Erinnert ihr euch noch an Industrial Rock, wie er war, bevor die Nails und die Zombies ihn übernommen haben? Mit genau diesem Spruch bewirbt die US-Band Hardwire ihr neues Album „Konflict“. Das Versprechen dabei: Harte Riffs und glasklare Synthesizer, verbunden zu einem tanzbaren Metalgemisch, das die Köpfe kreisen lässt. Und es scheint ganz so als nähmen sie den Spruch ernst, denn auf der CD finden sich auch Remixe von so namhaften Vertretern des Genres wie En Esch oder Die Krupps wieder.
Allerdings ist das Ganze schon in gewisser Weise eine kleine Mogelpackung. Denn bei all den großen Namen vergisst man schnell eines: Eigentlich sind auf der 13 Spur starken Platte gerade mal 5 Songs, von denen einer nichtmal im Original beiliegt. Ein wenig mager oder? Bevor die Band aber die Remixe auf den Hörer loslässt wird natürlich erstmal das Originalmaterial vorgestellt.
Zu den Originalen:
Musikalisch fällt zu allererst die stilistische Ähnlichkeit zu den Krupps auf. Das heißt, dass die Stücke, wie z.B. „Konflict“ recht gemächlich anfangen, dafür aber knackige Synthintros zu bieten haben, ordentliche Rhythmen und schöne, satte Riffs. Auch „The Ultimate Price“ und „System Shock“ erinnern stilistisch an die Musik aus der Ära Paradise Now der Krupps. Mit der gleichnamigen Spielserie hat „System Shock“ allerdings leider nichts zu tun. Der Song ist wahrscheinlich der elektronischste der Originale und auch vom hüpfenden Beat und dem Intro im C64-Stil her mehr auf das Tanzen ausgelegt. Was außerdem auffällt ist der massive Einsatz von Vocodern, über die man nun geteilter Meinung sein kann. Zum Einen erschwert das das Textverständnis um einiges und kann auf Dauer sehr nervig sein, andererseits aber gibt das der Band nochmal einen gewissen Schuss Abwechslung, was den gesanglichen Teil angeht. Allerdings setzt die Band nicht nur auf Vocoder beim Gesang, sondern primär vor allem auf leicht verzerrte und übersteuerte Growls, die aber nicht allzu kehlig sind (vgl. Ministry). Besonders gut hat es hierbei vor allem „Declaration of War“ getroffen. Der Song ist sehr schnell und gerade zu Beginn sehr elektronisch. Seinen Hauptreiz macht, mehr noch als bei „System Shock“, der stete Wechsel zwischen Vocodergesang und normaler Verzerrung aus. KMFDM-Fans werden hier auch sehr schnell eine Hochgeschwindigkeitsversion des Hauptriffs von „Light“ wiedererkennen. Überhaupt erinnert der Song vom Sound her auch beim normal verzerrten Gesang stark an KMFDM mit einer kräftigen Infusion von POWER und Vocodersprech.
Zu den Remixen:
Auf der CD enthalten sind 4x“System Shock“, 4x“Snuff Machine“ und noch einmal „Declaration of War“. Den Anfang macht ein Krupps-Remix von „Snuff Machine“ wie er typischer kaum sein könnte: Fans erkennen sofort den Gong aus „The Dawning of Doom“ wieder. Von den Club-Allyren der letzten Krupps-Veröffentlichung ist nicht mehr viel geblieben. Die anderen Remixe sind graduell stärker auf die Tanzfläche maßgeschneidert, wobei der KREIGN-Remix (Nebenprojekt von Hardwire) sicher der extremste ist, denn er entfernt alle Gitarren aus dem Song. Weniger tauglich scheinen die Abmischungen von „System Shock“ zu sein, die allesamt sehr stark auf der elektronischen Schiene fahren. En Esch treibt es hier auf die Spitze mit einem musikalisch ganz tauglichen Remix, in den er aber scheinbar „Ein Volk, ein Führer, ein Reich“ miteingewoben hat – sehr fragwürdige Sache. Vor allem der zweite Collapsed System Remix klingt mehr nach gefilterter Zufallsspieleri als nach einer ernsthaften Bemühung einen guten Mix abzugeben.
Fazit:
Zwar hält die Band ihr Versprechen Industrial Rock nach der guten alten Art zu machen, aber für einen Kauf wird sich das ganze wohl solange nicht rentieren, wie das Album nicht auf z.b. iTunes verfügbar ist. Denn auch wenn die vier Originalsongs und einige der Remixe sich für Industrial Rock-Fans wirklich lohnenswert anhören mögen, rentiert sich der Import nicht. Empfehlung: Weniger Remixe, mehr eigene Songs.












