Auffällig unauffällig – das ist das Erste, was bei diesem Album ins Auge bzw. ins Ohr springt. Als zweites seiner Art entstammt es der „dunklen Seele“ – so die Beschreibung auf seiner MySpace Seite – von Louis Cyphre. Inklusive passendem Cover, geziert mit den wahren Worten „It´s not Satan who destroys the earth, it´s the evil in us all“ und passenden Songtexten überzeugt es seine Liebhaber durch schaurig schöne Sounds aus Harsh-EBM und Industrial.

Im Gegensatz zum Debüt enthält „Schwarze Boten“ keine Remixes, die ihren Platz dafür auf der zwei Wochen später erschienenen Silver-Edition zugewiesen bekommen haben, was aber leider keine Schwächen des Hauptwerkes ausschließen lässt. La Magra scheint noch in Kinderschuhen zu stecken, obwohl sich das Projekt seit 2001 musikalisch und technisch weiterentwickelt. Eben die Entwicklung steht auch hier wohlgemerkt im Vordergrund; es wird dann und wann nicht nur mit Vocals und Synths mutig herumexperementiert, was allerdings die innere Harmonie der Platte stört.

Recht füllig im Sound bietet „Angel of Darkness“ einen schönen Einstieg mit einer treffenden Akzentuierung auf Melodie und Beats in spannendem Wechsel. Alle typischen Elemente dunkler elektronischer Musik sind vorhanden, werden allerdings vorerst nur hier gekonnt eingesetzt. Schwerfälliger und langsamer geht es weiter mit „City of the Dead“, was dem ersten Titel nicht gerecht wird und den Rest der Platte grob einläutet: ziemlich unspektakulär, wenn auch unentwegt dunkler werdend, erstrecken sich immer wiederkehrende Themen durch die folgenden Titel, auch die Verwendung von Synths ist da kein Salz in der Suppe.

God is Dead“ lässt allerdings gleich aufhorchen. Der tanzbare Song mit gewöhnungsbedürftigen weiblichen Vocals bringt eine angenehme Wendung in die goldene Mitte des Albums; die Kehrseite seiner neuen Facette folgt aber sogleich. In „Phoenix“ nehmen die Vocals beinahe unerträglich unpassende Ausmaße an und es geht weiter mit Monotonie und ähnlichen Themen wie in Titel 6 und 7, da hilft der Wechsel der Sängerin auch nicht viel.

End of the Human Race“ verzichtet auf den Gesang und steigt nach einem stark spannungsaufbauenden Anfang ganz ins Tiefe und Dunkle ohne ihre Auflösung. Bis zum Ende folgen weitere Tracks nach ähnlichem Schema mit jeweils anderen Elementen aus verschiedenen Synth-Effekten. Mal tanzbar, mal ruhiger. Hier kommt die Experimentierfreude des Schaffers sehr deutlich zur Geltung. Charakteristisch ist der stets aufregende Anfang, der sich ins Unspektakuläre auflöst und in leicht monotonen Ausklängen mündet.

Der Hidden Track spendet durch seinen sehr geheimnisvollen Einstieg viel Hoffnung. Es werden noch einmal alle auf der Platte vorhandenen Elemente (mit Ausnahme der weiblichen Vocals) aufgegriffen, diese abwechslungsreiche Fülle erschöpft sich aber ebenfalls in Monotonie, wenn auch der Liebhaber dazu sehr gerne tanzt.

Insgesamt lässt sich das Werk in drei Abschnitte mit jeweils einem Glanzstück gliedern. Aber eben nur einem, denn die ersten Titel einer neuen Wendung klingen immer revolutionär hoffnungsvoll, ihnen geht jedoch schnell der Atem aus und die folgenden Lieder sind bloße Variationen des in dem Anfangsstück beinhalteten Themas, was schnell langweilig werden kann. Das nimmt der Platte leider die besondere Note die sie haben könnte.
Der erste Eindruck bleibt also zum Fazit bestätigt: Man muss sich in „Schwarze Boten“ erst einmal gründlich einhören, um es zu schätzen, was es entschieden von einem erstklassigen Album abgrenzt.

Autor: Anastassija

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