1998 zerschmissen sich die fünf Mannen der Metalformation Incubator und es folgten Jahre voller Rechtsstreitigkeiten. Seit 2006 jedoch tourt das Gespann wieder, alle Unklarheiten sind beseitigt und so wurde nach exzessiver Bühnen- und Magazinpräsenz über Samplerbeiträge kehrt Incubator nun mit dem neuen Album „lieBISSlieder“ zurück. Bleibt nur noch offen ob es sich dabei um Lieder mit Biss oder nur um ausgelutschte Kamellen handelt.

Irgendwie scheinen mäßige Wortspiele im Metal-lager gerade en vogue zu sein, aber das tut nichts zur Sache. Incubator brüsten sich damit mit ihren 17 Jahren eine der dienstältesten Metalbands Deutschlands zu sein, aber sei´s drum. Tatsächlich ist der Stil der Band schwer einzuordnen. Musikalisch gibt die Combo ordentlich Dampf. Die Mucke ist durchweg schnell, mit teils schwermütigen Riffs und massivem Drumgeknüppel, das durchaus an Death Metal zu erinnern vermag.

Dazu passen allerdings nicht die Growls, die mehr nach Kneipenschlägerrock der Art Böhse Onkelz klingen, so dass der Eindruck entsteht die Band hinge irgendwo zwischen Rock und Metal in der Luft. Auch textlich scheinen leichte Onkelz-Attitüden durchzuklingen mit fragwürdigem Inhalt (wenn man ihn denn mal versteht). Den Höhepunkt bildet dabei der Song „Fick mich“, der mit seinem andauernden „FICK MICH FICK MICH“ in verschiedenen Variationen schon unfreiwillig komisch rüberkommt. Die meiste Zeit jedoch versteht man die Texte kaum, da der Gesang von den Gitarren und Drums übertönt wird. Aus der nach „Narzist“ recht eintönigen Menge stechen „Instrumentalstück“ als Instrumental und „Stapellauf“ aufgrund plötzlich einsetzendem Frauengesangs im Refrain hervor. Erwähnenswert ist auch das Cover von Richthofens „An die Wand/Der jüngste Tag“, das mit seinen überaus schweren Gitarren für einen anderen Sound und etwas Abwechslung sorgt. Allerdings ist er nur auf der limitierten Digipackversion des Albums als Bonuslied enthalten. Das reguläre Album ist schon nach gerade mal 10 Liedern wieder zu Ende.

Musikalisch ist die CD durchaus okay. Die Band geht voll nach vorne und man kann sich das ganze gut anhören, gerade auch wenn es nebenbei läuft. Textlich gesehen ist die Band unverständlich bis unwichtig. Die meiste Zeit scheint es um die Verarbeitung irgendwelcher Querelen zu gehen, die mit Floskeln wie einem höchst ironisch gebrüllten „DANKE FÜR DIE SCHÖNE ZEIT“ quittiert werden. Überhaupt wird eigentlich nur gebrüllt, was auf Dauer nicht nur monoton sondern auch unflexibel wirkt. Wie Bandkopf Chris Mummelthey kommentiert: „Ein neues Konzeptalbum mit jeder Menge Wut und Hass!“. Worin dabei das Konzept liegt erklärt er mit: „UNSER Résumee aus UNSERER Karriere, UNSEREM Werdegang und diversen persönlichen Abrechnungen“.

Bleibt die Frage offen inwiefern das Außenstehende interessiert. Insgesamt ist das Album relativ kurz und relativ egal, es sei denn man steht auf Rock nach Art von Bands wie Böhse Onkelz, Frei.wild und wie sie alle heißen mögen, nur mit der Musik mal eine Nummer härter. Für Metalfans ist das Album schlichtweg nicht interessant genug.
Was bleibt sind Lie-lieder mit nicht ganz so viel BISS.

Werbung
Redaktion
Unter diesem Benutzernamen werden Beiträge ehemaliger und freier Mitarbeiter zusammengefasst.