Atmosphärisch – hypnotisch – elektronisch! So und mit vielen weiteren großen Worten beschreibt die Band ihr zweites Album. Doch wie überall stimmen auch hier größere Worte nur umso skeptischer. Wir haben der Electropop-Platte nun endlich auf den Zahn gefühlt.

Titscht man das Album in den CD-Player ist man zunächst erfreut: Die Band bietet tatsächlich schöne klare und vor allem tanzbare Elektronische Musik der leichten und genüsslichen Art. Und das ist auch nicht weiter überraschend, wenn man bedenkt dass Mastermind Rico Piller bereits seit über 12 Jahren musikalisch aktiv ist und bei etlichen Projekten mitgewirkt hat oder noch immer mitwirkt.

Die Songs wechseln sich dabei angenehm ab mit langsamen gezogenen Stücken wie „Auf und Davon“ oder „Nur für einen Moment“ und flotteren/finsteren Nummern wie „Geldgier“ oder „Genug ist Genug“. Auch die Stimme passt im allgemeinen ganz gut mit rein und stört zunächst nicht. Vor allem wenn es an höhere Tonlagen geht merkt man allerdings doch dass die Stimme schnell schiefläuft. Besonders auffällig wird das Problem auf der zweiten Hälfte der CD, wo man oft den Eindruck hat der Sänger sänge daneben; beispielsweise in „Freiheit aus Träumen“ mit fetten, dichtgewobenen Synths à la VNV Nation oder „Blickfeld“.

So sind die Texte dann auch das eigentliche Problem des Albums, die bestenfalls mittelmäßig sind, sich aber viel zu oft auf einem dermaßen hölzernen Niveau befinden dass man kaum umherkommt einmal kräftig „umpf!“ zu schnaufen. Das traurige Paradebeispiel hierfür dürfte wohl der Titel „Haferschleim und Müslibrei“ sein, der zwar eine solide musikalische Untermalung hat, die sich aber durch den absolut albernen Text leider wieder zersetzt. Klar können Zeilen wie „Kommt ihr kleinen süßen hungrigen Haustierchen, gibt [sic] euren Futternapf! Keine große Auswahl und keine Mäkelei – täglich gibt es nur noch Haferschleim und Müslibrei!“ eigentlich nur Jux und Dollerei sein, aber die Band nimmt sich durch die todernste düstere Vortragsweise jegliche Glaubwürdigkeit. Das Stück wirkt einfach unfreiwillig komisch – Genau wie viele andere Songs auch noch. Peinlich.

Tja, was soll man mit so einem Album machen? Entweder die Texte sind grottig, oder der Gesang oder beides. Allein die Musik ist konsequent gut und eignet sich vor allem zum Tanzen. Aber reicht das um mit einem Album glücklich zu werden?
Meine Empfehlung lautet sich auf das Album einzulassen wenn man sich selbst zu den Menschen zählt denen Texte nicht wichtig sind. Aber selbst dann könnte man sich am schiefen Klang des Gesanges anstoßen.

Halten wir also fest: Gute Musik, aber leider schlechte Texte und unsicherer Gesang vor allem in höheren Lagen. Meiner Meinung nach eher Durchschnittsware mit einigen musikalischen Highlights („Haferschleim und Müslibrei“, „Freiheit aus Träumen“, „Zu weit weg“) aber viel zu vielen textlichen Tiefpunkten.

Werbung
Redaktion
Unter diesem Benutzernamen werden Beiträge ehemaliger und freier Mitarbeiter zusammengefasst.