„Corde Oblique“ ist hierzulande derzeit lediglich in der Neofolk-Szene ein Begriff, dabei hat das italienische Projekt durchaus Potential ein breiteres Publikum zu begeistern. Mit „The stones of Naples“ bringt Riccardo Prencipe jetzt bereits seine fünfte CD auf den Markt.
Sowohl der Titel selbst, als auch die Lyrics auf „The stones of Naples“ sind von realen Orten inspiriert und stellen eine Verschmelzung aus Riccardo Prencipe’s Arbeit als Kunsthistoriker und seiner Passion als Musiker dar. Neben der Altstadt Neaples hat er dem Barrio Gótico in Barcelona, dem Piscina Mirabilis, einem römischen Trinkwasser-Reservoir in Misenum bei Neapel, und der mittelalterlichen Burg Avella ein Lied gewidmet.
Durch die verschiedenen Gastmusiker und vor allem -sängerinnen ist „The stones of Naples“ äußerst abwechslungsreich. Von Lied zu Lied wechseln Stimmung und Klangfarbe.
Die ersten beiden Lieder „La quinta ricerca“ und „Venti di sale“ sind vor allem durch die gefühlvollen und ausdrucksstarken Stimmen der Sängerinnen Caterina Pontrandolfo und Floriana Cangiano geprägt. Gepaart mit verträumten Gitarrenklängen klingen die beiden Songs, genau wie „Barrio gotico“ fast wie portugiesische Fado-Musik: Sie strotzen nur so vor südländischem Temperament, Hingabe und unterdrücktem Schmerz. Das ist nicht nur eine gesangliche, sondern auch eine kompositorische Meisterleistung.
Deutlich ruhiger klingt die Ballade „Flower bud“, bei dem die Hexperos-Sängerin Alessandra Santovito singt. Die Kombination aus Gitarre, Querflöte und Gesang klingt beinahe kitschig, aber sehr schön. Noch zarter klingt „Like an ancient black and white movie“, welches bedauerlicherweise nur 2 Minuten lang ist. Bei diesem Stück holte sich Prencipe gesangliche Unterstützung von Geraldine Le Cocq, die sonst bei der französischen Formation „Mediavolo“ singt. Die elfengleiche Stimme Le Cocq’s und die leise Zupfgitarre passen sehr gut zusammen; schade, dass nur ein Lied aus dieser Zusammenarbeit entstand. Ebenfalls viel zu kurz ist „The quality of silence“, ein reines Instrumentalstück, welches gegen Ende etwas hektisch wirkt, vor allem in Bezug auf den Liedtitel.
Auch ein Coversong ist auf „The stones of Naples“ vertreten: Corde Oblique versucht sich mit Sängering Claudia Sorvillo an einer Akkustik-Version von Anathema’s „Flying“. Das klingt zwar ganz nett, kommt aber nicht an die Orginalversion heran: Die helle Frauenstimme klingt eher süßlich als melancholisch, es fehlt ihr an Tiefe und Spannung.
Um tolle Songs zu zaubern braucht Corde Oblique nicht viele Instrumente und Klangelemente. Das beweisen sie unter anderem bei „Nostalgica avanguardia“. Die gegenläufige Melodie von Violine und Gesang klingt virtuos und zauberhaft. Bei „Del castello die Avella“ verzichtet Riccardo Prencipe ganz auf zusätzliche Musiker: Gitarre und Gesang reichen aus, um die Burgruine im italienischen Avella vor dem geistigen Auge entstehen zu lassen. Noch reduzierter wird es bei „Piscina Mirabili“. Mit dem reinen Gitarrenstück lässt der Musiker sein Album ausklingen.
„The Stones of Naples“ ist eine richtig tolle Platte geworden. Der Gitarren-Virtuose legt in seine Musik eine Intensität und Fülle, von der andere Künstler nur träumen können. Ob träumerisch-ruhig oder anregend-beschwingt, das Album legt große Vielfalt zu Tage und ist eine absolute Kaufempfehlung für Fans von Neoklassik und Instrumentalkunst!
Bei Amazon gibt es das Album derzeit noch nicht zu kaufen. Wer Band und Label unterstützen will, kauft es aber sowieso besser direkt beim Prikosnovénie-Shop.
Autor: Sylvia












