sea air evropiSea + Air sind für mich mittlerweile kein Geheimtipp mehr und daher war ich sehr neugierig auf ihre aktuelles Album Evropi. Bereits das letzte Album My Heart‘s Sick Chord des Indie Duos hatte mich fasziniert. Seid gespannt, ob das Album an meine hohen Erwartungen des ersten Albums herankommt.

Artwork: Das schwarz-weiße Cover lässt mich beim Anschauen nicht mehr los. Wo schauen die beiden Bandmitglieder hin? Gruselig und wunderschön. Das dünne Booklet beinhaltet die Songtexte, nicht mehr und nicht weniger.

Tonqualität: Die Tonqualität passt perfekt ins Wohnzimmer. Die Popnummern sind gut abgemischt und bei den akustischen Songs passt der Hall perfekt, um das Zimmer um mich herum zu füllen.

Musik: Der Opener „We All Have To Leave Someday“ beginnt mit einem Chor, der einen weiten Spannungsbogen aufbaut. Beinahe schon gruselig aber irgendwie auch angenehm wird man in das Album hineingezogen. Das darauf folgende „Follow Me“ ist dann eher poppig, rockig im Indie-Sound gehalten. Der schnelle Beat lädt zum Träumen und Tanzen ein. „Should I Care?“ ist für mich im typischen Sea + Air Sound gehalten. Eine Akustikballade mit einem sanften Schlagzeug im Hintergrund und den beiden Stimmen des Duos. Die beiden erzählen schon fast schnulzig eine Geschicht, die ihr selbst erhören müsst. Das ganze klingt aber eben nicht nach einfachem Mainstream, sondern nach großer Ballade. Besonders spannend ist für mich die Überlappung der beiden Stimmen, denn Daniel Banjamin verlagert seine Tonlage leicht nach oben, um sich Eleni Zafiriadou musikalisch anzunähern. Titel 6 „The One I Love (Misery)“ ist für mich das rockigste Stück des Albums. Hier ist das Schlagzeug schnell und dennoch klingt der Titel nicht hart oder aggressiv. Warum das so ist kann ich schlecht in Worte fassen. „Flowers From The Distance“ beginnt mit einem kathedralen Chor, der den ganzen Raum füllt, danach folgt eine leicht schräge Stimme aus unverständlichen Lauten. Das Lied besticht durch eine wirklich spezielle Stimmung, die mich an die Musik von Susann Sundfør erinnert. Darauf folgt „Pain Is Just A Cloud“. Dieser Titel ist einfach so düster, dass ich jedes Mal beim Hören einen Kloß im Hals habe. Die Gänsehaut verschwindet über den ganzen Song nicht. Das Arrangement scheint nur aus Klavier und den beiden Stimmen zu bestehen. Doch einiges schwingt im Hintergrund an Klängen mit, um genau diese heftige beklemmende Stimmung zu erzeugen. Das Album geht dann wieder etwas fröhlich weiter und ich möchte dazu noch Titel 11 „We Understand You“ erwähnen. Der Song klingt nach dem Kracher „Bitter Sweet Symphony“ von The Verve. Doch bereits nach den ersten Akkorden klingt es wieder nach dem Duo, was auch zum Augenschließen und Träumen einlädt.

Fazit: Das Album Evropi von Sea + Air ist eines der spannendsten Alben der letzten Zeit. Mit ihrem poppigen, leichten aber auch teilweise beklemmenden Indie-Stil fasziniert mich die Band wieder aufs Neue. Manche Songs sollte man nicht in einer zu traurigen Stimmung hören, doch die meisten Lieder laden eher zum gespannten Lauschen als zum Weinen ein. Wer also Musik sucht bei der sich genaues Hinhören lohnt ist mit diesem Album gut beraten.

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