich aus Eurer Sicht im künstlerischen und musikalischen Sinne getan hat, wenn man die „Navigator“ mit der „Survivor“ vergleicht…

Jens: Also Veränderugen gibt es sicherlich. Der Prozess vom Aufbau bishin zur Fertigstellung eines Songs ist derselbe geblieben…. Wir haben die Arbeitsweise irgendwann einmal so aufgeteilt, dass Gerrit im Prinzip die Songs schreibt und komponiert, ich komme dann dazu und bringe meine (vor allem gesanglichen) Ideen mit ein und die Texte werden im Prinzip von Kai Schmidt geschrieben – auch wenn es mal vorkommt, dass der eine oder andere von uns eigene Texte mit einbringt…. Studiomäßig hat sich einiges verändert: Wir sind von den etlichen Geräten wieder auf einfache Computerbasis umgestiegen. Wir arbeiten quasi ausschließlich mit Software, so dass sie Synthesizer so gut wie gar nicht mehr genutzt werden. Man hat einfach so viel mehr Möglichkeiten! Wenn man all die Möglichkeiten, die man auf dem Computer hat, mit dem Syntheziser umsetzen wollen würde, dann könnte man nochmal ein extra Häuschen bauen, um den ganzen Kram unterzustellen. Ich denke auch, dass der Trend ohnehin in diese RIchtung geht.

Shirin: Und wer hat das Coverartwork von „Navigator“ entworfen?

Jens: Das war Richard Walker. Er ist auch öfter mal mit auf Tour oder ab und an auch mal in Deutschland. Wir arbeiten im Artwork-Bereich sehr viel mit ihm zusammen.

Shirin: Gibt es auf der aktuellen Platte denn einen persönlichen Lieblingssong von Euch, oder kann man das so pauschal nicht sagen?

Jens: Das wurden wir schon des öfteren mal gefragt. Ich denke, dass ist einfach noch zu frisch, um da einen konkreten Song zu nennen.

Shirin: Ihr plant ja auch sicherlich eine ausgedehnte Tour zum neuen Album. Kannst Du uns da vielleicht schon ein wenig in Bezug auf Supprtbands oder sonstige interessante Infos verraten?

Jens: Da kann ich Dir leider noch nichts verraten, außer dass es im Oktober losgehen soll. Es werden momentan sehr viele Gespräche geführt von Seiten des Managements, aber die Tinte ist da drunter leider noch nicht trocken, insofern kann ich Dir da auch noch nichts näheres zu sagen…

Shirin: Dann würde mich zum Abschluss noch interessieren, wie Eure sonstigen Zukunftspläne so ausschauen und ob Ihr Euch noch irgendwelche besonderen Ziele gesetzt habt…

Jens: Also ganz klar ist natürlich, dass wir mit der Band weiterkommen möchten, erfolgreicher zu werden und uns dadurch natürlich auch im persönlichen, musikalischen Bereich weiter zu entwickeln und zu verbessern. Also eigentlich, dass es mit Funker Vogt in den nächsten Jahren genauso gut weiter geht und das wir vielleicht sogar noch ein bisschen (oder auch ein bisschen mehr) grösser werden. Dann natürlich auch, dass wir gesund bleiben und auf dem Teppich bleiben…

Shirin: Das soll es dann auch schon gewesen sein! Ich danke Euch, dass Ihr Euch die Zeit für dieses kurze Interview genommen habt!

Jens: Selbstverständlich!

Shirin: Und ich wünsche Euch alles alles gute für die kommende Tour!

Autor: Eniz

Werbung
Redaktion
Unter diesem Benutzernamen werden Beiträge ehemaliger und freier Mitarbeiter zusammengefasst.