Mit Hilfe von Herrschaften wie Dirk Ivens, Johan van Roy und nicht zuletzt dem Multitalent Eric van Wonterghem, hat sich die belglische Elektro-Fraktion mittlerweile einen beachtlichen Namen gemacht und ist sowohl aus den Clubs wie auch von privaten Chill-Out-Partys nicht mehr wegzudenken. Mit dem letzten Output seines Projektes „Monolith“ hat der gute Eric im letzten Jahr ein wahrhaftiges Kunstwerk der experimentellen Elektronik abgeliefert und spätestens mit dieser Platte bewiesen, dass er einer der wirklich eigenständigen wie innovativen Künstler im Geschäft ist und dass sein Schaffen wohl einen beachtlichen Teil zur stetigen Weiterentwicklung der Szene beigetragen hat!
Eric ist einer der Menschen, die überall ihr geschicktes Händchen im Spiel haben, und er leistet sowohl als Produzent wie auch als aktives Mitglied bei „Insekt“ und „Sonar“ stets hervorragende Arbeit. Auf dem diesjährigen Dark Dance – Treffen hatte man die Möglichkeit, den „großen Meister“ live hinter seinem heiligen Synthesizer zu erleben und wir von Mindbreed ließen es uns aufgrund eines solchen Highlights natürlich nicht nehmen, den guten Mann um ein kurzes Interview zu bitten (äußerst kuriose Antworten seinerseits sind übrigens inbegriffen – insofern: Weiterlesen wird rezeptpflichtig empfohlen!)
Shirin: Hallo Eric. Wie geht´s dir denn im Moment?
Eric: Gut, danke. Ich glaube, dass im Moment alles unter Kontrolle ist….aber…man weiss ja nie – ich kann in einem Moment sagen, dass es mir gutgeht und ein paar Minuten später tot sein. Also….schnell….frag´ weiter!
Shirin: Also, als erstes hätte ich ein paar Fragen zu deinem letzten Monolith-Album „15 Seconds“! Der Titel klingt ja recht schlicht und simpel, aber auf der anderen Seite schon irgendwie interessant und erweckt die Aufmerksamkeit des Hörers, welcher sich fragen mag, was diese 15 Sekunden wohl zu bedeuten haben. Kannst du mir etwas darüber erzählen?
Eric: Die Idee hinter dem Titel ist in der Tat sehr simpel. Als du mich zum Beispiel am Anfang gefragt hast, wie es mir geht, da hast du den Kern der Sache in gewisser Weise schon angesprochen. Ich denke oft darüber nach, dass viele Menschen meinen, alles würde für ewig sein. Sie sind so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass sie vergessen, dass sich ihr Leben innerhalb von ein paar Sekunden ändern kann, ja es kann sogar vom einen auf den anderen Moment vorbei sein. Es ist also eine recht simple, aber gleichzeitig sehr wichtige Message hinter dem Titel: Wenn du etwas tun willst, dann tu´ es jetzt! Warte nicht bis zur nächsten Chance oder bis du weißt, dass sie vorbei ist…
Shirin: Wenn ich „15 seconds“ mit irgendetwas assoziieren sollte, dann würde ich sicherlich an eine Art Verbindung von Technik und Biologie denken. Oder eine Verschmelzung von Maschine und Menschheit. Ist diese Thematik irgendwie Teil dieses Albums und deiner Musik generell, oder liege ich damit falsch?
Eric: Was für eine tolle Beschreibung! Eine Verbindung zwischen menschlichen und maschinellen Komponenten – ich glaube, dass benutze ich für meinen nächsten Albumtitel! Ich denke aber, dass Maschinen eher eine Weiterführung der Menschheit sind und nicht direkt eine Verbindung oder Verschmelzung. Ohne Maschinen könnte ich zum Beispiel niemals solche Musik machen…Und ich es ist wichtig für mich, die Technik zu kontrollieren, da die Technik einen sehr wichtigen Teil in meinem Leben als Komponist darstellt….
Shirin: Als ich mir „15 seconds“ das erste Mal anhörte, drängte sich mir die Vermutung auf, dass es einen konzeptionellen Charakter hinter der Platte gibt, welcher apokalyptische Visionen und das Ende der Welt in einer gewissen Weise zentriert. Gibt es ein Konzept hinter oder eine Verbindung zwischen den Songs auf „15 seconds“, oder stehen die Tracks alle für sich allein?
Eric: Meine Songs drehen sich immer um irgendein Konzept…das Leben, schlechte Träume, was wir hier machen…Wenn du den letzten Track „Exodus“ anhörst, dann hörst du eine Explosion….das Ende? Wer weiß…Ich versuche immer, eine Art „roten Faden“ in meinen Platten beizubehalten, weil ich glaube, dass es interessanter ist, sich ein komplettes Album anzuhören, wenn es sich um eine kleine Geschichte rankt.
Shirin: Deine Frau hat sich bei einigen Songs ja mit ihrer Stimme beteiligt. Wie war es denn, mit einer Person, die einem so nah steht, zusammen Musik zu machen? War „15 seconds“ ihr Debut, was die künstlerische Zusammenarbeit mit dir betrifft? Planst du auch, sie in Zukunft weiterhin in deiner Arbeit zu intergrieren?
Eric: Ich weiß, dass Hilde meine Musik sehr respektiert und dass sie froh darüber ist, jetzt ein wenig stärker involviert zu sein. Sie kennt meine Musik einfach am besten, weil wir so oft zusammen im Studio waren. Also habe ich sie gefragt, ob sie nicht ein paar stimmliche Parts zu dem Album beisteuern möchte. Durch sie klang die Platte nachher auch etwas mehr nach Electro und ich mochte es. Wir haben danach auch einige Live-Shows zusammen gespielt und es ist toll, zusammen zu performen. Sie ist ein vollwertiges Mitglied geworden.
Shirin: Meiner Ansicht nacht klingt „15 seconds“ ein wenig anders, verglichen mit älteren Monolith-Outputs. Die Platte birgt eine unglaubliche stilistische Vielfalt und scheint sich auch verstärkt auf klassische Songstrukturen zu fokussieren. Liege ich damit richtig? Woher hast du die Inspiration für diese Platte geschöpft?
Eric: Es gab´ eigentlich keinen direkten musikalischen Einfluss, während ich „15 seconds“ aufnahm. Ich fange immer an, irgendwelche CDs zu hören, bevor ich ins Studio gehe oder Tracks komponiere. Ich kann mich dabei aber nicht auf irgendeine bestimmte musikalische Richtung fokussieren und höre den ganzen Tag über irgendwelche Platten durcheinander. Deswegen denke ich eher über eine bestimmte Geschichte nach und fantasiere mir die Musik dazu in meinem Kopf zusammen. Wenn du aber wissen wolltest, welche Bands mich generell beeinflusst haben, dann muss ich sagen, dass ich sehr viel Respekt vor „Clock DVA“ habe.
Shirin: Neben Hildes Stimme finden sich ja noch einige andere Vocal-Samples auf „25 seconds“. Kannst du mir vielleicht verraten, wo du sie her hast?
Eric: (grinst) Nein! Sie sind aus irgendeinem Polizei-Streifen, aber das ist im Kontext des Albums absolut unwichtig. Ich habe diese Stimme nur in einem Track benutzt…
Shirin: Du bist neben Monolith ja auch noch bei Sonar und Insekt mit von der Partie, insofern musst du doch wirklich schwer gestresst sein und eine ganze Menge Kreativität aufbringen. Woher nimmst du die Kraft dafür? Und was tust du, um zu relaxen?
Eric: Ich habe einfach das Gefühl, dass noch so viel zu tun ist, dass man noch soviel erschaffen kann und manchmal wünsche ich mir auch, dass die Woche zehn Tage hätte, aber wenn das so wäre, dann würde ich wahrscheinlich noch ein Projekt starten. (lacht) Aber ich gehe auch mal weg, verreise, mache Ferien oder schaue mir ab und zu einen Film an. Aber….um ehrlich zu sein, ist der beste Ort um zu entspannen immer noch mein Studio!
Shirin: Du arbeitest auch als Produzent für einige Acts. Kannst du mir ein wenig über die aktuellen Neuigkeiten aus diesem Sektor berichten?
Eric: Die letzte CD, die ich produziert habe, war das aktuelle DIVE-Album „Behind the sun“ und im Moment arbeite ich hart an dem neuen Insekt-Album. Wir werden bald eine neue SIngle veröffentlichen, welche „Teen Machine“ heißen soll. Das nächste Sonar-Album ist auch „in der Mache“ und ich produziere den neuen Industrial-Act „Adam-X“ aus NYC. Man kennt ihn eigentlich aus der Techno-Szene, aber jetzt ist er unter meinen Fittichen. Ich bin also quasi komplett ausgebucht für eine Weile…
Shirin: Kannst du mir zu guter letzt noch von deinen Plänen und Wünschen für die Zukunft berichten?
Eric: Schau´ einfach mal auf meiner kleinen Label-Website www.psycho-dynamics.be nach – dort findest du die aktuellen Neuigkeiten und Gigs. Dann werde ich bald das erste Label-Release von „Adam-X“ hinter mich bringen – was interessant sein dürfte für eure Industrial-orientierten Leser – und mein größter Wunsch ist, dass ich weitermachen kann wie bisher und nicht in 15 Sekunden aufhören muss…..Die Zeit läuft….(grinst)
Shirin: So, dass war´s dann auch schon. Vielen Dank für das Interview und ich wünsche dir alles Gute für die Zukunft und die Show heute Abend!
Eric: Die Freude war ganz meinerseits. Lass´ uns jetzt was trinken gehen!
Autor: Shirin












