Obwohl das Album „Latest Version Of The Truth“ bereits 2007 erschien, kann es in Anbetracht des zunehmenden Erfolgs der schwedischen Band Mustasch dennoch nicht als veraltet beschrieben werden. Immerhin war es unter anderem dieses Album, welches Mustasch bis an die Spitze des schwedischen Hard Rock katapultierte. Und wenn man es hört, so merkt man, dass dies nicht unbegründet geschah.
Schon beim ersten Anblick kann man erahnen, dass einen hier kein rosa-Zuckerwatte-Kuschelrock erwartet. Die CD ist komplett aus schwarzem Material gepresst (Ja, überall, Vorder- UND Rückseite, nicht nur schwarzer Aufdruck!). Auch das Booklet ist schwarz und enthält die Texte sämtlicher Lieder und düstere Portraitaufnahmen aller vier Bandmitglieder.
Den Anfang bildet das Lied „In The Night“. Zunächst erklingt ein hartes, in die Länge gezogenes Riff. Als das Schlagzeug einsetzt wird zu tiefen Power Chords gewechselt. Das voller Stärke und Geschwindigkeit steckende Intro bildet einen fast zweiminütigen Auftakt, bis schließlich die Stimme Ralf Gyllenhammers einsetzt. Und eine bessere Stimme als diese kann man sich für solche Musik in der Tat kaum wünschen! Egal ob es darum geht, klare, exakte Töne in einer dennoch kraftvollen Lautstärke zu singen, oder rauh drauf los zu brüllen, für Gyllenhammer kein Problem.
Das Schlagzeug ist schnell, aber nicht mit permanenter Doublebass, eindeutig eine der Zutaten, welche die Musik von monotonem Geknüppel abheben und ihr Rhytmik und Variation verleihen. Dazu kommen dann noch melodische Gitarrensoli und schon hat man diese Musik, zu der man am liebsten sofort ins Auto springen möchte um auf einer geraden Landstraße das Gaspedal bis zum Bodenblech durch zu treten.
Stilistisch gesehen ist das ganze am ehesten Hard Rock mit Heavy Metal Einflüssen, die je nach Song mal mehr und mal weniger durchleuchten. Besonders der Song „Bring me Everyone“ stimmt düster und geht mit viel Gitarrenarbeit sehr in Richtung Metal. „Spreading The Worst“ hingegen ist eher durch harmonischere Dur Klänge geprägt, während diese jedoch im Refrain auch wieder von einem sehr verqueren Riff unterbrochen werden.
Was man der Platte eindeutig zugute halten muss, ist ihre Vielfalt. Mustasch ist keine Band, bei der es reicht, ein paar Lieder zu haben, weil ja eh alles gleich klingt. Sie sind immer wieder für eine Überraschung gut. So wird das Lied „Double Nature“ beispielsweise von Klängen eingeleitet, die beinahe etwas an alte Disco Stücke erinnern. Was wiederum auch thematisch gar nicht so verkehrt ist. Wenn der Text sozusagen von den zwei Seelen in der Brust eines Menschen erzählt, die „Normale“ und die Schattenseite, warum dann nicht auch Disco und Metal hintereinander schalten. Bleibt nur die Frage, was davon das wirklich böse ist…
In der exakten Mitte der CD befindet sich der Track „Scyphozoa“, der ebenfalls plötzlich ganz andere Klänge anschlägt. Es ist ein etwas mehr als zwei Minuten dauernder, klassisch anmutender Instrumental Track, begleitet von Streichern. Doch das Besondere ist: Trotz dieser plötzlichen, sanft fließenden Orchesterstimmung wirkt dieser kontrastreiche Umschwung nicht unpassend!
„Latest Version Of The Truth“ ist passender Titel für dieses Album. Es ist wie ein Aufruf, aus dem oberflächlichen Leben, welches uns vorgegaukelt wird, auszubrechen, Arroganz die kalte Schulter zu zeigen und endlich auf die Beine zu kommen und sein eigenes Ding zu machen. Paradebeispiele hierfür sind „Forever Begins Today“ oder „I Am Not Aggressive“ mit Textpassagen wie „You have to quit this living like you´re dead“ (Du musst aufhören zu leben, als wärst du tot) oder „I´m not aggressive just because I´m not like you!“ (Ich bin noch lange nicht aggressiv nur weil ich nicht wie du bin).
Um es abschließend auf den Punkt zu bringen: An diesem Album gibt es wirklich nichts zu bemängeln! Wer sich klanglich im Bereich von Hard Rock und Heavy Metal mit Bands wie Motörhead und Co. zuhause fühlt, aber gleichzeitig Wert auf Kreativität und Ideenreichtum legt, der wird sich an Mustasch kaum satt hören können. Eindeutig empfehlenswert!












