Schon das dritte Album liefern Eisbrecher mit „Sünde“ ab. Kaum zu glauben, dass es schon wieder so lange her ist, dass sich die Band gegründet hat. Bereits die Vorgängeralben haben schon einige beliebte Hits zur deutschen Dunkelrockszene beigesteuert. Die meisten werden die Band aber wohl für ihre Liveperformance auf einem der zahlreichen Festivals und Konzerte der letzten Jahre kennen und schätzen. Ob sich auch das gefürchtete Dritte an diese Erfolge anknüpfen kann lest ihr hier!
Schon vor einigen Wochen erschien die Vorabsingle „Kann denn Liebe Sünde sein“. Enthalten waren damals neben dem namensgebenden Song auch noch „Herzdieb“ und damit zwei starke Songs. Die gute Nachricht vorweg: Wem schon diese Vorabsingle gefallen hat, der kann bedenkenlos zugreifen und sich das Album in die Sammlung klatschen.
Denn eines ist sicher: Eisbrecher liefern auch mit ihrem neuesten Werk scheinbar mühelos wieder ein Album ab, das sich gewaschen hat. Zwar werden auch mal ruhigere Töne angeschnitten und auch die Elektronik ist ein wenig stärker geworden, aber alles in Allem ist „Sünde“ eine astreine Rockplatte. Gerade „Verdammt sind“ fällt als instrumentales, recht elektronisches, Intermezzo ein wenig aus dem Rahmen und dient eigentlich nur als Überleitung und Lückenfüller für den Song darauf, „die durch die Hölle gehen“. Auffällig: Durch das Maschinengeklacker und den dadurch entstehenden Rhythmus erinnert das Stück mehr oder weniger stark an Hanzel und Gretyls „Ubermensch Uberfrau“, bleibt in der Grundstimmung aber minimalistischer und finsterer. Auch „Kuss“, recht weit am Ende des Albums, ist ein elektronisches Instrumentalstück. Wer schon „Herzdieb“ mit seiner Mischung aus balladisch-melodiösen Tönen und Rock mochte wird auch einige andere Stücke auf der Platte finden, die zwar nicht unbedingt textlich, dafür aber musikalisch in die selbe Kerbe schlagen, finden. Beispielsweise „Heilig“, das einen ähnlichen musikalischen Stil vorlegt wie die Vorzeigeballade der Platte und zu den Krachern des Albums zählt.
Herrlich grob kommen da Textzeilen wie „Sei still und knie dich nieder/ganz tief in meinen Schoß/Mein Fleisch ist hart und willig/Und Gott ist groß!“ daher, die sich einmal mehr mit dem Thema Scheinheiligkeit und Missbrauch innerhalb der Kirche auseinandersetzen, gekleidet in ein lockeres Gewand aus einem schmissigen Beat und ein wenig Synthgedudel. Die Gitarren melden sich hier vor allem im eingängigen Refrain zu Wort, der einen Schuss Glam verstreut. Ebenfalls einer der besten Songs der Platte ist das grandiose „This is deutsch“, das musikalisch irgendwo zwischen Kraftwerk-Elektronik und KMFDM-Riffs steckt. Auch textlich könnte der Song directemen aus der Feder von KMFDMs Käpt´n K stammen, der bereits seit den frühen neunziger Jahren gerne deutsche Klischees abklappert und auf die Schippe nimmt. Andererseits fragt man sich bei der Thematik inwiefern das ganze zum Thema „Sünde“ passt. Kann denn Deutschsein Sünde sein?
Jedenfalls ist der Song verdammt gut, so viel steht fest!
„Zu sterben“ hört sich, wie von der PR-Maschine richtig angekündigt, wirklich wie „Herzdieb Teil 2“ an und damit ziemlich flüssig im Gegensatz zum zackigen „1000 Flammen“, während „Mehr Licht“ weniger Goethe und deutlich mehr Gitarre zu bieten hat. Der verwendete Synthesizer klingt schön retro.
Als letztes rangiert auf der CD noch einmal „This is Deutsch“, diesmal im Remix von [SITD], der den Song in eine (beinah) pure, teils sehr minimalistische Elektronummer verwandelt. Ob das wohl die Clubtauglichkeit noch weiter erhöht? Zieht man den Remix und die Instrumentalnummern ab kommt man summa summarum noch auf 10 Songs. Eigentlich etwas mager, aber dafür kriegt man gute Qualität fürs Geld. Wer Industrial Rock aus Deutschland mag und nicht mehr den hundertsten Rammsteinaufguss und irgendwelche grottigen NDH-Knechte sehen will kommt an Eisbrecher jedenfalls nicht vorbei. Und mit „Sünde“ liefert die Band wieder einmal eine 1a Scheibe ab, die sich auf jeden Fall am grandiosen Vorgänger „Antikörper“ messen kann. Ich freue mich jedenfalls jetzt schon darauf, die neuen Songs live auf den kommenen Konzerten um die Ohren geschmettert zu bekommen.
Ergo: „Sünde“ ist eine Platte, die sowohl alten als auch neuen Fans gefallen wird und zackig-krachigen, tanztauglichen Industrial Rock liefert. Definitiv eine der heißesten Platten im Genre!
Das Album wird übrigens auch als Deluxe-Version ausgeliefert. Darauf enthalten sind noch zwei weiterere Remixe („Alkohol (Roter Sand)“ und „Kann Denn Liebe Sünde Sein? [SITD]“) und der Bonus-Song „Blut und Tränen“.












