Wie würde wohl Musik klingen, welche von Elfen (ja, genau die mit den spitzen Ohren) komponiert wird? Die russische Neoklassik-Band Caprice beantworten diese Frage mit ihrer Musik: Surrealistisch, trotzdem wunderschön und irgendwie anders als alles, was man zuvor gehört hat. Ihre letzten drei Alben widmeten die Russen, wen wundert es, den berühmten Geschichten von JRR Tolkien.
Zunächst ganz ruhig, dann aber immer rockiger wird das Album mit „Dundellion wine“ eröffnet. Inna Brejestovskaya legt hier kraftvoll in Kate Bush-Manier los und zeigt, wie viel Ausdruck in einer zarten Stimme liegen kann. Die schwungvolle Mischung aus rockigen E-Gitarren und experimentellen Elektroelementen machen gute Laune und vor allem Lust auf das Album. Auch „Monday Tuesday“ und „Mary Morison“ sind auf ihre Art beschwingt, jedoch auf eine diffizilere Art, welche die klassischen Wurzeln des Ensembles Caprice erkennen lässt: Die Musiker rund um Mastermind Anton Brejetovski sind allesamt an der Mokauer Oper tätig.
Die Musiker bei Caprice scheinen mit ihren, teils recht ungewöhnlichen Instrumenten spielend leicht zurechtzukommen, was besonders bei „Philomel, With Melody“ deutlich wird. Fast ausschließlich mit Cemballo, Oboe, Trommeln und Gesang wird hier ein Klangbild eines tanzenden Elfenkinds gezeichnet.
Dramatischer und düsterer wird es beim Titeltrack des Albums: „Kywitt! Kywitt“ singt der Vogel in der Geschichte vom Machandelbaum, welche einst von den Gebrüder Grimm festgehalten wurde. Dieses Lied singt nun auch Ina Brejestovskaya, und zwar mit solcher Inbrunst, dass ein kalter Schauer garantiert ist. Wer Filmmusik á la „Sweeney Todd“ mag, wird „Kywitt! Kywitt“ lieben.
Auch die Lyrics von „Adew sweet Amarillis“ stammen aus einer historischen Quelle, und zwar aus dem 16. Jahrhundert. Wenn man bei den ersten Albentiteln noch Elfen vor dem inneren Auge tanzen sah, so sieht man sie jetzt traurig und versunken. Das melodiöse, getragene Stück ist überaus emotional und viel zu schnell vorbei. Ähnlich gefühlvoll aber weniger traurig klingt der siebte Albumtrack „Christmas Lullaby“.
Mit dem 8. Titel treten die russischen Virtuosen in die Fußstapfen der kanadischen Folklegende Loreena McKennitt. Ihre Interpretation des Volkslieds „Blacksmith“ klingt der, der Kanadierin zwar recht ähnlich, steht ihr aber in nichts nach. Besonders die klassischen Klangelemente gegen Ende des Stücks, machen „Blacksmith“ zu einem ganz besonderen Highlight.
„The Dusk of Kimmeria“ ist, wie kein anderes Stück auf dem Album, sphärisch und leicht. Hier ist Augen schließen angesagt, und dann loslassen und träumen. Das kann man dann auch beim experimentell-zarten Instrumentalstück „More“, welches darauf folgt.
Nach diesem ruhigen Ausklang wirkt das poppig-folkige „Peggy O“ schon fast etwas befremdlich. Das ist aber auch schon das Einzige, was es an diesem Album auszusetzen gibt. Als Entschuldigung dafür haben Caprice aber ja auch noch einen Bonustrack draufgesetzt: „Fae Fae Fae Fae Fae Fae Fae“ heißt der spaßig-melodiöse Track. Na gut, Entschuldigung angenommen.
Insgesamt ist die Musik von Caprice recht schwer zu beschreiben, aber unbedingt hörenswert. Wer eine gewisse Vorliebe für theatralische Musik und musikalischen Kitsch hegt, der sollte sich „Kywitt! Kywitt“ auf jeden Fall besorgen. Und wer nicht, der sollte zumindest mal in ihre Musik reinhören. Erfrischend elfisch!
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Autor: Sylvia












