Die Italiener XP8 veröffentlichten vor kurzem ihr erstes Album „Forgive[n]„.
Für Mindbreed.de stellte sich Paul Toohill einigen Fragen rund um ihr Debüt, Filesharing und den Namen „XP8″…
Matthias: Hallo ihr drei. Euer Debüt-Album hat mich vor ein paar Tagen erreicht, und nach dem Review gibt es natürlich einige Fragen an euch, die ich gerne in diesem kurzen Interview beantwortet hätte. So weit ich weiss, steht „XP8“ für „expiate“ („sühnen für…“). Müsst ihr für irgend etwas sühnen? Ich denke ihr wisst, dass der Name etwas schräg ist, also nehmt mir die Frage nicht krumm, sie ist einfach zu naheliegend.
Paul: Der Name XP8 steht tatsächlich für „expiate“ als eine Art Akronym. Ich bin auf diese Buchstabenspielerei vor ein paar Jahren gekommen, als ich auf der Suche nach einem Namen für eine Clubveranstaltung war, die ich organisierte und auf der ich selbst als DJ auflegte.
Ich wollte etwas Kurzes, Einprägsames, etwas, das leicht zu schreiben war, optisch etwas hermachte… ein Logo, das sowohl Name als auch Lebenslauf zugleich war und vor allem: ein Konzept, mit dem ich mich identifizieren konnte. Ich habe viele Stunden wie ein Idiot über einem Wörterbuch gehangen, habe aber letztendlich etwas gefunden.
Ein paar Jahre später haben wir das gleiche gemacht, diesmal auf der Suche nach einem Bandnamen, und Marko schlug vor, dass wir XP8 nehmen sollten.
In diesen Tagen ging etwas Selbstreinigendes vor, es war also definitiv die richtige Wahl.
Ob ich für etwas sühnen muss? Scheisse, ja, wer muss das nicht? Ich hatte eine Zeit, in der ich zu sehr meine Wunden geleckt habe und zu stark im Selbstmitleid versank und mich darüber hinaus viel zu leicht für alles beschuldigt habe, was vorfiel und falsch lief.
Diese Phase der Selbst-Abschreibung führt nur zu einer Sache: Zu einem Abgrund, aus dem nicht jeder wieder herauskommen kann. Ich habe mich entschieden, darüber zu singen. Blöde Sache…
Matthias: Euer Debüt wurde bereits 2003 unter dem Namen „Forgive“ veröffentlicht, damals im Selbstvertrieb. Jetzt gibt es 3 weitere Songs auf „Forgive[n]“ und es wird über ein bekanntes Label vertrieben. Gibt es da noch andere Unterschiede?
Paul: Einige Lieder wurden neu aufgenommen und alles wurde sorgfältig gemastert (das Original war nicht mehr als eine Aufnahme im Keller-Studio). Das Artwork wurde komplett neu entworfen und das Cover ist jetzt einfach komplett.
Matthias: „Forgive[n]“ klingt insgesamt sehr nach einem Konzeptalbum. Alles ist schlüssig und greift beinahe nahtlos ineinander über. Steckt ein Konzept dahinter? Auf jeden Fall würde der Flow der Stücke das vermuten lassen…
Paul: Die Texte handeln alle von einer Zeit in meinem Leben, und soweit es sie betrifft, sind sie komplett linear aufgebaut. Anschließend haben wir uns zusammengesetzt und die Reihenfolge der Tracks studiert, weil wir wollten, dass das Album als Ganzes gut klingt und nicht nach einer Serie von aneinandergereihten und voneinander unabhängigen Tracks.
Da so viele Menschen Musik downloaden oder sie sich einfach von Freunden kopieren, ist ein Konzeptalbum, das bei Track eins beginnt und bei Track dreizehn aufhört, nicht wirklich realisierbar.
Der Sofortzugriff bei CDs sorgt dafür, dass viele lediglich die ersten 23 Sekunden eines Stückes anhören, bevor sie sich dafür entscheiden, das nächste anzuspielen.
Sitzt jemand vor einem MP3-Player mit mehreren Gigabyte an Musik – ich wette, er wird sich zunächst kein Stück von Anfang bis Ende anhören.
Das ist sehr schade und ich hoffe, die Leute entscheiden sich dazu, Alben eher als ein Buch anzusehen, das man von Seite zu Seite lesen muss, bevor man sich für ein besonders gutes Kapitel entscheidet.
Matthias: Wie fühlt ihr euch, nachdem ihr das erste „richtige“ Album veröffentlicht habt? Was können wir als nächstes von XP8 erwarten, vielleicht eine Tour durch Europa?
Paul: Wir werden überall dort spielen, wo wir darum gebeten werden. Bis jetzt haben wir im September einen Gig in Amsterdam geplant und noch weitere Auftritte in Europa, aber es steht noch nichts richtig fest.
Die Veröffentlichung von einer neuen Single wird dann erstmal neues Material auf die Tanzflächen bringen und dann werden wir hoffentlich auch wieder mehr durch die Gegend ziehen.
Aber das alles hängt erstmal von den Reaktionen auf die Releases ab. Wenn sie nicht verkauft werden, werden wir wohl keine Möglichkeit haben, etwas zu unternehmen. Glücklicherweise sieht es im Moment so aus, als würden viele Leute das Album kaufen, von daher ist alles Weitere nur eine Frage von Zeit und Organisation.
Und denkt daran, Downloaden ist eine schöne Sache, aber wenn möglich sollte man auch etwas an die Künstler zurückgeben und sie unterstützen. Auf diese Weise haben sie die Chance, mehr zu machen und auch mal in die eigene Gegend zu kommen.
Matthias: Die Szene in Italien ist ja nicht gerade groß, wie ist denn dort das Feedback auf „Forgive[n]„?
Paul: Ha! Nun, im Gegensatz zu meiner Heimat (England) scheinen die Leute hier in Italien nicht sehr stolz darauf zu sein, wenn Bands aus ihrer Umgebung Erfolg haben.
Ein kleines bisschen Eifersucht kann alles zerstören.
Unsere Musik wird in Estland, Deutschland, Spanien, England, Amerika und sogar in Australien gespielt, aber hier in Italien ist es noch sehr schwer, DJs dazu zu bringen, die Musik zu spielen.
Ich weiss nicht, die Szene hier ist sehr klein, jeder kennt jeden, und es gibt zu viele kleine Grüppchen. Andererseits mögen einige das Album, haben es gekauft, hören es zu Hause… manchmal läuft es auch im Radio. Es ist nur so, dass einige Clubs eine leichte Abneigung zeigen.
Wir werden gespielt – nur nicht viel in Rom, das ist eine Schande.
Matthias: Habt ihr einen Lieblingssong auf „Forgive[n]„? Und welches Stück eignet sich am besten für eine Singleauskopplung?
Paul: Im Moment favorisiere ich „Das Licht“. Ich liebe es, das Stück live zu performen und gebe mein Bestes dabei.
„The Fall“ gefällt mir in dieser Hinsicht, obwohl ich da wohl der Einzige bin. Aber jedes Stück hat seine Zeit.
Matthias: Würdet ihr eure Musik mit der Musik anderer bekannter Szenebands vergleichen?
Paul: Nein, es gibt unvermeidliche Ähnlichkeiten, vielleicht teilen wir uns einige Samples und einige Einflüsse, aber weiter geht es nicht. Ich höre viel aktuelle Musik und einiges mag ich wirklich, aber wenn ich Musik im elektronischen Bereich mache, werde ich eher von Musik aus den 80ern oder von 1990 beeinflusst, wo ich angefangen habe als DJ zu arbeiten, aber nicht von der Musik, die ich im Moment höre.
Matthias: Was denkt ihr, ist das Besondere an eurer Musik? Stellt euch vor, ihr solltet jemanden davon überzeugen, euer Album zu kaufen, der noch nie etwas von euch gehört hat…
Paul: Sie ist vielfältig, ohne dabei an Substanz oder Kontinuität zu verlieren. Sie ist keine bloße Kopie von irgendetwas, das im Moment sehr angesagt ist (oder irgendwann einmal angesagt war). Lies dir die Texte durch, sie sind echt.
Ich spucke doch kein Blut, nur damit es theatralisch wird, und ich werde erst recht keine Dichter aus der Vergangenheit wiederverwerten, um meinem Gesang eine Touch von Herrlichkeit zu verpassen.
Ich hoffe, wir können Emotionen hervorrufen und dabei ehrlich bleiben. Probier es aus, hör dir unsere Musik an, vielleicht wirst du es mögen.
Matthias: Apropos kaufen… „Forgive[n]“ wird für 16 Euro bei Amazon verkauft. Das ist recht teuer für einen Newcomer, oder? Habt ihr keine Angst, dass so ein hoher Preis potentielle Käufer abschreckt und Filesharing sowie illegale Downloads fördert?
Paul: Naja, Filesharing ist heute an der Tagesordnung und wir haben bis jetzt nichts dagegen gesagt.
Ich bitte die Leute, die Bands zu unterstützen, wenn sie kommen, mehr kann ich nicht verlangen. Wir haben nicht den Verkaufspreis entschieden, aber wer zu unseren Auftritten kommt kann die CDs dort kaufen, sie sind dort wesentlich billiger (so billig, dass wir selbst daran noch Geld verlieren *seufzt*).
Letzten Monat haben wir das erste Konzert gegeben, bei dem wir kein Geld verloren haben! Und wenn ich die letzten drei Jahre mit Auftritten und Studioarbeit aufwiege (und alles, was wir in der Vergangenheit gemacht haben, dafür bezahlt haben und nichts dabei verdient haben, ignoriere), sind wir am Boden. Lass uns das einmal ausrechnen: Ja, wir haben eine ziemliche Menge an Geld verloren und ich wage zu bezweifeln, dass wir viel mit dem Verkauf von „Forgive[n]“ verdienen – wenn überhaupt etwas.
Ich fühle mich ehrlich gesagt nicht schuldig, wenn Amazon uns für 16 Euro
Ich bin nicht hier, um Geld zu machen, es geht um die Musik.
Wenn die CD gekauft wird, bekommen wir die Möglichkeit, eine neue aufzunehmen und zu touren. Ansonsten…
Matthias: Ich danke für das Interview und wünsche euch viel Erfolg mit dem neuen Album. Mir gefällt es sehr gut, macht bitte weiter so! :)
Paul: Ich danke dir, schön, dass dir das Album gefällt und ich hoffe, wir haben die Möglichkeit, mehr zu machen!












