Schon Bandname und Albumtitel lassen eine geballte Ladung DDR vermuten. Und wenn man hört, dass Patenbrigade Wolff in ihrer Kategorie der Deutschen Alternative Charts (DAC) nur von Northern Lite und Melotron übertroffen wurden, ist es wohl auch nicht zu viel verlangt, hochwertigen Electro zu erwarten. Also: Mauer wieder aufbauen und los tanzen?
Naja, nur nichts überstürzen, sehen wir uns erst mal genauer an, was Brigadier Sven Wolff und Brigadeleiter Lance Murdock uns da aus Berlin zukommen lassen. Für alle, die mit den Begriffen nicht vertraut sind: Als eine Patenbrigade bezeichnete man in der DDR eine einheitliche Gruppe von Arbeitern, denen die Patenschaft über eine Schulklasse oder ähnliche Jugendgruppe zugeteilt wurde zwecks Heranführen an die Arbeitswelt. Aber das nur nebenbei…
An die Arbeit, Genosse! Bei dieser CD wird auch optisch an der Arbeiternostalgie festgehalten. Sie kommt in limitierter Auflage in einer Metallbox, auf den Coverbildern tragen Wolff und Murdock Overalls, Helme und Schutzbrillen und davor thront der Titel in einem Schriftfont, dessen Design an das in Russland verwendete kyrillische Alphabet erinnert.
Bezüglich der Songs kann man „Demokratischer Sektor“ am ehesten als eine Art Best Of ansehen. Also eine gute Gelegenheit für Neueinsteiger, sich die Creme de la Creme anzueignen. So sind hauptsächlich Remix Versionen der großen Hits älterer Scheiben enthalten, wie beispielsweise „Mauerradio“ in der Extended Version, im Old School Retro Club Mix und im Remix von Leserotique, oder verschiedene Versionen von „Turmdrehkran“, „Ostberliner Bauarbeiter“ oder „Demokratischer Sektor“.
Das klingt natürlich erstmal unspektakulär, wozu braucht man schon eine CD, auf der sich die Lieder x-mal wiederholen? Doch ganz so ist es nicht. Die Versionen fallen wirklich recht unterschiedlich aus. So geht es mal langsam, puristisch und unaufdringlich und das nächste mal hektisch und aggresiver zur Sache mit einer kratzigen Computerstimme. Außerdem finden sich noch ein paar etwas seltenere B-Seiten, wie „Schadenshöhe unbekannt“ oder „Mit jedem Sender Informationen“ und neue Tracks, wie „Schusswechsel“ oder die aktuelle Auskopplung „Stalinallee“. Insgesamt 20 Tracks mit einer Spieldauer von etwa 74 Minuten sind es. Egal wie man es dreht, es wird für jeden etwas neues dabei sein.
Das gesamte Album ist im Radio-Stil gehalten, typisch für Patenbrigade Wolff. Immer wieder hört man Sendersuche und Ausschnitte aus Berichten, welche in den Texten der Songs aufgegriffen werden. So finden sich in „Stalinallee“ Ausschnitte aus einer Rede, immerwieder unterbrochen von „Es lebe Stalin! Hoch! Hoch!“, während in „Schusswechsel“ von einer Demonstration im Westsektor des Potsdamer Platzes, damaliger Brennpunkt der Sektoren der Nachkriegszeit in Berlin, berichtet wird, mit einschneidenden Zitaten wie „Schwere Sowjetische Panzer haben soeben die Leipziger Straße besetzt und rollen weiter vor“.
Patenbrigade Wolff liefert Ostblock gepaart mit modernem und tanzflächentauglichem Ambient Electro. Eine Mischung, die man zwar nicht aller Tage hört, die jedoch eingängig ist und gefällt. Die Musik ist ausgereift und gekonnt zusammen gesetzt. Mit eindeutig dominierendem Rhythmus, jedoch auch nicht zu hart. Für die Thematik der Texte kann man sich begeistern und diese gut mitverfolgen. Ein sicheres Erfolgsrezept.












