Und wieder schafften es die Veranstalter des DDT, einige Stile unter einen großen Hut zu bekommen. Das war dann auch wohl wieder Grund für viele, auch von weiter weg anzureisen, um einen Abend im Universal D.O.G. in Lahr unter ähnlich gesinnten zu verbringen…

Der Abend startete für manche recht enttäuschend mit In the nursery. Headliner hätten sie eigentlich sein müssen, tragen sie doch schon einiges an Geschichte zu dieser eigentlich vielfältigen, aber mittlerweile recht einseitigen und zunehmend sinnfreieren Szene bei. Das war dann aber auch das einzig wirklich enttäuschende an ihrem Auftritt.

Mit dem, was man noch immer Musik nennen kann, begeisterten sie ein gerade erst eingetroffenes Publikum, das aber schon tanzwillig war. Mit ihrem wunderbar atmosphärischen und tanzbaren Elektrofolk zogen sie sowohl anwesende Fans, als auch das eher technoid angehauchte Publikum an. Klarer gekonnter Gesang, eingebettet in Livetrommeln und –drums, untermalt von Keyboardklängen waren letztendlich doch ein sehr gelungener Einstieg in den Abend. Dies ließ das Publikum die Band auch spüren und so wurde selbst für die erste Band des Abends eine Zugabe Pflicht.


Gerade Coppelius die Klinke in die Hand zu geben, erwies sich dann auch als Glücksgriff. In Stimmung war das Publikum schon, hinzu kam jetzt noch jede Menge gute Laune und viel Spaß. Mit ihren Outfits vom Beginn des vorletzten Jahrhunderts stammend, ihrem Können und einer sehr witzigen Livepräsenz konnten sie mit Sicherheit auch viele derer überzeugen, deren Musikstil das definitiv nicht ist. Was spielen Coppelius eigentlich? Für Mittelalter ist das alles zu flippig, obwohl die Jungs auch durchaus ernst können, für Elektro bei weitem zu elektrounlastig, aber die Mischung machts. Tanz- und spaßbare Livemusik mit ausgefallener Bühnenshow durch ausgefallene Musiker bescherten eine wunderbare Zeit in der bandeigenen Dimension des Wahnsinns. Vielen Dank, ihr seid einen erneuten Besuch definitiv wert!


Der Headliner des Abends bot nun endlich das, was der grossteil des Publikums eigentlich erwartete: Geballer und Gesplatter! Dementsprechend voll wurde auch die Haupthalle und Zwangskuscheln war nicht nur in den ersten Reihen angesagt.

Das Agonoizsche Rezept verfehlte auch keinesfalls seine Wirkung. Diejenigen, die eventuell bei In the nursery und Coppelius nur aufmerksame und interessierte Zuschauer waren, konnten nun nicht anders, als aus sich herauszugehen. Treibende Bässe, ein tobender Frontmann und mitmachende Keyboarder mit einfachen Texten und Inhalten animierten zusätzlich zum erschöpfenden Abzappeln. Lustig anzusehen war allerdings, dass musikszenetechnisch vampirisch angehauchtes Publikum vor Kunstblut flüchtet. Zugegebenermaßen war das auch recht lästig, aber die meisten sollten gewusst haben, was sie bei Agonoize erwartet. Viel Spaß für relativ wenig Geld war hier absolutes Programm!

Nun ging es auch schon in den Maschinenraum, der erneut seinem Namen einige Ehre machte. Zumindest laut war es wieder, wenn auch der eigentliche Maschinenlärm fehlte. Krachige Elektronik war von jeher hier das Konzept, welches auch eingehalten wurde.

Mit F.Y.D. startete der Liveabend sehr rabiat und gleichzeitig beeindruckend. Verzerrter und aggressiver Schreigesang, unterlegt von abrupter, harter Elektronik zusammen mit dem angemalten Auftreten implizierte eine Art dreckige und verstörendere Version des damaligen Auftritts von Klangstabil. Außergewöhnlich, aber durchaus einmalig sehenswert!


Punch Inc. ließen zwar auch „nur“ Elektronik hören, aber zumindest mitreißende bzw. auf derbste Art zum Tanzen animierende. Eine Bühnenshow gab es hier leider nicht, war aber angesichts der Reglerschrauberei auch nicht zu erwarten. Es sieht nicht immer wirklich überzeugend aus und wird leider irgendwann langweilig, den Jungs zuzusehen, aber dann setzt die Wirkung der Antimusik ein. Tanzbein frei und durch da!


Mit Ah-Cama Sotz gab sich eines der großartigsten Projekte aus dem experimentelleren Elektronikbereich ein Stelldichein. Als Quasi-Ur-Vater von Projekten wie This morn omina und Empusae stand Herman Klapholz gemeinsam mit Nicolas Van Meirhaege (Empusae) seinen Mann. Keineswegs altgeworden, sondern ganz in seinem Element aufblühend gab es die mythische und geheimnisvolle Düsterstelektronik zum Anfassen. Dichte Musikstrukturen hatten eine am ehesten als psychedelisch zu beschreibende Wirkung. Hier hat der Kopf auszugehen und der Körper nur noch den Klangcollagen zu gehorchen. Beeindruckend und beängstigend gut!

Damit endete auch erneut ein Dark Dance Treffen. Angesichts überraschend guter Bands rückte der Treffensgedanke für einige sicher eher in den Hintergrund, aber auch für einige Gespräche blieb noch genug Zeit. Insgesamt war der Abend sehr gelungen, was ich nicht wirklich erwartet hatte.

Auf das nächste DDT darf man gespannt sein, neben den zwei Ah-Cama Sotz-Schülern This morn omina und Empusae sorgen Polarlicht 4.1 für die Beschallung des Maschinenraums, für die der Haupthalle konnten FunkerVogt, Diorama, Bloody dead and sexy und Gothika gewonnen werden.

Autor: Michael

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