Flogging Molly - Speed of Darkness

Am 27. Mai veröffentlicht die irisch-amerikanische, international bekannte Band Flogging Molly ihr fünftes Studioalbum „Speed of Darkness“.

Mit „Float“ landeten sie 2008 einen Welterfolg und befanden sich auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. An eine solche Vorlage anzuknüpfen ist nicht leicht. Und dennoch: „Speed of Darkness“ bietet nicht nur eine Fortsetzung des altbewährten Sounds sondern auch eine Weiterentwicklung der Band in musikalischer und inhaltlicher Weise.

Die alt bekannten irischen Melodien fallen erst richtig beim zweiten Hören auf, zu sehr wird man von den ungewohnten Klängen in den Bann gezogen. Die Band schafft einen Spagat und verbindet neuen, klaren Rock mit dem fröhlichen keltischen Tonfall, den man mit ihr assoziiert.

 

Der Einstieg in die CD, welcher zugleich namensgebend für das Album war, „Speed of Darkness“, ist furios und überrascht den Hörer sofort. Wie ins kalte Wasser geworfen, wird man von den schnellen, lauten Klängen und dem eingängigen Refrain überrannt. Einen besseren Anfang für ihr Album hätte die Band nicht wählen können. Der Text wirkt wie eine Vorankündigung darauf, was uns auf dieser CD erwartet: „the speed of darkness has begun“.

 

Schnell geht es auch im nächsten Track weiter: „Revolution“, ein Song über den kleinen Mann im Kampf gegen Arbeitslosigkeit und Gleichgültigkeit der großen Bosse. Der Text ruft zum Umschwung der Verhältnisse auf: „we won’t be afraid (…), let the revolution begin“ – dementsprechend motiviert und positiv ist die Melodie. Nicht zuletzt deswegen ist dieses Stück spannend und mitreißend.

Etwas ruhiger, mit Violinenmusik im Hintergrund aber dennoch treibenden Schlagzeugrhythmen beginnt „The Heart of the Sea“. Dave Kings düstere, kratzige Stimme trägt uns durch den Song, nach einer zunächst ruhigen Bridge übertrifft er sich selbst mit einer beeindruckenden Tonspanne und klingt schließlich mit der immer wiederkehrenden Refrainzeile aus.

 

Don’t Shut ‚em Down“ ist Flogging Mollys neuer Heimatstadt Detroit gewidmet, eine Stadt die seit Jahrzehnten unter Wirtschaftsrückgang und schwindenden Bevölkerungszahlen leidet. Die Band bringt mit diesem Song ihre Beobachtungen energisch und eindrücklich zum Ausdruck und durchmischt diese mit Durchhalte-Parolen.
Mit schlichter Schlagzeug- und E-Bass-Begleitung zum einfach gehaltenen Gesang startet danach „The Power’s Out“. Bis auf einzelne Abschnitte wirkt dieses Stück insgesamt sehr untypisch für die Folk-Punk-Band. Gerade die E-Gitarren-Einlagen am Ende sind ungewohnt und erinnern eher an harte Rock-Songs, dennoch bilden sie mit dem restlichen Song ein stimmiges Gesamtbild.

 

Nun folgt ein starker Kontrast. Die Ballade „So Sail On“ beginnt mit ruhigem, klarem Gesang von Dave, der nachdenkliche Text erinnert an ein Abschiedslied. Durch das ganze Lied führt uns Violinen-Begleitung, bis zum Ende schließlich alle in den Refrain einstimmen. Überraschend danach der Einstieg in „Saints & Sinners“ mit einem kurzen Bass-Solo und flotten Fiddle- und Gitarrensounds. Nach düsteren Strophen und einer anschließend recht ruhigen Bridge gestaltet sich der abschließende deutlich variierte Refrain als regelrechter Wachmacher.

Mit „This Present State of Grace“ kommt nun auch endlich der eingefleischte Flogging Molly-Fan auf seine Kosten. Bridget in den Background-Vocals, eine tolle Akkordeon-Begleitung von Matt Hensley und zuletzt auch einsetzendes rhythmisches Klatschen versetzt uns als Hörer in ein Pub in Irland, man wünscht sich ein Glas Guinness in die Hand und möchte am liebsten mitklatschen.

Der folgende Song, „The Cradle of Humankind“, ist eher ruhig. Die tolle Ballade von Dave beginnt mit Klavierbegleitung, eine absolute Neuheit für die Band. Nach einer Minute setzen Fiddle und Akkordeon ein und leiten uns mit wiegender Melodie durch den Song. Spätestens bei dem beeindruckenden Finale mit Gitarre und Backgroundgesang kommt dann die Gänsehaut!
Dass anschließend ein rockigeres Lied folgen muss, ist klar. Doch zunächst startet „Oliver Boy (All of our Boys)“ mit Off-Voice-Gesang und leiser Gitarrenbegleitung. Erst später setzen Schlagzeug und E-Gitarre ein und bieten einen eingängigen, heftigen Refrain. Zum Abschluss hören wir dann erneut Dave, wie von weit weg.

Ein stimmiger, beruhigender Übergang um den Kontrast zu dem überraschenden Duett „A Prayer for me in Silence“, gesungen von Bridget und Dave zu überspielen. Zum ersten mal ist Bridget hier als Lead-Sängerin zu hören und ihre wunderschöne Stimme macht Lust auf mehr! Im Wechsel mit ihrem Ehemann Dave, dessen Gesang sie selbst auf der Violine begleitet, führt sie uns so durch ein tolles Liebeslied.

Zuletzt folgt dann noch ein echter Knaller. „Rise Up“ bietet alles, was man sich wünscht. Irische Whistle-Melodien, ein energischer Gesang, ein eingängiger, klarer Refrain und auch die Uilleann Pipes, das irische Korrelat zum Dudelsack, lassen sich raushören. Das ganze Stück wird von einem kraftvollen Rhythmus durchzogen und stellt so einen gelungenen Abschluss für ein fantastisches Album dar.

 

Das neue Album bietet nicht gerade das, was Fans erwartet haben. Es steckt voller Überraschungen und Neuheiten, doch gerade das macht es zu einem großartigen Werk. Flogging Molly hat sich nach „Float“ selbst übertroffen und einen großen Schritt nach vorne gemacht. Im Vergleich zu alten Bekannten wie „Drunken Lullabies“ oder „Salty Dog“ ist die Band erwachsener, selbstbewusster und auch ein wenig seriöser geworden.

Trotz der deutlichen Unterschiede zu den Vorgängern ist es ein Gewinn für jedes CD-Regal und ich kann den Kauf des Albums nur jedem ans Herz legen!

 

Karla Deußer

Werbung
Matthias Irrgang
Von Anfang an dabei, lag mein Hauptaugenmerk zunächst vor allem auf der technischen Realisation des Magazins. Inhaltlich habe ich mich über die Jahre vom Allrounder weg, hin zu den Bereichen Konzertfotografie und Newsredaktion entwickelt. Man trifft mich regelmäßig vor den Bühnen diverser Clubs in NRW, sowie auf meinen Pflichtfestivals (M'era Luna, Amphi Festival).